Zweimal auf Kurs zum Grossen Gold

Die Bilanz von drei bedeutenden nationalen und internationalen Wettbewerben ist für Rheintaler Winzer ausserordentlich positiv. Herausragende Prämierungen sind Gold, Silber sowie Nominationen für den Grossen Preis des Schweizer Weins.

Monika von der Linden
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Jakob Federer und Elisabeth Federer Heule präsentierten ausgezeichnete Stegeler-Weine. (Bild: pd)

Jakob Federer und Elisabeth Federer Heule präsentierten ausgezeichnete Stegeler-Weine. (Bild: pd)

«Wo stehe ich mit unseren Produkten in der Schweizer Weinwelt?» Diese Frage stellt sich Kaspar Wetli (Schmid Wetli AG, Berneck, und Präsident des Branchenverbandes Deutschschweizer Wein) immer wieder. «Indem ich an nationalen und internationalen Wettbewerben teilnehme, stelle ich mich der Herausforderung und erhalte hilfreiche Hinweise.» Diese Standortbestimmung sei für ihn wichtig. So könne er der Kundschaft das Urteil einer Fachjury unterbreiten. Er habe seine Weine an drei voneinander unabhängigen Veranstaltungen bewerten lassen und durchwegs positive Bewertungen erhalten.

Wettstreit der Burgunder

«Für unseren Betrieb ist der Mondial des Pinots 2013 ganz wichtig», sagt Wetli. 85 Prozent unseres Weines ist Pinot Noir. «An dem internationalen Wettbewerb wird das Produkt der Königin der Weinreben, reine Blauburgunder, bewertet. «Seit zwei Jahren arbeitet unser Sohn Kaspar Wetli als Önologe im Betrieb. Er ist für die Weine verantwortlich. Unser Betrieb hat an diesem Wettbewerb eine Gold- und eine Silbermedaille errungen.» Die Preisverleihung findet am 6. September in Sierre VS statt. In den Verkauf kommen beide Weine Ende September.

Beste Schweizer Weine

Beim Grossen Preis des Schweizer Weins (Grand Prix du Vin Suisse) werden die besten Schweizer Winzer über das Spektrum aller Sorten definiert. Die besten sechs Empfänger der Goldmedaille sind nominiert für das Grosse Gold der Schweizer Weine. An dieser Endausscheidung, am 29. Oktober in Zürich, nimmt die Schmid Wetli AG in der Kategorie Riesling Sylvaner und das Weingut am Steinig Tisch (Thal) in der Kategorie Pinot Noir teil. Beide Betriebe treten zusammen mit dem Weingut Schmidheiny, Heerbrugg, unter dem Label «3 Rheintaler Winzer» auf. Sie haben das Ziel, den Qualitätsweinbau im Rheintal zu fördern.

«Wir sind sehr positiv überrascht. Auch wenn wir uns ein gutes Abschneiden erhofft haben», sagt Roman Rutishauser. Das Weingut am Steinig Tisch gehört – durch die Nomination – in diesem Prämierungsjahrgang zu den sechs besten Pinot-Noir-Produzenten des Landes. Auch für Roman und seinen Vater Christoph Rutishauser ist der Wettbewerb eine hilfreiche Standortbestimmung. Er betont: «Wir pflanzen im Weinberg die für das Terrain geeigneten Rebsorten, ernten gesundes und vollreifes Traubengut. Im Weinberg selektionieren wir die Ernte so weit, dass wir nur beste Qualität in den Weinkeller bringen. Dort begleiten wir den Wein in seinem natürlichen Entstehungsprozess.» Das Thaler Weingut kann auf eine Kundschaft zählen, bei der jeder Jahrgang eigene Nuancen haben darf. «Uns gibt die Natur den Weg vor. Es kann nicht jedes Jahr einen Top-Jahrgang geben.» Mit der Spätlese Sinfonie 2010 haben Vater und Sohn bewiesen: Dieser Jahrgang war top.

Qualität steigt

Die Internationale Weinprämierung Zürich (IWPZ) bietet den Konsumenten einen Überblick über das aktuelle nationale und internationale Weinangebot des Schweizer Marktes. Im Juli führte sie im Hinblick auf die Weinausstellung Expovina eine Weinverkostung durch. Die Expovina findet im November – mit Rheintaler Beteiligung – auf Zürcher Weinschiffen statt. Es wurden 2293 Weine aus den wichtigsten Anbaugebieten der Welt eingereicht. Aus dem Rheintal erzielten die Weingut Stegeler AG (Berneck) – mit einem Gold- und zwei Silberdiplomen – die Weingut Schmid Wetli AG sowie das Weingut Tobias Schmid & Sohn (Berneck) Auszeichnungen.

Die internationale de la Vigne et du Vin (OIV) in Paris legt die Wettbewerbsregeln fest: Maximal 30 Prozent der eingereichten Weine werden mit einem Gold- oder Silberdiplom ausgezeichnet. «Dies bedeutet – bei allgemein steigender Weinqualität –, dass mit maximal 100 zu erreichenden Punkten pro Wein die minimale Punktzahl für ein Silberdiplom nicht mehr bei 85, sondern dieses Jahr bei 87 Punkten liegt. Daher die Bewertung: Weiterer sehr guter Wein.»

Erfolge für junges Unternehmen

An der Expovina und beim GPSW holte sich ein junges Bernecker Unternehmen mehrere Medaillen (siehe Kasten). Die höchste Auszeichnung für die Weingut Stegeler AG ist das Gold-Diplom für den Diolinoir – eine Züchtung aus der alten Walliser Rebsorte Rouge de Doilly und Pinot Noir. Diese Rebe fühle sich vor allem an stark besonnten Hanglagen wohl, wir wir es mit einem steilen, nach Süden ausgerichteten Hang bieten können, sagt Jakob Federer.

«Für uns ist es ein Wagnis, bisher teilweise im Rheintal unbekannte Neuzüchtungen zu pflanzen», sagt Jakob Federer. «Das sind vor allem gegen Pilze widerstandsfähige Rebsorten, die weniger Pflanzenschutz benötigen. Andererseits schaffen sie neue Aromakomponenten.

Mit den Weinen Terzett und Duett ist dies Stegeler im wahrsten Sinn des Wortes ausgezeichnet gelungen.

Sich international behaupten

«Diese Ergebnisse sind sehr positiv für das Rheintal», sagt Pino Zünd (Präsident Verein Rheintalwein). Die Resultate zeigten, die ganze Region verkaufe sich insgesamt unter Wert. «Das zwanzig Jahre alte Image, der Rheintaler Wein habe einen hohen Säuregehalt, hängt ihm noch immer an.» Wettbewerbe seien ein gutes Mittel, sich dem nationalen und internationalen Vergleich zu unterstellen. «Die Schweiz importiert sehr viel Wein. Deshalb müssen sich unsere Produzenten international behaupten.»

Dass zwei Rheintaler Weingüter (Schmid Wetli und Weingut Steiniger Tisch) an der Endausscheidung teilnehmen, zeigt, sie mischen unter den Top of Top mit.»

Die Fachwelt habe in den letzten zwei bis drei Jahren entdeckt, im Rheintal gebe es junge Önologen, die Neues wagen. In der Region seien die Böden unterschiedlich beschaffen. Dies lade die Produzenten ein, eine Vielfalt zu schaffen. Im Rheintal gebe mutige Unternehmer in der Hochtechnologie und im Weinbau. «Diese Experimentierfreudigkeit trägt Früchte», sagt Pino Zünd und empfiehlt den Konsumentinnen und Konsumenten, die Vielfalt und das hohe Niveau zu degustieren.

Dazu eignen sich an den nächsten zwei Wochenenden die beiden grossen Weinfeste – das Thaler Winzerfest und das Torkelfest in Berneck.

Roman und Vater Christoph Rutishauser stossen mit einem prämierten Wein auf ihre jüngsten Wettbewerbserfolge an. (Bild: Monika von der Linden)

Roman und Vater Christoph Rutishauser stossen mit einem prämierten Wein auf ihre jüngsten Wettbewerbserfolge an. (Bild: Monika von der Linden)

Kaspar Wetli jr. ist seit zwei Jahren Önologe im elterlichen Betrieb. Und schon kann er mit Vater Kaspar Wetli einen prämierten Wein degustieren. (Bild: pd)

Kaspar Wetli jr. ist seit zwei Jahren Önologe im elterlichen Betrieb. Und schon kann er mit Vater Kaspar Wetli einen prämierten Wein degustieren. (Bild: pd)