Zu Bauerngärten spazieren

ALTSTÄTTEN/EICHBERG. Es gibt Bücher, die beschreiben das Vertraute so genau, dass man es neu entdeckt – oder plötzlich mit anderen Augen sieht. Der schmale Band über Bauerngärten ist so ein Buch.

Gert Bruderer
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Zwischen Eichberg und Altstätten: So markant wie die beiden Bauernhäuser im Unterlitten, so umfangreich und vielgestaltig ist der Garten. (Bild: Markus Bühler-Rasom)

Zwischen Eichberg und Altstätten: So markant wie die beiden Bauernhäuser im Unterlitten, so umfangreich und vielgestaltig ist der Garten. (Bild: Markus Bühler-Rasom)

«Bauerngärten zwischen Säntis und Bodensee» lautet der Titel; es ist der dritte Band der Reihe «Gartenwege der Schweiz». Ein erstes Durchblättern führt mich geradewegs – zu meiner grossen Überraschung – zu dem Haus, in dem ich selbst vor drei Jahrzehnten wohnte. Es steht im Ebenacker, am Ruppen oberhalb der Stadt Altstätten. Es hat, gerade auch des Gartens wegen, wie alle Häuser in diesem Buch einen besonderen Charme.

Der Garten liegt einige Meter vom Haus entfernt. Der Altstätter Co-Autor Meinrad Gschwend schreibt, so bleibe der «Werkplatz» vor dem Haus erhalten und werde dem Webkeller kein Licht genommen. «Der Garten ist von einem einfachen Lattenzaun umgeben. In parallel angelegten, mit Brettern eingefassten Beeten wechseln sich Blumen, Kräuter und Gemüse ab. Eher am Rand sind die Beerensträucher, gleich angrenzend an den Garten ein stattlicher Nussbaum und mehrere Obstbäume.»

Katholiken pflanzten Buchs

Gschwend beschreibt auf fünf Seiten den Spaziergang von Altstättens Breite über die Alte Ruppenstrasse zum Höfli und zum Ebenacker. Der Leser erfährt nicht nur viel über anzutreffende Gärten, sondern nebenbei auch Geschichtliches und Kulturelles: dass der steile Kiesweg einst die wichtigste Verbindung zum Kloster St. Gallen war, dass der Weg an der Richtstätte vorbeiführte – oder dass früher «katholisch war, wer einen Buchs im Garten gross werden liess». Ein anderer Spaziergang führt von Eichberg über den Forst nach Altstätten. Die beiden Bauerngärten auf diesem Weg zeigen die Bandbreite der im Rheintal üblichen Gartenanlagen. Am Fuss der Rebberge liegt der eine, auf einer «topfebenen Hoffläche» der andere. Der Spaziergänger kommt an der Forstkapelle vorbei, am Altstätter Torkel, an der Eiche auf dem Steig, dem markantesten Baum der ganzen Region.

Werbung für die Region

Sennwald, Gais, Weissbad, Hundwil sind weitere nahe Orte, zu denen das Buch seine Leser führt. Der kleine Streifzug zwischen Säntis und Bodensee zeigt: Jede Region hat ihren eigenen Bauerngarten hervorgebracht. Anschaulich werden die Anlagen vorgestellt, wobei das Buch auch gute Werbung für das Rheintal ist. Die Hinweise auf Sehenswertes sind zwar für Auswärtige gedacht, sind aber auch eine Einladung an Einheimische, sich Vertrautes (wieder einmal) anzusehen.

Reihe «Gartenwege der Schweiz», Band 3; Bauerngärten zwischen Säntis und Bodensee, Hier und Jetzt Verlag für Kultur und Geschichte, Baden, ISBN 978-3-03919-328-8