Zu lang, zu breit, zu gross, zu hoch?

Der Nachbar habe unter Umgehung von Vorschriften zu gross gebaut, klagen Göldis in Rüthi. Und die Gemeinde sei nicht eingeschritten. Das Mehrfamilienhaus entspreche in fast allen Details den Vorschriften oder Ausnahmegenehmigungen der Gemeinde, sagt der Kanton.

René Schneider
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Die Garagen-Zufahrt ist noch mit einem Baustop belegt. Die Tiefgarage rage zu hoch aus dem «gewachsenen Terrain», klagen die Nachbarn. Auch darum sei das Haus zu hoch. (Bild: René Schneider)

Die Garagen-Zufahrt ist noch mit einem Baustop belegt. Die Tiefgarage rage zu hoch aus dem «gewachsenen Terrain», klagen die Nachbarn. Auch darum sei das Haus zu hoch. (Bild: René Schneider)

Rüthi. Göldis betonen: «Das ist kein Nachbarschaftsstreit. Hier geht es einzig um Recht und Gesetz.» Gemeindepräsident Thomas Ammann kündigte gestern eine Stellungnahme an. Sie erscheint voraussichtlich in der morgigen Ausgabe. Eugen und Eveline Göldi-Kühnis an der Austrasse 5 in Rüthi (auf dem Bild im weissen Einfamilienhaus) werfen Ammann und dem Gemeinderat Rüthi vor, dem Nachbarn beim Bau dessen Mehrfamilienhauses ein Projekt und danach Ausnahmen bewilligt zu haben, die das gesetzlich Mögliche übersteigen.

Keine Einsprache

Darum sei das fertige Haus jetzt zu lang, zu breit, zu hoch und rage zudem zu hoch aus dem Grundstück. Göldis haben nach erfolglosen Klagen Strafanzeige gegen die Gemeinde, den Kanton und den Bauherrn eingereicht. Ihr Standpunkt: Beim Bau des Hauses sei nicht alles recht- und gesetzmässig gelaufen. Die Anklagekammer hat die Strafanzeige abgewiesen. Auch Göldis wissen, dass sie schlechte Karten haben, weil sie bei der Bau-Ausschreibung keine Einsprache erhoben. Fast gleichzeitig haben sie 2009 ihr Einfamilienhaus geplant, der Nachbar ein Mehrfamilienhaus.

«Wir gingen davon aus, dass die Gemeinde nur ein Projekt bewilligt, das in allen Teilen den Vorschriften entspricht», erklären Göldis. Der Streit begann, als sie während des Baus des Nachbarhauses sahen, wie hoch die Tiefgarage aus dem Grundstück ragt.

Hängiger Baustop

Im Verlauf des Streits um Referenz-Niveaus, Abstände, Höhen, Zuschläge, Ausnützungsziffern usw. erwirkten Göldis einen Baustop über die Zufahrt der Tiefgarage. Sie rage einen halben Meter zu hoch über das gewachsene Terrain, sagen sie. Sie sei gemäss der digitalen Geo-Daten ein paar Zentimeter zu hoch, also im Toleranzbereich, befand das Baudepartement des Kantons.

Gegenüber Tele Ostschweiz vertrat der Bauherr des Wohnblocks: Göldis hätten keine Einsprache gegen das Baugesuch erhoben und darum keinen Grund, nachträglich das bewilligte und gesetzesgemäss realisierte Projekt zu bekämpfen.

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