Zu lang und zu laut: Wirtepatent weg

Der Auer Gemeinderat mahnte, warnte – und entzog der Pächterin der Castello-Bar definitiv das Wirtepatent. Weil sie zu lange offen hielt und ihre Gäste im Garten angeblich zu laut waren. Geklagt und Druck gemacht hatte ein Anwohner. Patent-Entzüge sind sehr selten.

René Schneider
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Hampi Messmer und Edita Dzehverovic vor der Castello-Bar. Er ist langjähriger Wirt unter anderem des «Paradiesli» in Altenrhein und neu verantwortlicher Castello-Patentinhaber. Sie bleibt Pächterin und Geschäftsführerin. Für die Gäste ändert sich nichts, sagen die beiden. (Bild: René Schneider)

Hampi Messmer und Edita Dzehverovic vor der Castello-Bar. Er ist langjähriger Wirt unter anderem des «Paradiesli» in Altenrhein und neu verantwortlicher Castello-Patentinhaber. Sie bleibt Pächterin und Geschäftsführerin. Für die Gäste ändert sich nichts, sagen die beiden. (Bild: René Schneider)

Au. Hampi Messmer, legendärer «Laterne»-Wirt in Rheineck, später im «Paradiesli» Altenrhein, ist neu «Patentinhaber» Castello-Bar. «Er erfüllt die Voraussetzungen zur Führung einer Gastwirtschaft», schreibt der Gemeinderat im Auer Mitteilungsblatt. Der Pächterin sei wegen «Nichtbeachtung der Schliessungszeiten», und weil die Bar die Nachtruhe gestört habe, das Patent entzogen worden. Gastwirtschaftspatente erteilen seit 1996 die Gemeinden. Sie können sie auch entziehen. Rekursinstanz ist das Volkswirtschaftsdepartement des Kantons.

Es verzeichnet kaum fünf Rekurse gegen Entzüge pro Jahr.

Selten, aber möglich

Hampi Messmer, «Beizer» seit Jahrzehnten, weiss nur von dem einen Fall letztes Jahr: Die Stadt St. Gallen hat dem Betreiber der «Raucherbeiz» das Patent entzogen. «Das Überwirten und Lärm im Freien sind immer wieder und in allen Gemeinden Thema von Beanstandungen, Verwarnungen und Bussen, aber ich habe noch nie von einem Patententzug erfahren», sagt Messmer.

Der Auer Gemeindepräsident Walter Grob stellt klar: «Die Verstösse gegen die Vorschriften waren relativ massiv und dauerten über längere Zeit an. Wiederholte Verwarnungen nützten nichts.» Darum habe der Gemeinderat den Patententzug verfügt. «Es geht uns nicht um die Person, sondern um die Zustände.» Öffentlich gemacht habe man die Verfügung (ohne Erwähnung des Namens der Wirtin) mit Blick auf die anderen gegen vierzig Gastrobetriebe in der Gemeinde.

Enttäuschte Wirtin

Deren Betreiber sollen wissen, dass der Gemeinderat die Einhaltung der Vorschriften konsequent durchsetzt. Wirtin Edita Dzehverovic ist enttäuscht. «Es gab Verwarnungen, und ich war nachlässig, aber der Entzug hat mich trotzdem überrascht.» Sie habe nach der Verfügung erwogen, den Beruf an den Nagel zu hängen und darum nicht rekurriert. Dann habe sich mit ihrem einstigen Arbeitgeber und Kollegen Hampi Messmer die jetzige Lösung ergeben. «Für die Gäste ändert sich nichts, ausser dass Hampi anwesend ist.

» Neu ist darum die Castello-Bar schon ab 14 Uhr offen sowie samstags und sonntags ab 10 Uhr. Ein einziger Anwohner habe zusammen mit einem Anwalt den Patententzug erreicht, ärgert sich Dzehverovic. Bei anderen Betrieben in Au sei der Gemeinderat weniger streng.

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