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Zu gut fürs Rheintal

Der 21-jährige Volkan Akyildiz hat in dieser Saison 32 Meisterschaftstore für Au-Berneck erzielt – so treffsicher war in diesem Jahrhundert noch kein Rheintaler Stürmer. Der Türke aus Götzis sagt selbst, dass er in der 2. Liga unterfordert war.
Yves Solenthaler
Volkan Akyildiz: Der Stürmer des FC Au-Berneck hat in 23 Pflichtspielen dieser Saison (inklusive Cup) 37 Tore erzielt. Für die 2.-Liga-Verteidiger war der in Götzis aufgewachsene Türke nicht zu halten. (Bild: Yves Solenthaler)

Volkan Akyildiz: Der Stürmer des FC Au-Berneck hat in 23 Pflichtspielen dieser Saison (inklusive Cup) 37 Tore erzielt. Für die 2.-Liga-Verteidiger war der in Götzis aufgewachsene Türke nicht zu halten. (Bild: Yves Solenthaler)

FUSSBALL. Sein vermutlich letztes Tor für Au-Berneck hat Volkan Akyildiz vor einer Woche gegen Weesen erzielt. Es war das 3:2 für Au im schliesslich 3:4 verlorenen Match. Akyildiz wurde aus dem Mittelfeld steil angespielt – wie bei fast jedem seiner Tore. Er zog, zwei Verteidiger im Schlepptau, kurz nach rechts. Dann eine Körpertäuschung, und mit dem Ball am Fuss zog Akyildiz in die Mitte. Die beiden Verteidiger: Abgeschüttelt wie lästige Fliegen. Dabei sind sie ein Teil der besten Abwehr der 2. Liga, Gruppe 1.

Volkan Akyildiz hatte dann keine Probleme mehr sein 32. Tor zu erzielen – flach in die Ecke. Dort, wo echte Goalgetter hinzielen, wenn sie allein vor dem Torhüter stehen.

In 2. Liga nicht zu verteidigen

Die gegnerischen 2.-Liga-Verteidiger sind verzweifelt, sie haben während der ganzen Saison kein Mittel gefunden, um Akyildiz zu stoppen: Standen sie bei ihm, schüttelte er sie mit ihrem Antritt locker ab. Warteten sie ein, zwei Meter weiter hinten, brauste Akyildiz mit der Wucht einer Lokomotive auf sie zu. Sogar wenn das gegnerische Team mit drei Spielern mehr auf dem Feld stand wie bei Rebstein – Au-Berneck «ist Akyildiz in der 2. Liga einfach nicht zu verteidigen», wie Rebsteins Trainer Andy Giger sagt.

Die Mitspieler lieben ihn, würde man meinen. «Es ist nicht immer einfach für sie, sie stehen oft im Schatten von <Volki>», sagt Sportchef Philippe Zoller, ein begeisterter Twitterer. Man merkt, dass Zoller einen Ausgleich schaffen will, wenn er nach dem 6:3-Sieg gegen Altstätten (mit sechs Akyildiz-Toren) in seinem Tweet die «grossartige Mannschaftsleistung» feiert.

Volkan Akyildiz hat 32 Tore geschossen, die nächst-treffsichersten Au-Bernecker stehen mit drei Törchen zu Buche. «Vor dem Tor ist er ein Egoist», sagen die Mitspieler über Akyildiz. «Aber wirklich krumm nehmen kann man das jemandem nicht, der in der Saison mehr als 30 Tore erzielt», sagt Verteidiger Silvio Putzi.

Volkan Akyildiz sagt, er habe viel allein machen müssen, sonst wäre das Team nicht so erfolgreich gewesen: «Die Mitspieler haben nicht die Qualität, die ich gewohnt bin.» Das mag überheblich klingen, es ist aber nur ehrlich. Der Stürmer fügt gleich bei, dass er sich in der Mannschaft wohl gefühlt habe. Aber um sich weiter zu entwickeln, müsse er den Verein verlassen.

In der Einschätzung, dass Volkan Akyildiz zu gut ist für die 2. Liga, sind sich wohl alle einig. Gemäss seinem Auer Trainer Andreas Lüchinger spielt Akyildiz auf dem Niveau Promotion League. Der SC Brühl, der in dieser Liga spielt, zeigte Interesse. Akyildiz lehnte es aber ab, ein Probetraining zu bestreiten. Seine Wunschdestination ist sein Heimatland: «Ich habe Profi-Angebote aus der Türkei. Au-Berneck werde ich sicher verlassen.»

Türkei wegen Militär verlassen

Vereinspräsident Oliver Bachmann ist da weniger sicher: «Volkan erzählt jede Woche etwas anderes – erst vor ein paar Tagen hat er mir gesagt, er wolle bei Au-Berneck bleiben. Er pokert halt.»

Aber wie fand Akyildiz überhaupt auf die Auer Degern? Einen solchen Überflieger hat es im Rheintaler Regionalfussball schon lange nicht mehr, bzw. noch gar nie gegeben.

In der Saison 2014/15 hatte Akyildiz in der türkischen Stadt Of für Ofspor gespielt. Als er ein Aufgebot der türkischen Armee erhielt, verliess er das Land jedoch fluchtartig: «Zurück in Österreich hatte ich gerade noch vier Tage bis zum Ende der Transferfrist.» Sein Kollege Emre Demir schlug ihm vor, zum FC Au-Berneck zu wechseln. «Ich hatte die Wahl, nach Au zu wechseln oder eine Pause zu machen. Und weil sich Philippe Zoller so intensiv um mich bemühte, habe ich Au schliesslich zugesagt.» Gerade Zoller sei er dankbar: «Er hat sehr viel für mich gemacht, dank ihm konnte ich mich bei Au-Berneck integrieren.» Zoller sei auch der Grund gewesen, weshalb er im Winter geblieben sei: «Ich hatte ein gutes Jahr in Au. Aber um mich spielerisch weiter zu entwickeln, ist es nun höchste Zeit, den Verein zu verlassen.»

Vermutlich in die Türkei. Aber was ist denn mit dem «Militärproblem» (wie er es nennt), das er mit dem türkischen Staat hat? Gelöst: «Ich habe mich von der Armee freigekauft.»

32 Tore nur bei den Junioren

So wird die Karriere des Volkan Akyildiz, der in Götzis aufgewachsen ist und seine ersten Fussball-Schritte beim dortigen FC gemacht hat, wohl bald um ein Kapitel reicher. Er ist erst 21-jährig, hat aber schon ein paar Clubs von innen gesehen: Götzis, Vorarlberger Auswahl, Vaduz, St. Gallen, Yalispor und Ofspor (beide in der Türkei).

Und schliesslich Au-Berneck. Ob er schon einmal 32 Tore in einer Saison geschossen hat? «Nur bei den Junioren.» Um diesen Rekord zu brechen, müsste Akyildiz wohl in der 2. Liga bleiben – die Spielklasse, für die er zu gut ist.

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