Zwei Kirchgemeinden prüfen Fusion

MARBACH. Um Geld aus dem Finanzausgleich beziehen zu können, müssen Kirchgemeinden zukünftig mindestens 1000 Kirchbürgerinnen und Kirchbürger zählen. Evangelisch Marbach (knapp 600 Kirchbürger) und Rebstein (rund 1100) prüfen deshalb die Fusion.

Andrea Kobler
Drucken
Teilen
Im Anschluss an die Versammlung lud die Kirchgemeinde zum Apéro, um die Stimmung in der Gemeinde zu spüren: (von links) Pfarrer Daniel Mauerhofer, Kirchbürger Walter Kobelt und Heidi Gsell, Präsidentin der Kirchenvorsteherschaft. (Bild: Andrea Kobler)

Im Anschluss an die Versammlung lud die Kirchgemeinde zum Apéro, um die Stimmung in der Gemeinde zu spüren: (von links) Pfarrer Daniel Mauerhofer, Kirchbürger Walter Kobelt und Heidi Gsell, Präsidentin der Kirchenvorsteherschaft. (Bild: Andrea Kobler)

Ab 1. Januar 2016 erhalten nur noch Gemeinden mit mindestens 1000 Mitgliedern Gelder aus dem Finanzausgleich. So der Entscheid der Synode (Parlament der evangelischen Kirche im Kanton St. Gallen) im Dezember 2012. Dieser Entscheid bringt acht der insgesamt 49 evangelisch-reformierten Kirchgemeinden des Kantons unter Fusionsdruck. Im Pfarrkapitel Rheintal ist dies neben Salez-Haag, Sax-Frümsen und Sennwald-Lienz-Rüthi auch Marbach.

Überrascht, ja geschockt

«Da uns Vertreter der Kantonalkirche Anfang 2012 noch bestätigt hatten, dass der Anteil der Eigenfinanzierung massgebend sei für eine Fusion, gingen wir nicht davon aus, betroffen zu sein», so Heidi Gsell, Präsidentin der Kirchenvorsteherschaft. «Wir waren geschockt», gab die Präsidentin gestern an der Kirchgemeindeversammlung vor 44 Stimmberechtigten zu.

Eine Chance erkannt

Eigentlich passe in Marbach alles: «Wir haben eine funktionierende Kirchgemeinde. Ein Pfarrer-Ehepaar, das sich für die Gemeinde einsetzt, Gottesdienste für Jung und Alt, für Familien und für Musikliebhaber.» Was fehlt, ist das Geld. Im vergangenen Kirchgemeindejahr waren es 160 565 Franken, welche die evangelische Kirche Marbach aus dem Finanzausgleich bezog. Bei einem Finanzbedarf von 468 860 Franken lagen die Steuereinnahmen bei 259 285 Franken.

Der Kirchenvorsteherschaft war aber schnell klar: «Die Fusion ist unumgänglich. Und nach der ersten Auseinandersetzung mit dem Thema spürten wir, dass diese gar eine Chance bedeuten könnte», erklärte Heidi Gsell.

Gesicherte Zukunft

Bei der ersten Mitteilung der Kantonalkirche wurde Marbach der Kirchgemeinde Altstätten zugeteilt. Altstätten zählt zwar 2170 protestantische Kirchbürger (Stand 31. 12. 2011), ist aber wie Marbach im Finanzausgleich A, da es ebenso jedes Jahr Gelder aus dem Finanzausgleich bezieht. Doch dann sei Marbach mit Rebstein ins Gespräch gekommen, da zwischen den beiden Kirchgemeinden bereits Synergien bestehen. «Rebstein müsse noch nicht fusionieren, doch es hat Interesse an einem Zusammenschluss. Auch Rebstein sieht in einer grösseren Kirchgemeinde eine Chance für eine gesicherte Zukunft», so Heidi Gsell.

Abstimmung bereits 2014

Aus heutiger Sicht würde sich bei einer Fusion der beiden evangelischen Kirchgemeinden nicht viel ändern.

«Die Pfarrstelle könnten wir behalten und voraussichtlich jeden Sonntag in der evangelischen Kirche Marbach einen Gottesdienst abhalten, was die Kirchenvorsteherschaft als sehr wichtig erachte», erklärte Gsell.

Allerdings würde es nach der Fusion zwischen den zwei Gemeinden nur noch eine Kirchenvorsteherschaft geben.

Trotz des brisanten Themas verlief die Versammlung relativ ruhig. Mit Walter Kobelt wollte einer der Anwesenden mehr über die Konsequenzen einer Fusion wissen. Zudem sei es ihm ein Anliegen, dass sich die Marbacher Kirchenvorsteherschaft bei der Kantonalkirche darüber erkundige, wie die finanziellen Aussichten aussehen würden. Somit werden die Fusionsbemühungen das Kirchgemeindejahr 2013 prägen. Denn schon 2014 soll über eine Fusion abgestimmt werden.

Steuererhöhung auf 30 Prozent

Die Rechnung 2012 sowie der Voranschlag und der Steuerplan 2013 wurden diskussionslos angenommen. Die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger stimmten der Erhöhung des Steuerfusses von 28 auf 30 Prozent zu. Dies war ebenso Vorgabe der Kantonalkirche für alle Ausgleichsgemeinden, da die Steuereinnahmen von juristischen Personen von 10 Millionen im Jahr 2008 auf 7,3 Millionen Franken zurückgegangen sind.

Reformieren heisst verbessern, erneuern, umgestalten. «Nun steht auch unserer Kirchgemeinde eine Erneuerung, eine Umgestaltung und, wie wir fest glauben, eine Verbesserung bevor. Gehen wir zuversichtlich und guten Mutes in die kommende Zeit», schloss Heidi Gsell ihren Amtsbericht als Präsidentin. In gemeinsamen Sitzungen mit Rebstein, die von einem externen Experten begleitet werden, werden nun die Details der Fusion erarbeitet. oberes rheintal 37

Aktuelle Nachrichten