«Zum Glück war die Kasse leer»

Kurz vor der Schliessung seiner Velowerkstatt wurde bei Hans Weder eingebrochen. Ein trauriger Abgang, findet der 81-Jährige, der in seiner Laufbahn schon einige Einbrüche erleben musste.

Seraina Hess
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Die Scherben liegen noch immer vor der mit Brettern verbarrikadierten Wand, die einst Schaufenster war. In der Velowerkstatt fallen sie fast nicht auf, so viel Werkzeug, Fahrradzubehör und alte Prospekte stapeln sich. Es sind die Überbleibsel eines überdurchschnittlich langen Berufslebens. Hans Weder, 81, räumt den Laden an der Auerstrasse, wo er jahrzehntelang Velos verkauft und repariert hat. Das Gebäude soll, wie die Nachbarhäuser, einer Überbauung weichen und abgerissen werden.

Ganz reibungslos verlaufen die letzten Wochen vor der Schliessung nicht. Samstagnacht haben unbekannte ein Schaufenster eingeschlagen und sind in das Geschäft eingebrochen. Aufgefallen ist Weder dies am Sonntagmorgen, worauf er die Polizei verständigte, die immerhin einen Fussabdruck sichern konnte.

Weder kennt die Prozedur nach Einbrüchen und Diebstählen nur zu gut. An einen Vorfall erinnert er sich besonders, auch wenn er nicht mehr genau sagen kann, wie viel Zeit seither verstrichen ist.

Weder stellte Dieben eine Falle

Damals – sein Geschäft befand sich noch hinter dem Coop – kam er nach dem Mittagessen zurück in die Werkstatt. Die unverschlossene Tür irritierte ihn, doch erst als er feststellte, dass in der Kasse 500 Franken fehlten, wurde ihm klar: Hier war ein Einbrecher am Werk.

Als er das geöffnete, nicht aufgebrochene Fenster sah, erinnerte er sich an einen Kunden vom Vormittag, der umständlich Velos verschob und interessiert wirkte. Dabei muss er auch das Fenster geöffnet haben, mit der Absicht, am Mittag zurückzukehren. Natürlich verständigte Weder die Polizei. «Irgendetwas sagte mir, dass der Einbrecher am nächsten Tag wieder kommen würde – schliesslich war nicht der gesamte Inhalt der Kasse weg», sagt Weder. Die Polizei winkte ab, und so beschloss der Velomechaniker, am nächsten Tag selbst im Laden zu warten und das Fenster absichtlich offen zu lassen.

Der Mann war der Polizei bekannt

Tatsächlich lungerten gegen Mittag zwei junge Männer vor der Milchglas-Tür herum, worauf sich Hans Weder mit einer Eisenstange im Hinterzimmer versteckte. Zügig kletterte einer der beiden Männer, gross und kaum 20-jährig, durch das Fenster in die Werkstatt, wo er sich an der Kasse zu schaffen machte. In diesem Moment sprang Weder, mit der Eisenstange drohend, aus der Kammer, und obschon der junge Mann zu flüchten versuchte, erwischte er ihn und drückte ihn an der Gurgel auf den Ladentisch. «Da sagte er freiwillig, ich solle die Polizei rufen, und er kam mit mir nach hinten zum Telefon», erinnert sich Weder. Die Polizei, mit Blaulicht angefahren, nahm den bereits bestens bekannten jungen Mann fest.

Beim hoffentlich letzten Einbruch bei ihm in seiner Karriere vom vergangenen Wochenende geht Weder nicht davon aus, dass der Einbrecher so rasch geschnappt werden kann. Gestohlen wurde nichts; zumindest hat er noch keinen Diebstahl festgestellt, die Velos sind noch da. «Ob Werkzeug fehlt, merke ich erst, wenn ich etwas brauche und es nicht mehr da ist. Zum Glück war die Kasse leer.»