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Zuhause in der Megacity

Rund acht Millionen Einwohner leben in der thailändischen Hauptstadt. Mindestens einer von ihnen kommt aus dem Rheintal: Stefan Bucher hat in Bangkok eine neue Heimat gefunden.
Remo Zollinger

Stefan Bucher ist auf Heimaturlaub. Bei seiner Familie in Rebstein geniesst er ein paar unbeschwerte Tage. Ein Alpenrundflug, eine Wanderung im Alp­- stein, ein Tag in Zürich: Er erlebt die Schweiz mit seiner Frau und seiner Tochter als Tourist. «Ich finde es wunderschön hier», sagt Stefan Buchers Frau Dew, «aber eher für eine Ferienwoche als für ein dauerhaftes Leben. Es ist einfach zu ruhig.» Dew Rattanavi­-jay ist in Bangkok aufgewach­- sen, einer Stadt, die gleich viele Einwohner hat wie die ganze Schweiz. Mit der Agglomeration sind es noch viel mehr.

In dieser riesigen Stadt hat Stefan Bucher ein neues Zuhause gefunden. Der 33-Jährige bewegt sich dort wie ein Einheimischer, kennt sich bestens aus. Jedem Touristen kann er einen Tipp geben, ganz egal wofür. Es ist spürbar: Stefan Bucher lebt nicht nur in Bangkok, er fühlt sich dort heimisch. «Bangkok macht Spass», sagt er lachend. In der Stadt gebe es alles, auch Dinge, die die Vorstellungskraft vieler sprengen.

Viele Rheintaler haben die thailändische Hauptstadt schon besucht, ihre glitzernden Hochhäuser und verstopften Strassen gesehen, die äusserst lebendige Gastronomie- und Hotellerie-Szene erlebt. Genau das fasziniert Bucher auch nach vielen Jahren noch. In Bangkok könne es niemandem langweilig werden, sagt er.

Ein Gebäude, höher als jedes in der Schweiz

Spricht Bucher von Thailands Hauptstadt, kommt er häufig auf den chaotischen Verkehr zu sprechen. Er zeigt es an einem Beispiel: Vor wenigen Tagen fuhr er mit dem Auto von Rebstein nach Zürich. «Hier musst du immer aufpassen, nicht zu schnell zu fahren. Das kann dir in Bangkok gar nicht passieren, die Strassen sind zu jeder Zeit voll», sagt er. Fast täglich fährt er in Bangkok mit dem Auto zur Arbeit. Nur gut sieben Kilometer lang ist die Fahrt, sie dauert in aller Regel aber vielfach länger als die von seiner Heimat Rebstein nach Diepoldsau.

Stefan Bucher wohnt mit Frau Dew und der sechs Monate alten Tochter Stacey in Silom, einem eher gehobenen Stadtteil in der Nähe des Flusses Chao Phraya. Die junge Familie hat eine kleine, aber schicke Wohnung im 40. Stock eines Hochhauses, dessen erste sieben Stöcke ein Parkhaus sind. Die Aussicht über die flimmernden Lichter der Megastadt ist überwältigend.

«Dieses Gebäude ist höher als alle in der Schweiz», sagt Stefan Bucher. In Bangkok ist das Hochhaus eines von vielen.

Zwei Jahre Bangkok, dann viereinhalb in Hongkong

Die Karriere des Rebsteiners beginnt in Altstätten. Im Restaurant Schützenhaus macht er eine Lehre zum Koch. Die Gastronomie fasziniert ihn, doch er will mehr. Bucher macht die Hotelfachschule in Zürich. Mit dem Abschluss 2011 entscheidet er sich, auszuwandern. In Bangkoks Stadtteil Su­khumvit bekommt er eine Stelle in einem Hotel der oberen Mittelklasse, in dem immer wieder Gäste aus dem Rheintal logieren. Er arbeitet oft an der Rezeption, wo er sich auch mal einen Scherz erlaubt: «Sie können schon Schweizerdeutsch mit mir sprechen, ich komme auch aus Rebstein», sagte er einst einem da­raufhin verdutzt dreinblickenden Rebsteiner Hotelgast. Stefan Bucher geniesst die Zeit, lernt dabei auch seine heutige Frau kennen, eine Mitarbeiterin der britischen Botschaft in Bangkok. Doch es zieht ihn weiter.

Nach zwei Jahren in Bangkok findet er einen neuen Job. Bucher wird gastronomischer Leiter für acht Restaurants mit total 145 Mitarbeitenden im Pacific Club Kowloon in Hongkong. Er organisiert für die Clubmitglieder, die hohe Jahresbeiträge für ein bisschen Privatsphäre in der pulsierenden Metropole bezahlen, exklusive Anlässe. An diesen kommen die Gäste dank Bucher in den Genuss von Speisen international bekannter Köche mit Michelin-Auszeichnungen. Es ist nicht nur das, was ihm am Leben in Hongkong gefällt: Er erzählt etwa auch vom Geschirreinkauf im nahen Guangzhou (China), der stets Spass gemacht habe.

Die Beziehung mit Dew Rattanavijay hält trotz der Distanz. Sie sind über moderne Kommunikationskanäle in Kontakt, besuchen sich oft, später zieht sie auch nach Hongkong, wo sie wie früher bei der britischen Botschaft arbeitet. Dazwischen, im April 2016, heiraten die beiden in einem Resort auf Phuket – es ist eine Hochzeit wie in einem Film im üppig begrünten Garten nahe eines Traumstrands.

Ein Drittel der Arbeitszeit ist Bucher auf Reisen

Seit letztem Oktober lebt die junge Familie nun wieder in Bangkok. Es gefällt Bucher dort besser als im stets ernsten Hongkong. Er ist jetzt Director of Operations bei einer internationalen Hotelkette. Diese hat 47 Häuser, «doch bis 2024 sollen es 99 sein. Viel läuft zurzeit in Vietnam, Malaysia und auf den Malediven», sagt Bucher.

Dorthin reist er häufig, rund ein Drittel seiner Arbeitszeit verbringt er auf Dienstreisen. Er unterstützt Hotels beim Entwurf des gastronomischen Angebots und reist zu Neueröffnungen.

Auch in der Freizeit ist Stefan Bucher gern auf Achse – häufig im asiatischen Raum, ab und zu auch in der Schweiz, wo er Freunde und Familie besucht. Für diese kam Stefan Buchers Entwicklung nicht überraschend: «Er hatte schon als Kind gern exotische Früchte, wollte als Geschenk einmal einen Bananenbaum», sagt seine Mutter Cilli Bucher.

Sie und ihr Mann Ivo besuchen die Familie gern in Thailand. Ivo Bucher sagt: «Es wäre schön, ein Grosskind in der Nähe zu haben, aber wir reisen auch gern. Das bereichert das Leben.» Stefan Buchers Tochter Stacey wächst in Bangkok auf, dreisprachig. Sie soll Thailändisch, Englisch und Deutsch sprechen lernen. Auch sie wird eine moderne Weltbürgerin.

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