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Zuletzt bleibt einem ein Teddybär

ALTSTÄTTEN. Die Theatergruppe der Kantonsschule Heerbrugg hat dieses Jahr ein modernes Stück einstudiert: «Die wunderbare Welt von Dissozia». Es ist schräg, erheiternd und schockierend – und hervorragend gespielt. Am Dienstag war Premiere.
Max Tinner
Dissozia ist phantastisch: Lisa (Tabea Schories) ist als Einwohnerin aufgenommen worden – die Schrecken des Traumlandes erkennt sie erst später. (Bild: Max Tinner)

Dissozia ist phantastisch: Lisa (Tabea Schories) ist als Einwohnerin aufgenommen worden – die Schrecken des Traumlandes erkennt sie erst später. (Bild: Max Tinner)

Anthony Neilsons «Wunderbare Welt von Dissozia», das diesjährige Stück der Theatergruppe der Kantonsschule Heerbrugg, fängt märchenhaft an und endet in erschreckender Einsamkeit. Lisa, die zentrale Figur in der Geschichte, wartet in ihrer Wohnung auf ihren Freund, als sie unerwartet Besuch von einem Uhrmacher erhält. Er bringt ihr ihre Uhr zurück, die sie in Reparatur gegeben hat, weil sie ständig eine Stunde nachging.

Lisa geht eine Stunde nach

Der Uhrmacher eröffnet Lisa jedoch: Nicht die Uhr geht nach, sondern sie. Sie habe sich bei ihrem letzten Langstreckenflug ausgerechnet zur Umstellung von Winter- auf Sommerzeit über der Zeitzonengrenze befunden und habe dabei dauerhaft eine Stunde ihres Lebens verloren. Deswegen sei sie öfter apathisch und unkonzentriert und vernachlässige Familie und Freunde.

Lisa könne ihr Leben aber wieder ins Gleichgewicht bringen, wenn es ihr gelänge, die verlorene Stunde in dem geheimnisvollen Land Dissozia wiederzufinden, sagt der Uhrmacher. Mehr noch: Es sei unabdingbar, die verlorene Stunde zu suchen, denn in solch verlorener Zeit liege ungeheure Energie, und in den falschen Händen könne sie zu unsäglich Schlechtem verwendet werden.

Wunderland wird zum Albtraum

Der Zuschauer fühlt sich an die Zeitdiebe in Michael Endes «Momo» erinnert, und als Lisa dann in einem Lift, in den sich ihre Wohnung urplötzlich verwandelt, nach Dissozia gelangt, wähnt man sich in einer ähnlich traumhaften Welt wie jener von Lewis Carrolls «Alice im Wunderland». Anfänglich erheitern Dissozias skurrilen Einwohner: die von Selbstzweifeln zernagten Wachleute vom «Unsicherheitsdienst», die zerstreute Würdenträgerin, die Lisa den Treueid als neue Einwohnerin Dissozias abnehmen soll, dabei aber, anstatt vorzusagen, zu wiederholen beginnt, was Lisa sagt, oder der heulende Satyr, der sich beklagt, dass ihm niemand mehr die Schuld an irgendetwas geben will und er darum seiner Aufgabe als Sündenbock nicht mehr gerecht werden könne…

Doch dann wandelt sich Dissozia zum Albtraum: Der Satyr erkennt, dass Lisa die verheissene Sucherin der verlorenen Stunde ist, welcher der Schwarze Hund, die böse Macht in Dissozia, habhaft werden möchte. Er überwältigt Lisa und will sich an ihr vergehen. Eine Beauftragte der Politischen Kommission Dissozias geht dazwischen und lässt die Untat als «Verbrechensopferindividuum» an Lisas Statt über sich ergehen. Anschliessend nimmt sie Lisa mit ihrem Flugzeug – einem Bobbycar – mit zum dissozischen Fundbüro und wirft auf dem Weg dahin gleich noch ein paar Bomben ab, weil das Land ja im Krieg ist und die Bombentrichter so schön einer Katze gleichen.

Die Realität, in der Lisa schliesslich wieder erwacht, ist nicht minder grauenvoll: Sie liegt in einer psychiatrischen Klinik, ist mit Medikamenten ruhiggestellt und muss erkennen, dass ihre Liebsten sich von ihr abwenden. Ihr einziger Trost bleibt ein rosa Teddybär mit grossen schwarzen Kulleraugen, der ihr in Dissozia schon begegnet ist und ihr dort verheissungsvoll ins Ohr gesungen hat: «Viele nennen sich deine Freunde, doch wer hält dir die Tatze am Schluss?»

Grandios gespielt

Die Kanti-Theatergruppe unter der Leitung von Theo Scherrer und Milena Todic hat für ihre diesjährige Inszenierung ein faszinierendes Stück ausgewählt: schräg, erheiternd, zuletzt aber doch sehr betroffen machend. Dass das Stück dermassen Eindruck macht, liegt aber auch daran, dass die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler in ihren Rollen aufgehen und sie sie hervorragend spielen. Ganz besonders die Hauptdarstellerin: Tabea Schories verkörpert Lisa brillant. Sie ist auch in der Aufführung heute Donnerstagabend zu sehen. In der dritten und letzten Aufführung am Samstag, 28. April, wird Lisa von Noémie Bont gespielt. Beide Aufführungen finden wie die Premiere im Diogenes-Theater in Altstätten statt und beginnen um 20 Uhr.

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