Zwischen Himmel und Erde

Das Museum Liner würdigt mit einer Sonderausstellung den Rheintaler Künstler Josef Ebnöther. «Himmel und Erde» heisst die Ausstellung – sie zeigt so manches, was dazwischen liegt.

Ueli Abt
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Ab heute Samstag sind Josef Ebnöthers Gemälde im Museum Liner in Appenzell zu sehen. (Bild: ua)

Ab heute Samstag sind Josef Ebnöthers Gemälde im Museum Liner in Appenzell zu sehen. (Bild: ua)

APPENZELL. 76 Gemälde, 76 Lebensjahre. Dass die Zahl der gezeigten Gemälde genau mit dem Alter des Künstlers übereinstimme, sei reiner Zufall, sagt Kurator Roland Scotti. Allerdings sei es an der Zeit, dass ein Museum das Werk des Rheintaler Künstlers würdige: «Zu seinem 75. Geburtstag fand keine angemessene Würdigung statt, also machen wir das.» Scotti weist darauf hin, dass sich Ebnöthers malerische Sprache über 40 Jahre kontinuierlich weiterentwickelte («Zwischen 2008 und 2013 malt er wie ein Jungspund»), und dass man sein Werk als Weiterführung des malerischen Erbes von Carl Walter Liner sehen könne.

Kubistische Anfänge

Eine kleine Retrospektive eröffnet den Rundgang durchs Museum. In seinem Frühwerk arbeitete Ebnöther mehrere verschiedene Stile durch, noch sind seine Motive klar gegenständlich. Es gibt Anklänge an Fauvismus und Kubismus, Ebnöther experimentiert auch mit jener in den 60er- Jahren gängigen Bildsprache, bei welcher dicht gepackte Farbflächen den Eindruck von Kirchenfenstern erwecken.

Dann, irgendwann in den 70er- Jahren, der Bruch: Ebnöther bleibt abstrakt, entzieht sich Deutungen. Flächenaufteilungen, die sich an der Horizontale und der Vertikale orientieren, sorgen oftmals für eine gewisse Ruhe im Bild. Die Titel der Gemälde verweisen auf Natur und Landschaft. Scotti hat bei der Konzeption der Schau zu den Gemälden Entwürfe für Reliefs im öffentlichen Raum kombiniert, was eine noch umfassendere Sicht der damaligen Schaffensphase und Querbezüge ermöglichen soll.

Religiöse Themen

Dann springt die Ausstellung zum ihrem eigentlichen Schwerpunkt: Ebnöthers Spätwerk. Der Künstler hat mittlerweile zu einer ganz neuen Elastizität gefunden, da scheinen Bildelemente förmlich herum zu schwirren wie merkwürdige Trümmerteile in einem phantastischen Weltall. Wo früher Braun und Rot dominierten, herrscht nun Blau vor, die farbliche Grundstimmung wirkt aufgefrischt bis hart an die Grenze zum Dekorativen.

Selten wird Josef Ebnöther so explizit wie in jenem Triptychon, das er mit «Karfreitag» betitelt. Meistens bleibt das Arrangement aus Form und Farbe genug offen, naheliegende Auslegungen gibt es nicht.

Wenn man da und dort dennoch glaubt, in seinen Werken klar Benennbares wie vernähte Wunden oder Rasierklingen zu erkennen, lenkt alsbald ein Bildtitel wie «Geteilter Raum» die Betrachtung nochmals in eine ganz neue Richtung.

Vernissage heute Samstag, 29. Juni, um 17 Uhr. Die Ausstellung dauert bis am 14. Januar 2014.