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Zünseln ohne Zündhölzer

Garten
Urs Stieger
. . . war einmal: Gerodeter Buchs. (Bild: Urs Stieger)

. . . war einmal: Gerodeter Buchs. (Bild: Urs Stieger)

Wer hätte das gedacht vor zehn oder zwanzig Jahren! Ein kleines Insekt aus Asien hält die Gärtner und Liebhaberinnen aus ganz Europa auf Trab, kein Besuch im Garten ohne die Fragen aller Fragen: Wie hast du’s mit dem Zünsler?

Zünsler gibt es schon seit Jahrhunderten bei uns. Es gibt nicht nur den Buchsbaumzünsler, sondern mehr als 6000 Arten auf der Welt. Die meisten leben in den Tropen, ein anderer Schwerpunktbereich ist Asien. Da hätte er auch bleiben können, niemand hat ihn gerufen noch gewünscht! Ich hab’s auch nicht mit den Verschwörungstheoretikern, die da meinen, der Zünsler am Buchs sei ein «Geschenk» der Agrochemiemultis: Viel Zünsler, viel Spritzmittel! Den meisten Hobbygärtnern ist dieser Falter aber nie begegnet, bis dann vor ein paar Jahren die extrem rasante Invasion begann. Buchsbäume, teilweise Jahrhunderte Jahre alt, waren als gedeckter Tisch für die gefrässigen Raupen des fruchtbaren Falters bereit. Kaum jemand, der Buchs pflegt, hat ihn mittlerweile noch nicht in seinem Gartenreich. Ob grosse, alte Naturdenkmäler oder Buchs in Form von Einfassungen, «gepützelten» Kugeln oder andere geschnittene Formen, die Raupen fressen in ganz Europa die grüne Pracht zu biologischen Schwingbesen.

Ich habe im Herbst, einfach weil mir die Spritzerei auf den Keks ging, nicht mehr gespritzt. Das merkt man dieses Jahr. Aber nicht nur in unserem Garten hat die erste Generation den Winter gut überstanden, die kalten Frühlingstage haben ihn nicht gekümmert. Im Mai habe ich alle Buchsbäume mit Bacillus thuringensis gespritzt. Nach drei Tagen stank es grauenhaft im Garten. Alle, mindestens habe ich keine Raupen mehr gefunden, waren tot. Es müssen Massen gewesen sein, sonst hätte es nicht so wunderbar geduftet!

Letztes Jahr haben wir im November Hunderte Buchspflanzen, 20 bis 30 Jahre alt, insgesamt 10 m3, ausgebaggert und abgeführt. Das war ein ziemlich harter Schnitt und ist nur erträglich, wenn man Alternativen hat. Der Zünsler am Buchs wäre ja schon Problem genug, aber die wirkliche Herausforderung des Buchsanbaus kennen die meisten ja noch gar nicht, obwohl sie fast überall in den Gärten, Friedhöfen, Anlagen schlummert: Cylindrocladium buxicola. Das Buchsbaumtriebsterben ist ein Pilz, für den es auch bei den stärksten Mitteln aus dem Giftschrank keinen Widersacher gibt. Da ist der Zünsler im schlechtesten Fall einfach lästig. Dieser Pilz wird die Gärten, wo noch Buchs steht, ziemlich sicher verändern. Etwa die Hälfte unserer Buchsbäume, alle grösseren, wachsen noch. Ich traue der Sache aber nicht. Dort, wo Buchs war, stehen jetzt Eiben und Stauden. Fast überall empfinde ich die veränderte Anlage schöner als vorher. Und in zwei bis drei Jahren, wenn die Eiben dann etwas gefüllt wirken, ist die Trauer über den Buchs sicher verflogen. Anstatt mit der Spritzanlage durch den Garten zu karren, werde ich die Beine hochlagern. Garantiert!

Sofern uns Klima und die Globalisierung nicht wieder ein Geschenk machen.

Urs Stieger

Berneck

www.u-stieger.com

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