ZUR PERSONZUR PERSON: Ergebnis verblüffend rasch hörbar

Seit August leitet Stefan Susana den Orchesterverein. Sein Ansporn ist es, Denkgewohnheiten zu überwinden. «Dann schaffe ich mehr, als ich gedacht habe», sagt der Dirigent, Cellist und Mentalcoach.

Monika von der Linden
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Stefan Susana will als neuer Dirigent des Orchestervereins Widnau die geistigen Voraussetzungen für eine qualitative Verbesserung und Weiterentwicklung schaffen. (Bild: Monika von der Linden)

Stefan Susana will als neuer Dirigent des Orchestervereins Widnau die geistigen Voraussetzungen für eine qualitative Verbesserung und Weiterentwicklung schaffen. (Bild: Monika von der Linden)

Monika von der Linden

Vor zwei Monaten leiteten Sie zum ersten Mal eine Probe des Orchestervereins. Wie nahm man Sie dort auf?

Stefan Susana: Ich wurde sehr herzlich empfangen. Schon beim Vordirigieren spürte ich eine gute Stimmung. Die Leute dort musizieren, weil sie es wollen, aber nicht müssen. Sie bilden ein Liebhaber-Orchester und spielen im Dienst der Musik.

Ein Dirigent bringt einen neuen Stil und neue Ziele mit. Ist der Verein bereit dazu, nachdem Ihr Vorgänger fast 30 Jahre lang im Amt war?

Es ist der Verein, der alte Strukturen aufbrechen will. Die Türen stehen gewiss all jenen offen, die gern mit uns Musik machen wollen. Ich bin gern bereit, dabei zu helfen. Die Qualität des Orchesters wird sich durch meine Impulse weiterentwickeln. Dann stellen sich auch Nachwuchs und Sponsoren ein.

Wie gehen Sie vor?

Musikalische Qualität erreichen wir nur, wenn wir die geistigen Voraussetzungen schaffen. Die Töne zu spielen ist eines, sie ohne grosse Widerstände entstehen zu lassen, ist weitaus schwieriger. Sich die Zeit zu nehmen, diese Widerstände aus dem Weg zu räumen, nenne ich geistige Voraussetzungen schaffen.

Zeit ist aber meist nicht genug vorhanden.

Zeit ist ein kostbares Gut. Auch in der Musik. Weil wir in einem halben Jahr meist nur ein Konzertprogramm erarbeiten, dürfen wir uns viel Zeit nehmen, uns immer wieder mit derselben Materie zu beschäftigen. Somit können wir auch in einem Amateurorchester tief eindringen in die vielen geheimnisvollen Schichten der Musik. Gehen wir dabei entspannt genug vor, können weitere geistige Voraussetzung entstehen, um musikalisch vorwärtszukommen und Grenzen zu überschreiten.

Bemerken die Zuhörer bereits eine musikalische Grenzüberschreitung, wenn Sie das erste Konzert besuchen?

Ich meine Grenzen, die wir in unserem Denken schaffen, und die beim Musizieren Widerstände hervorrufen. Ich ermuntere die Musiker immer wieder neu, etwas zu riskieren, auszuprobieren und zu experimentieren. Sie lassen sich darauf ein, ohne genau zu wissen, wo die Reise hingeht. Die erste Aufführung ist das Adventskonzert. Dort setzen wir neu Bläser ein, zwei Hörner und zwei Flöten.

Sie sind auch Mentalcoach. Wie wirkt sich das auf den Dirigenten aus?

Mit dem Ungewissen umzugehen ist spannend. Ich weiss von mir, dass man sich oft selbst im Weg steht. Die Herausforderung ist, jene Denkgewohnheiten zu überwinden, die mich selbst behindern. Dann schaffe ich mehr, als ich gedacht habe. Die Denkgewohnheiten im Orchester aufzubrechen, bereitet mir grossen Spass. Schön ist, dass man das Ergebnis sofort hört und spürt.

Warum fasziniert die Musik Sie so sehr?

Sie berührt meine Seele so tief wie sonst nichts. Musik ermöglicht mir, Freiheit und Wahrheit zu spüren. Musik machen ist eine meiner liebsten Beschäftigungen. Sie ist mir die schönste Art, mich weiterentwickeln.

Wohin wollen Sie den Orchesterverein führen?

Die Perspektive ist, mit der ­musikalischen Qualität stets zu wachsen. Der Rest wird sich weisen. Ich freue mich, wenn wir uns von Probe zu Probe verbessern. So wird jede Probe zum Höhepunkt und das Konzert zur letzten Probe vor dem nächsten Programm.

Ist die Aufführung etwa nichts Besonderes?

Natürlich ist die Aufführung etwas Besonderes. Sie ist gleichsam der Gipfel nach einer genussreichen Bergtour. Von einer weiteren Probe spreche ich deshalb, weil uns das Konzert eine Möglichkeit mehr bietet, tiefer in das Stück vorzudringen. Spielen bedeutet, sich nicht zu «verkopfen». Wenn Kinder spielen, müssen sie nicht darüber nachdenken, was sie tun. Sie spielen einfach und das ist toll.

Den ersten gemeinsamen Auftritt haben Stefan Susana und der Orchesterverein Widnau am ersten Dezemberwochenende mit dem Adventskonzert.

Stefan Susana wuchs in Götzis auf. Abitur und Violoncello-Studium absolvierte er in Salzburg. Nach drei Studienjahren bekam Stefan Susana Probleme mit seiner Hand, sah seine Cellisten-Karriere in Gefahr, schlug den Weg des Dirigenten ein und liess sich zum Mentalcoach für Musik ausbilden. Nach sechzehn Jahren kehrte er nach Vorarlberg zurück. Seit zwölf Jahren lebt er mit seiner Familie in Weiler. (vdl)