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Zu wenig Passagiere pro Kilometer

Um die Abgeltungen für öffentliche Verkehrsmittel im Griff zu halten, legt der Kanton Mindest- und Zielvorgaben für Bahn- und Buslinien fest. Altstätten–Buchs und Altstätten–Kobelwald erfüllen nicht alle Punkte.
Kurt Latzer
An Spitzenzeiten ist der Bus nach Buchs gut ausgelastet, dann kommen auf dieser Linie Gelenkbusse zum Einsatz. (Bild: Bilder: Kurt Latzer)

An Spitzenzeiten ist der Bus nach Buchs gut ausgelastet, dann kommen auf dieser Linie Gelenkbusse zum Einsatz. (Bild: Bilder: Kurt Latzer)

Definiert sind die Zielvorgaben des kantonalen Amtes für öffentlichen Verkehr als Kostendeckungsgrad (KDG) und eingestiegene Personen pro Linienkilometer (EpL). Altstätten–Buchs ist eine der Rheintaler Linien, die nicht alle Punkte erfüllen. Mit einem KDG von 41 Prozent erreicht die Linie 300 zwar die Vorgaben des Kantons, nicht aber die der zusteigenden Passagiere pro Kilometer, die liegt bei 0,8 Personen pro Kilometer.

Nimmt man die jüngst erschienenen Zahlen des Kantons bei der Bus Ostschweiz AG einfach zur Kenntnis oder ergreift man auf der Linie 300 Massnahmen? «Sämtliche Linien der Bus Ostschweiz werden von uns laufend beobachtet. Die Linie 300 ist mit 30 Kilometern eine ausserordentlich lange Buslinie mit sehr vielen Funktionen», sagt Hans-Ruedi Kuhn, Leiter Angebot bei der Bus Ostschweiz AG. Mit 41 Prozent Kostendeckung erreiche die Linie einen vergleichsweise guten Wert.

Kanton plant Kennzahl zu ändern

Schuld am niedrigen EpL sei die enorme Länge der Linie. Die grosse Menge an Passagieren fahre vor allem im Bereich der Knoten Altstätten und Buchs. Kuhn sagt: «Es gibt fast niemanden, der von Altstätten nach Buchs im Bus durchfährt. Kurze Linien wie Heerbrugg–Berneck haben aus diesem Grund einen hohen Wert an Einsteigern pro Kilometer, weil die meisten Fahrgäste die ganze Linie fahren.» Das Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons St. Gallen wisse, dass die Kennzahl EpL je nach Liniencharakter problematisch sein kann.

«Darum plant das Amt in Zukunft eine andere Kennzahl für die Messung der Nachfrage an­zuwenden», sagt Hans-Ruedi Kuhn.

Was spräche gegen die Einstellung der Linie 300, wenn die Zahlen noch schlechter wären? «Der Kostendeckungsgrad ist, gemessen an der Linienlänge, gut. Eine Stilllegung ist nicht vorstellbar», sagt der Leiter Angebot. Zu Spitzenzeiten verkehrten auf der Linie 300 Gelenkbusse, die mit weit über 100 Fahrgästen besetzt seien.

Mit welchen Massnahmen des Kantons rechnet man bei Bus Ostschweiz? «Um Anschlüsse zu sichern und so die Attraktivität des Angebotes zu sichern oder zu steigern, überprüft der Kanton bei teils Linien Alternativen zu derzeitigen Streckenführungen», sagt Hans-Ruedi Kuhn. Die neu geplante Nachfragekennzahl entspreche dem Charakter der Linie 300 besser, womit die Mindestvorgabe zu erfüllen wäre.

Was müsste das Busunternehmen tun, um auf der Linie Altstätten–Buchs mehr Leute in den Bus zu bringen? «Wir be­obachten und optimieren alle Linien jährlich zum Fahrplanwechsel, um die Anschlussqualität, Pünktlichkeit usw. zu verbessern. Von uns erkannte Opti­mierungsmöglichkeiten beim Fahrplanangebot werden mit dem Kan­ton und den Gemeinden besprochen», sagt der Leiter Angebot.

Linie Kobelwald als Grundversorgung

Noch schlimmer sieht es auf der Linie Altstätten–Montlingen–Kobelwald aus. Weder der Kostendeckungsgrad noch die einsteigenden Personen pro Kilometer werden erreicht.

Denkt Bus Ostschweiz hier über eine Schliessung nach? «Ob eine Linie aufgehoben wird oder nicht, entscheidet nicht das Busunternehmen, sondern Bund, Kanton und Gemeinde», sagt Kuhn. Die Linie 332 Altstätten–Montlingen–Kobelwald biete mit einem Stundentakt ein Grundangebot. Anstelle einer Standzeit beim Oberrieter Bahnhof fahre der Bus nach Kobelwald und zurück und biete so den Bewohnern in Kobelwald eine Verbindung an. «Bei einem Verzicht auf die Erschliessung von Kobelwald wären die Kosteneinsparungen re­lativ gering», sagt der Leiter Angebot.

Sonderregelung für Linien über die Grenze

Im St. Galler Rheintal gibt es mehrere Buslinien, die die Vor­gaben des Kantons nicht erfüllen. Die werden allerdings geson­- dert betrachtet: «Ausnahmeregelung» steht als Zusatz im Bericht. Was umfasst die Ausnahmeregelung?

«Diese Regelung gilt für grenzüberschreitende Linien. Sofern es sich um ein für den Nachbarkanton oder das Nachbar­- land wichtige Verkehrsverbindung handelt, müssen die Mindestvorgaben nicht erreicht werden», sagt Hans-Ruedi Kuhn. Im Bericht des Kantons unterteile man einzelne Linien aufgrund unterschiedlicher Finanzierungen in verschiedene Streckenabschnitte. Bei der Linie 303 Heerbrugg–Hohenems–Heerbrugg beteilige sich der Bund nur auf Schweizer Gebiet. Der Kanton St. Gallen finanziere zusätzlich gewisse Kurse bis zum Emspark in Hohenems. «Die Kennzahlen einzelner Teilstrecken können Verzerrungen beinhalten. In solchen Fällen muss eine Gesamtbetrachtung der ganzen Linie vorgenommen werden», sagt der Leiter Angebot.

Der österreichische Teil der grenzüberschreitenden Linien 303 und 351 finanziere der Gemeindeverband Personennahverkehr unteres Rheintal in Dornbirn. Warum wendet man solche Ausnahmeregelungen nicht bei den höher gelegenen Ortschaften wie Kobelwald an? «Die möglichen Ausnahmeregelungen sind in kantonalen Rechtsgrundlagen geregelt. Meist handelt es sich um Linien, die gemeinsam mit Nachbarkantonen oder Nachbarländern bestellt und finanziert werden. Die topologischen Verhältnisse alleine rechtfertigen noch keine Ausnahmeregelung», sagt Hans-Ruedi Kuhn.

Nach Ansicht der Bus Ostschweiz AG können auch die Gemeinden einen Beitrag zur Attraktivitätssteigerung leisten. Hans-Ruedi Kuhn: «Wünschenswert wären mehr überdachte Warteberei­- che an den Haltestellen. Ebenso könnte man in Infoblättern der Gemeinden noch mehr auf den öffentlichen Verkehr hinweisen.» Weiter wünsche man sich mehr Haltestellen mit einer elektronischen Echtzeit-Fahrplaninformation. Die Fahrgäste würden dann genau informiert, in wie vielen Minuten der Bus tatsächlich komme oder fahre. Als Beispiel nennt der Leiter Angebot die Haltestellen in Widnau.

«Zudem ist sehr wichtig, bei neuen Verkehrskonzepten und der Festlegung von Haltestellenstandorten frühzeitig Kontakt mit den kantonalen Behörden und den Busunternehmen aufzunehmen, damit Lösungen mit möglichst optimalen Linienführungen und Wendemöglichkeiten geschaffen werden», sagt Hans-Ruedi Kuhn.

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