Zellweger, der Konstante mit dem Riesensprung

Yves Zellweger erinnert sich noch an die Lokalität – die OMR in Heerbrugg. Der Anlass fand im Januar 2006 statt: Preisverleihung der Rheintaler Sportlerwahl.

Yves Solenthaler
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Rheintaler Sportler des Jahres 2005: Yves Zellweger vom KTV Altstätten.

Rheintaler Sportler des Jahres 2005: Yves Zellweger vom KTV Altstätten.

Yves Zellweger erinnert sich noch an die Lokalität – die OMR in Heerbrugg. Der Anlass fand im Januar 2006 statt: Preisverleihung der Rheintaler Sportlerwahl. Das Ergebnis war dasselbe wie am letzten Dienstag im Widebaumsaal in Widnau: Der Weitspringer vom KTV Altstätten ist zum Sportler des Jahres gekürt worden.

Fokus auf Sport und Beruf

Die Bilder beider Preisverleihungen dokumentieren die Wandlung vom 18-jährigen Jugendlichen zum 27-jährigen Mann. Und sie zeigen, wie bemerkenswert beharrlich und konstant der Weitspringer seinen Weg gegangen ist. Vom Schweizer Juniorenmeister zum EM-Starter und Olympia-Kandidaten.

Wie für einen Schweizer Leichtathleten üblich, hat sich Zellweger nicht nur auf den Sport fokussiert: Er arbeitet als Oberstufenlehrer in Teufen, bis im Sommer noch mit 70 Stellenprozent, danach reduziert er auf 40. Im Moment ist er aber im WK, das bedeutet: im vom Militär besoldeten Training, höchstens 100 Tage im Jahr hat er dafür verfügbar.

Am Wochenende beginnt die Hallensaison mit dem Ziel Hallen-EM, aber der sportliche Fokus ist schon jetzt nach Brasilien gerichtet: Für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro ist ihm kein Effort zu gewaltig.

Dazu gehört Krafttraining mit den Appenzeller Schwingern – wie Michael Bless oder Raphael Zwyssig: «Wobei sie natürlich ein paar Kilo mehr auflegen als ich.» Die Voraussetzung dieses Trainings geschaffen, hat René Wyler. Der Leiter der Sportschule Appenzellerland gestaltet neu das Krafttraining des Altstätters. Im Hinblick auf die angestrebte Olympia-Qualifikation hat Zellweger zum ersten Mal in seiner Karriere sein Trainerteam geändert. Der neue Haupttrainer von ihm ist Christian Gutgsell, der bisher sein Kraft-Coach gewesen ist. Der Student der renommierten Sporthochschule Köln bekommt aktuellste Methoden in der Trainingsmethodik stets zeitnah mit. Und im Techniktraining komplettiert Zellweger sein sportliches Umfeld durch die Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Dreispringer Alex Hochuli.

Seit dem Kauf seiner ersten Spikes war bisher Michele Bellino Yves Zellwegers Haupttrainer. Dieser wird ihn weiterhin beratend unterstützen. Um den Sprung auf 8,15 m – die Olympialimite – zu schaffen, brauche er neue Impulse, sagt Yves Zellweger. Und mit dem Trainer, mit dem er den Sprung an die nationale Spitze geschafft hat, verbindet Zellweger weiterhin, dass er Götti seiner Tochter ist.

Die «Road to Rio» ist Zellwegers grosses Projekt, deshalb ist die WM 2015 (für die auch 8,15 m gefordert sind) nicht unbedingt ein Ziel: «Durch die Umstellung des Trainerteams komme ich vielleicht nicht von Beginn weg an mein Limit.» Aber 8 Meter zu springen, ist der Anspruch des Mannes, dessen bisher weitester Flug nach 8,03 m endete. Und damit würde sich auch die Möglichkeit ergeben, mit dem Start an grossen Meetings internationale Erfahrungen zu sammeln. Allenfalls reizvoll wäre in der kommenden Outdoor-Saison die Militär-WM: «Aber dieser Wettkampf findet erst im Oktober statt, was eigentlich nicht in meine Planung passt.»

Noch 12 cm bis nach Rio

Der Sportler des Jahres 2005 hatte von olympischen Spielen allenfalls geträumt, der Sportler des Jahres 2014 ist von diesem Ziel noch 12 Zentimeter entfernt. In diesen neun Jahren hat sich Zellweger stetig verbessert, bis er in den Jahren 2011 und 2012 erstmals untendurch musste. Dafür gelang 2013 die Befreiung mit dem 8-Meter-Sprung.

Auch dank diesem Riesensprung war er nach langer Absenz wieder mal an einer Rheintaler Sportlerwahl dabei. Bis zur nächsten Auszeichnung muss es nicht wieder neun Jahre dauern.

Rheintaler Sportler des Jahres 2014: Yves Zellweger vom KTV Altstätten.

Rheintaler Sportler des Jahres 2014: Yves Zellweger vom KTV Altstätten.