Zwei Anfragen in der ersten Woche

ALTSTÄTTEN. Die Ärztegesellschaft des Kantons St.Gallen hat den Chefarzt am Spital Altstätten, Paul-Josef Hangartner, zum neuen Ombudsmann gewählt. Die Ombudsstelle schlichtet bei Problemen zwischen Patienten, Ärzten und Versicherungsträgern.

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Dr. Paul-Josef Hangartner freut sich auf seine neue Aufgabe als Ombudsmann. (Bild: Susi Miara)

Dr. Paul-Josef Hangartner freut sich auf seine neue Aufgabe als Ombudsmann. (Bild: Susi Miara)

Herr Hangartner, welche Aufgaben hat ein Ombudsmann?

Paul-Josef Hangartner: Er muss zuhören können, macht begreiflich, was unklar ist, er vermittelt und schlichtet.

Warum braucht die Ärztegesellschaft eine solche Ombudsstelle?

Hangartner: Die kantonale Ärztegesellschaft möchte eine Plattform zur Verfügung stellen, wo man sich beschweren kann. Sie soll eine erste Anlaufstelle sein, mit möglichst einfachem Zugang und ohne Kostenfolge. Es ist eine Dienstleistung für alle, die diese Stelle brauchen.

Wie kommt man zu solchem Amt? Muss man sich bewerben, wird man empfohlen?

Hangartner: Der Ombudsmann wird auf Vorschlag der regionalen Ärztevereine an der Mitgliederversammlung des kantonalen Ärztevereins gewählt.

Freuen Sie sich auf diese Aufgabe?

Hangartner: Ja, ich habe aber auch grossen Respekt davor.

Warum?

Hangartner: Es ist eine heikle Aufgabe, weil der Ombudsmann die Situation immer objektiv beurteilen sollte. Er muss in einer für den Fragesteller emotionalen Situation Ruhe bewahren und auf die Sachebene zurückfinden.

Wie häufig wird der Rat des Ombudsmanns genutzt?

Hangartner: Kann ich noch nicht sagen. In der ersten Woche kamen bereits zwei Anfragen.

Was ist der Unterschied zwischen der Aufgabe des Ombudsmanns und der Patientenorganisation?

Hangartner: Die Ombudsstelle ist nicht nur eine Anlaufstelle für die Patientinnen und Patienten, sondern auch für Ärzte, Krankenversicherer und das Gesundheitsdepartement.

Verstehen Sie sich als Ombudsmann als Vertreter der Person, die sich beschwert?

Hangartner: Ich nehme keine Partei für irgend jemanden ein. Weder für die Patienten noch für die Ärzte. Der Ombudsmann muss in dem Sinne neutral und objektiv sein. Er legitimiert sich durch eine ausgewogene Beurteilung und gibt Rat, wenn er Fehler erkennt. Er kann dann auf die Patientenorganisation, auf die aussergerichtliche Gutachterstelle der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH oder sogar an die Haftpflichtversicherung hinweisen.

Sie werden sich sicher auch den Vorwurf gefallen lassen müssen, dass Sie als Mediziner im Zweifelsfall für den Arzt entscheiden. Wie gehen Sie damit um?

Hangartner: Der Ombudsmann muss auf jeden Fall ein Arzt sein, da nur er mit seinem Wissen die oft komplexen Situationen beurteilen kann. Er kann sich nicht auf Gutachten abstützen. Er muss aufgrund seiner Erfahrung und seiner medizinischen Kenntnisse beurteilen. Er urteilt nicht. Ich versuche mein Amt so auszuüben, dass der Vorwurf der Parteinahme gegen irgendwer nicht aufkommen kann. Ich werde keine Schuldzuweisungen machen, sondern nach einer Lösung suchen. Dies ist allerdings eine grosse Herausforderung.

In einem Interview sagte ihre Vorgänger Felix Oberholzer, dass die meisten Beschwerden, die er behandeln musste, im Zusammenhang mit dem Notfalldienst standen. Als Chefarzt bei der Spitalregion Rheintal – Werdenberg – Sarganserland wären Sie ja befangen. Müssen Sie in so einem Fall in Ausstand treten?

Hangartner: Warum befangen? Was Felix Oberholzer sagte, betraf sowohl die Notfälle bei den Notfallärzten in der Praxis als auch auf den Notfallstationen der Spitäler. Notfälle sind immer aussergewöhnliche Situationen, die ich aus meiner jahrelangen Tätigkeit sehr gut kenne. Ich kann diese Ausnahmesituation gut nachvollziehen und beurteilen.

Und wie sieht es bei einer Beschwerde gegen das Spital Altstätten aus?

Hangartner: Mit Beschwerden habe ich es auch jetzt hin und wieder, zum Glück allerdings eher selten, zu tun. Oft relativieren sich die Beschwerden, wenn in einem Gespräch Unklarheiten geklärt und das Verständnis geweckt werden kann. Ist eine Beschwerde gerechtfertigt, so kann ich als Ombudsmann auch Hinweise geben, wie weiter vorzugehen ist.

Kürzlich wurde berichtet, dass die Zahl der ärztlichen Kunstfehler in Deutschland markant gestiegen ist. Ist dies auch in der Schweiz der Fall?

Hangartner: In einer Comparis-Studie wurde festgestellt, dass die Kunstfehler in der Schweiz deutlich niedriger sind als im EU-Raum. Ob sie zugenommen haben, darüber gibt es meines Wissens keine Zahlen.

Gehen Sie davon aus, dass die Arbeit in Zukunft zunehmen wird?

Hangartner: Ja, davon gehe ich aus. Der Patient ist heute selbständiger und kritischer geworden. Ich denke, dass solche Stellen in Zukunft vermehrt in Anspruch genommen werden.

Wie kann man den Ombudsmann kontaktieren?

Hangartner: Die Kontaktdaten sind auf der Homepage der kantonalen Ärztegesellschaft abrufbar. Die erste Kontaktaufnahme sollte über das Sekretariat der kantonalen Ärztegesellschaft erfolgen. Anschliessend werde ich den Kontakt mit dem Patienten aufnehmen.

Interview: Susi Miara

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