«Zerkratzte Arme gehören dazu»

Seit Mitte August ist Géraldine Roller aus Unterwasser auf dem Weingut Schmidheiny in Heerbrugg in der Ausbildung zur Winzerin. Bald beginnt sie damit, einen eigenen Wein zu kreieren.

Christiana Sutter
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Géraldine Roller kontrolliert die Trauben an einem Rebstock auf dem Weingut in Heerbrugg. (Bilder: Christiana Sutter)

Géraldine Roller kontrolliert die Trauben an einem Rebstock auf dem Weingut in Heerbrugg. (Bilder: Christiana Sutter)

HEERBRUGG. Es liegt noch leichter Nebel über dem Rheintal, da und dort hat sich die Sonne seit dem Mittag durchgesetzt. Diese Sonnenstrahlen und die Herbstwärme seien wichtig für die Trauben. Denn mit der Wärme und der Sonne werde die Restsäure in der Traubenbeere verdrängt, und der Geschmack könne sich voll entfalten. Die junge Frau, die das sagt, ist 17 Jahre alt und heisst Géraldine Roller. Sie ist im Obertoggenburg aufgewachsen. In einer Region, in der Rebstöcke selten bis gar nicht existieren.

Interesse hat zugenommen

In schwarzen Arbeiterhosen, die Handschuhe in der Gesässtasche, schweren Schuhen mit Stahlkappe und mit einem Lächeln auf dem Gesicht kommt die zukünftige Winzerin auf einem kleinen Traktor aus dem Rebberg angefahren. «Das Traktorfahren und das Bedienen von weiteren Maschinen, die für den Weinbau nötig sind, habe ich in der Berufsschule gelernt.» Sie erzählt, dass sie bei der ersten Bedienung dieser Geräte schon etwas Mühe hatte. In ihrer Klasse sind rund drei Viertel Männer. «Wobei das Interesse der Frauen für die Berufe Winzer oder Weintechnologe im letzten Jahrzehnt zugenommen hat», sagt Christian G. A. Humm, der Winzer- und Lehrmeister von Géraldine Roller. Die junge Unterwässlerin ist die erste Auszubildende auf dem Weingut Schmidheiny in Heerbrugg. «Es ist für uns wie auch für Géraldine eine Herausforderung», sagt Humm. Der Entscheid für diesen Beruf ist bei der 17-Jährigen erst letzten November gefallen. «Während der Schulzeit durften wir in einigen Berufen <schnuppern> gehen. Ein Berufswunsch war damals Kosmetikerin.» An einer Bildungsmesse im September 2012 schaute sie sich mit ihrer Mutter verschiedene Berufe an. «Da habe ich den Beruf des Weintechnologen entdeckt.» Anschliessend durfte sie auf einem Weingut im Rheintal eine Woche auf diesem Beruf schnuppern. «Dabei habe ich erfahren, dass die Ausbildung zur Winzerin spannender ist für mich.»

Nebst dem Herausschneiden von Trauben und Netzen der Rebstöcke nimmt die Umgebungsarbeit in einem Weingut einen Grossteil der Zeit ein. «Diese Arbeit ist körperlich anstrengend, und das bin ich noch nicht so gewohnt.» Sie zeigt die Unterarme, die von den Stacheln an den Büschen zerkratzt sind. «Das macht nichts, das gehört einfach dazu.»

Bis zum Wimmet vergehen noch einige Tage. Ab Mitte Oktober bis Mitte November werden die Trauben auf dem Weingut Schmidheiny gepflückt.

Eigene Weinkreation

Auch wenn die Kondition der jungen Unterwässlerin auf die Probe gestellt wird, fit ist sie. Ab dem sechsten Lebensjahr besuchte sie den Ballettunterricht. Auch freut sie sich auf den Winter. «Ich war früher in der JO Unterwasser und bin Skirennen gefahren.» Jetzt unterrichtet Géraldine Roller selber den Skinachwuchs. Eine weitere spezielle Aufgabe bekommt sie von ihrem Lehrbetrieb. Nach dem Wimmet beginnt Géraldine Roller, einen eigenen Wein zu kreieren. Mit einem Strahlen im Gesicht schaut sie in den Rebberg oberhalb von Heerbrugg hinauf. Inzwischen hat sich der Nebel aufgelöst und über dem Rheintal scheint die Sonne.

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