Ribelmais für Gesundheitspolitiker

Silvan Lüchinger
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200 Politiker jeglicher Couleur rannten dieserTage am eidgenössischen Parlamentarier-Fussballturnier in Wil dem Ball nach. Für die 13 Minuten Spielzeit pro Begegnung galten die Regeln des Schweizerischen Fussballverbandes. Mit kleinen Abweichungen. Direkte Freistösse waren nicht erlaubt. So hatten auch weniger bewegliche Spieler eine Chance, vor dem Ball zu fliehen. Zudem wurden im Abseits stehende Spieler nicht zurückgepfiffen. Das hätten die Politiker nicht verstanden.

Christen, Nichtchristen und Heidenaller Art waren ein­geladen, als in St. Gallen der 250. Geburtstag der Kathedrale gefeiert wurde. Nach dem Pontifikalamt gab es Wurst, Brot und Bier – gratis und ebenfalls für alle. Es waren ihrer aber so viele, dass nicht Wurst und Bier, sondern die St. Galler Bürli ausgingen. Da hatte anscheinend jemand im Vertrauen auf den Herrn eine wunderbare Brotvermehrung vorausgesetzt. Leider war der Herrgott noch in den Ferien.

Mit der Bewirtschaftung von Parkplätzen auf öffentlichem Grund verdienen die Gemeinden gutes Geld. Müsste man meinen. Die Abrechnung sagt etwas anderes: In St. Gallen halten sich Aufwand und Ertrag knapp die Waage. Dennoch will die Stadt 88 alte Parkuhren durch neue Modelle ersetzen. Ihr grosser Vorteil: Sie können ab 2020 online von Sommer- auf Winterzeit umgestellt werden. «Wir werden im Unterhalt effizienter», sagt die Stadtpolizei dazu. Noch viel effizienter wäre etwas anderes: Die Parkuhren demontieren und an ihre Stelle ein Bäumchen pflanzen.

Ribelmais hat Generationen von Rheintalern gross und stark gemacht. Also wird er auch für Hühner gut sein. In Gams macht Remo Geiser die Probe aufs Exempel. Er betreibt den ersten mobilen Poulet-Maststall in der Region. 2500 Tiere finden darin Platz – zu fressen erhalten sie nebst Gras Ribelmais in Granulatform. Die öffentliche Präsentation des Stalls lockte viel Volk an, das Pouletflügeli und Hühnerfutter degustierte. Die Nachfrage war derart gross, dass manch interessierter Bauer sich fragte, ob man das Verfüttern an Hühner nicht überspringen könnte.

Dem Spital Heiden fehlen Patienten. Der Kanton pumpt Geld hinein. Dem Spital Vaduz fehlen Patienten. Die Regierung will Geld hineinpumpen. Dem Spital Appenzell fehlen Patienten. Die Regierung plant einen Neubau. Auf Gaflei hoch über dem Rheintal entsteht eine Privatklinik für die Behandlung von Stressfolgeerkrankungen. Gesundheitspolitiker werden aufgenommen.

Niederwil besuchen, so lange es noch steht. Vier Unternehmen interessieren sich für fünf Deponie- und Kiesabbau- Standorte in unmittelbarer Nähe des Dörfchens. Sollte auch das nicht reichen, brauchen sich die Niederwiler keine Sorgen zu machen. Es gibt heute Maschinen, die ganze Häuser innert Stunden in Deponiematerial verwandeln.

Eine Tourismusregion wie das BernerOberland oder das Engadin wird die Ostschweiz nie werden. Aber man bemüht sich auch hier ehr- und redlich, Gäste aus fernen Ländern anzulocken und ihnen etwas zu bieten. Nicht alle Organisationen sind darin gleich erfolgreich. Recht gut in Fahrt ist derzeit die Region St. Gallen- Bodensee. Die Tendenz der Übernachtungszahlen zeigt nach oben. Schlechter läuft es im Thurgau, wo offensichtlich neue Attraktionen fehlen. Das kommt davon, wenn alle Quälhöfe überhastet geschlossen werden.

Silvan Lüchinger

silvan.luechinger

@tagblatt.ch