RHESI: Wo der Rhein freier fliessen könnte

Die Projektleitung des Hochwasserschutzprojekts Rhesi legt neue Varianten vor: Auf eine Aufweitung in Diepoldsau wird verzichtet, hingegen soll bei der Frutzmündung mehr natürlicher Flussraum entstehen.

Marcel Elsener
Drucken
Teilen
Ein sogenannter Trittstein bei Hard-Fussach: Der Rhein könnte in Zukunft auch innerhalb der Dämme wesentlich natürlicher in den Bodensee fliessen.

Ein sogenannter Trittstein bei Hard-Fussach: Der Rhein könnte in Zukunft auch innerhalb der Dämme wesentlich natürlicher in den Bodensee fliessen.

Marcel Elsener

marcel.elsener@tagblatt.ch

Hier etwas weniger, dort etwas mehr: Im Rheintal wird nach wie vor um das Rheinvorland gerungen, um nicht zu sagen gestritten. Nun legen die Verantwortlichen des Hochwasserschutzprojekts Rhesi den neuesten Planungsstand vor. Die Zeit drängt: Bis Ende 2017 soll gemäss den Regierungen in Bregenz und St. Gallen das Generelle Projekt vorliegen.

Laut Rhesi-Projektleiter Markus Mähr sei die Gestaltung des Rheins für das Projekt inzwischen weitgehend geklärt; erste Visualisierungen geben einen Eindruck, wie sich der teilweise freier fliessende Rhein zu einer neu erstarkten Lebensader des Rheintals entwickeln könnte. Die wichtigsten Neuerungen im Projekt betreffen auf Schweizer Seite Diepoldsau und Kriessern: Am erst genannten Ort dürfen die Gegner einer Dammabrückung aufatmen. Die Rhesi-Planer verzichten auf die skizzierte Aufweitung, namentlich aufgrund der «schwierigen Untergrundverhältnisse», wie sie mitteilen.

Gleichsam als Ersatz wird hingegen eine Dammabrückung auf Höhe der Frutzmündung (Meiningen, Koblach) mit zusätzlichem «Trittstein» (innerhalb der Dämme) in Kriessern geplant – eine überraschende Wendung. Denn diese grosse Aufweitung hatten die meisten wegen des befürchteten Landverbrauchs schon längst abgeschrieben. Der neue Lösungsvorschlag dürfte die Umweltorganisationen ebenso freuen wie die Landwirtschaft: Der naturnahere Rhein beansprucht laut diesen Plänen jedenfalls kein weiteres Land der Bauern. Zwischen, aber auch ausserhalb der Rheindämme entstände ein attraktives Naherholungsgebiet, wie es heisst. Und die Aufweitung würde zudem den drohenden Rückstau am Ehbach für Meiningen deutlich entschärfen. Noch fehlt die Zustimmung Meiningens, doch laufen intensive Gespräche. Zurückgekrebst sind die Planer im Mündungsbereich des Rheins: Die vorgesehene Dammabrückung in Hard-Fussach wird weiter redimensioniert, wohl auch wegen des Widerstands der Gemeinden und vieler betroffener Grundeigentümer.

Trinkwasserplanung noch in Arbeit

Keine News gibt es in Sachen umstrittene Brunnen im Rheinvorland: An der Trinkwasserplanung werde «in enger Abstimmung mit Gemeinden und Verbänden weiter intensiv gearbeitet», heisst es in der Mitteilung der Internationalen Rheinregulierung (IRR). Auf beiden Seiten würden möglichst nachhaltige und synergetische Lösungen für Brunnenverschiebungen und Ersatzwasserbeschaffung geprüft; so werden in Österreich neue Brunnen in Matschels mit Verbindungsleitungen geplant.

Urs Kost, Vorsitzender der Gemeinsamen Rheinkommission, weist auf den Termindruck und die lange Bauzeit von 20 Jahren hin: Man wolle das Generelle Projekt bis Ende Jahr einreichen und dann mit der Detailplanung beginnen, abgestimmt auf die folgenden Behördenverfahren. «Rhesi ist eine Grundlage für die weitere Entwicklung des Rheintals als Wohn- und Wirtschaftsraum, wir sollten nun zügig den Baustart vorbereiten.»