Zwei Sieger ermitteln einen Verlierer

Showdown auf der Degern: Am Sonntag um 15.30 Uhr empfängt der FC Au-Berneck den FC Schaan zur 3.-Liga-Finalissima. Die beiden Teams führen die Rangliste überlegen an, aber nur eines von beiden steigt in die höchste Regionalliga auf.

Yves Solenthaler
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Stif Gulan (links) und Kollegen setzten sich im «Halbfinal» in Rheineck durch. Um aufzusteigen, müssen die Auer nochmals gewinnen. (Bild: Yves Solenthaler)

Stif Gulan (links) und Kollegen setzten sich im «Halbfinal» in Rheineck durch. Um aufzusteigen, müssen die Auer nochmals gewinnen. (Bild: Yves Solenthaler)

FUSSBALL. Seit Beginn dieser Saison marschieren Schaan und Au-Berneck praktisch im Gleichschritt vorneweg. Bis zum Winter war auch Wittenbach in der Spitzengruppe der 3. Liga, Gruppe 2, das aber in der Rückrunde schnell zurückfiel. Seit einigen Wochen zeichnet sich ab, dass es zur Finalissima kommt.

Verlieren, ohne zu verlieren

Dabei hat Au-Berneck in dieser Saison noch kein Spiel verloren. Wenn die Finalissima unentschieden endet, tritt eine paradoxe Situation ein: Au-Berneck verpasst den Aufstieg, obschon es die ganze Saison kein Spiel verloren hat.

Im Skifahren wäre es nicht möglich, dass ein während eines Jahres Unbesiegter die Gesamtwertung nicht gewinnt. Aber im Skifahren gibt es auch das Unentschieden nicht.

Beim FC Au-Berneck hingegen schon: Siebenmal, in jedem dritten Spiel, mussten sich die Auer mit einem Punkt begnügen. Deshalb hat Schaan bei zwar zwei Niederlagen, aber nur drei Unentschieden die Nase vorn. Interessant ist: Nach der bis zu den 1990er-Jahren gültigen Regel (zwei Punkte für einen Sieg) würde Au-Berneck mit einem Zähler Vorsprung an der Spitze liegen. Dass es in der letzten Runde zu diesem Final kommt, ist eine wunderbare Fügung des Spielplanes. Gewollt war das aber wohl nicht, denn Au-Berneck war vor der Saison nicht diese Rolle zugedacht. 2013/14 wären die schon damals von Pepi Memoli und Assistent Thomas Koller trainierten Degern-Kicker beinahe in die 4. Liga abgestiegen.

Neues Team vor der Saison

Im Sommer ging fast die gesamte Mannschaft – Memoli denkt mit Schrecken an diesen Moment zurück, in dem ihm die Spieler auszugehen drohten: «Aber letztlich war dieser Umbruch positiv.» Bei der letztjährigen Mannschaft habe er die Spieler nicht motivieren können: «Bei mir ist Motivation sehr wichtig, aber ich hatte vor zwei Jahren eine Mannschaft vorgefunden, die schon viel zu lange im gleichen Trott zusammen war: Wenn die Spieler keinen Ehrgeiz haben, funktioniert meine Methode nicht.»

Schliesslich kamen 15 neue Spieler auf die Degern, zum Teil Rückkehrer und fast alle übermässig begabt für die 3. Liga. «Die Spieler können Fussball spielen», sagt Memoli. Aber das sei nicht das Entscheidende: «Schon im ersten Training mit der neuen Mannschaft habe ich gemerkt, dass die Spieler ganz anders mitziehen.» Dennoch spricht er von einem «Findungsprozess», dem sich Au-Berneck während der Vorrunde unterzogen habe. Allzu viele Punkte hat Memolis Mannschaft in dieser Phase freilich nicht abgegeben. Obwohl: Fünf Unentschieden stammen aus der ersten Saisonhälfte, vier davon aus den letzten vier Spielen vor der Winterpause. Memoli sagt: «Im Frühling ist unser Zusammenspiel besser geworden.»

Mit 26 Punkten hat Au-Berneck 2015 einen Zähler mehr geholt als Schaan. Auch im Auswärtsspiel (1:1) war Au den Liechtensteinern mindestens ebenbürtig. «Im Spiel gegen Rheineck vor einer Woche haben nur wir den Druck gespürt, diesmal stehen beide Teams unter Druck.» In einem Spiel könne alles von einer Szene abhängen. Mit routinierten Spielern wie Roger Meyer, Gashi oder Gulan sollte Au mit dieser aussergewöhnlichen Situation umgehen können.

Nur ein Sieger kann feiern

«Wir freuen uns enorm auf dieses Spiel», sagt Memoli. Auch die Rheintaler Fussballfans sind begeistert von der Finalissima – sie dürften die Auer Degern am Sonntag zu Hunderten (oder gar in vierstelliger Zahl?) bevölkern. «Schade ist nur, dass einer scheitern wird», sagt der Trainer, «beide hätten den Aufstieg verdient.»

Aber einer wird nach dem Match der Verlierer sein: Zwei Sieger sind nicht möglich.

Auch das ist im Skifahren anders; fragen Sie mal Dominique Gisin.