Rickenbach
Auf Spurensuche nach der Schiesserei: Zwei Personen vorübergehend festgenommen

Über Pfingsten wurde vor dem Kulthaus auf zwei Männer geschossen. Der mutmassliche Schütze wurde national und international zur Verhaftung ausgeschrieben. Ein Augenschein in Rickenbach zwei Tage nach der Tat.

Pablo Rohner
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Am Dienstag nach der Schiesserei in der Bar Kulthaus (Bildmitte) geht in Rickenbach alles seinen gewohnten Gang.

Am Dienstag nach der Schiesserei in der Bar Kulthaus (Bildmitte) geht in Rickenbach alles seinen gewohnten Gang.

Bild: Pablo Rohner

Rickenbach am ersten Werktag nach den Schüssen vor dem Kulthaus. Es ist Mittagspause. Auf der leeren Terrasse der Bar flattert das Stoffdach des Pavillons im Wind. Zwei Tage, nachdem hier auf zwei Männer geschossen wurde, deutet nichts mehr auf einen Tatort hin.

Am Pfingstmontag hatte ein anonymer Gast gegenüber «Tele Top» gesagt, dass Mitglieder der «Belegschaft der Lokalität» nach der Tat in Gewahrsam genommen worden seien. Nun, am Dienstagmittag sagt Daniel Meili, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau:

«Zwei Personen wurden vorübergehend festgenommen.»

Ob es sich dabei um Personal des «Kulthaus» handelte, sagt Meili nicht. Die beiden Personen seien aber schon nach wenigen Stunden wieder freigelassen worden.

Bis dato hätten sich gemäss Meili rund ein halbes Dutzend Personen auf den Zeugenaufruf der Polizei gemeldet. Deren Aussagen und Informationen fliessen in die Ermittlungen ein.

Der Coiffeur nebenan schlief fest

Unter der nahen Brücke rauscht der Alpbach. Coiffeur Marcel Wagner steht vor seinem Geschäft und blickt die Strasse runter in Richtung Tatort. Er sei in der Sonntagnacht gegen zehn ins Bett gegangen, weder die Schüsse noch der Lärm der Aktionen von Polizei und Feuerwehr hätten ihn geweckt. Wagner versucht, das Ganze mit Galgenhumor zu nehmen: «Es ist ja gut, wenn nebenan so etwas Schlimmes passiert und man trotzdem schlafen kann.» Dann wird er ernst.

«Ich finde es verrückt, dass das hier geschehen ist.»

Besonders für die Familien mit Kindern, die in den Häusern und Blöcken neben der Bar wohnen, fände er es schlimm.

Auf dem Heimweg durch die Absperrung

Noch etwas weiter in Richtung Einkaufszentrum Breite kommt ein junger Mann gerade nach Hause. Er erinnert sich an die Tatnacht, will aber anonym bleiben. Als er gegen 1 Uhr morgens mit dem Taxi von einer Bar in Wil nach Hause fuhr, war die Toggenburgerstrasse beim Kreisel beim McDonald's gesperrt.

Bis nachts um halb drei blieb die Strasse durch Rickenbach gesperrt.

Bis nachts um halb drei blieb die Strasse durch Rickenbach gesperrt.

Bild: BRK-News

Nach einem Umweg habe ihn der Taxifahrer in der Nähe der Breitestrasse abgesetzt. Auch auf diesem Weg musste er eine Sperre passieren, bevor er zu Hause ankam. Als er dem Polizisten sagte, dass er auf dem Heimweg sei, habe der ihn durchgelassen.

Fahndung nach männlicher Person läuft

Nach der Auseinandersetzung vor dem «Kulthaus» an der Toggenburgerstrasse in Rickenbach wurden zwei 29- und 33-jährige Männer mit Schussverletzungen ins Spital gebracht. Der Gesundheitszustand der Männer erlaubte im Verlauf des Montags eine erste Einvernahme, zusätzlich wurden rund ein Dutzend weitere Auskunftspersonen befragt, lässt die Polizei verlauten. Der Kriminaltechnische Dienst der Kantonspolizei Thurgau sicherte am Tatort die Spuren.

In Rickenbach bei Wil mussten am Sonntagabend zwei Männer mit Schussverletzungen ins Spital gebracht werden.

Video: Katja Jeggli

Die Fahndung konzentriert sich momentan auf einen namentlich bekannten Mann, teilt die Kantonspolizei am Dienstagmorgen mit. Weitere, spruchreife Informationen ergeben sich im Verlauf des Tages nicht. Gemäss den bisherigen Erkenntnissen verliess dieser mit den späteren Opfern das Lokal, bevor er gegen 23 Uhr mehrmals auf die beiden schoss.

Der mutmassliche Schütze wurde national und international zur Verhaftung ausgeschrieben. Die Tatwaffe, eine Faustfeuerwaffe, konnte noch nicht sichergestellt werden. Laut Mediensprecher Daniel Meili gebe es keine Hinweise darauf, dass für die Bevölkerung eine Gefahr besteht.

Die Ermittlungen der Kantonspolizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft Frauenfeld laufen weiter. Wer im Zusammenhang mit der Schussabgabe Beobachtungen gemacht hat, soll sich unter der Nummer 058 345 22 22 melden.