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Zauberhafte Magnolien

Garten
Urs Stieger
«Blume des nächtlichen Beisammenseins». (Bild: Urs Stieger)

«Blume des nächtlichen Beisammenseins». (Bild: Urs Stieger)

Der Garten, an dem ich kürz­- lich vorbeiging, ist eigentlich kein richtiger Garten, es ist eine Rasenfläche und sonst nichts, aus­ser in der Mitte. Dort steht ein kleiner Strauch. Der Stamm ist nicht mal kleinfingerdick, das Ganze etwa 40 Zentimeter hoch. Die Pflanze hat aber 14 Blüten, jede fast ein Viertel so gross wie der ganze Baum, leuchtend weiss, sternförmig. Da macht einer auf «wenn ich einmal gross bin . . .».

Irgendwie verloren steht er da in der grossen Fläche. Der Grosse wächst beim Haus. Was für eine Pracht! Auf einem Stamm, dick wie eine Pfanne in der Hotelküche, drei Hauptäste. Und darüber eine Galaxie von Blüten! Ein Übermass in Grossformat! Der kleine Gernegross im riesigen Rasen und der alte Dreimaster dahinter sind Magnolien.

Als «Erschtgix» vor Jahrzehnten bin ich immer an einem solchen Baum vorbeigegangen. Es war ein richtiges, reales Wunder, nicht so etwas Unüberprüfbares und Unwahres, wie die Glocken der Kirche, die zur gleichen Zeit nach Rom flogen, von denen uns Lehrerinnen erzählten. Das Wunder beim Untertor in Altstätten war eine blühende Magnolie. Und, jedes Jahr zur Osterzeit passiert das Wunder wieder. Nicht nur dort, überall in den Gärten, wo diese Bäume und Sträucher blühen. Ohne jede Pflege und Unterstützung. Was schon ist ein Himmel voller Geigen? Unter einem blühenden Magnolienbaum ist der Himmel rosarot, was will man mehr?

Magnol, gesprochen «Ma­niol», war ein französischer Botaniker vor bald 400 Jahren, der den Pflanzen in der westlichen Welt den Namen gab. Im Osten und auch in Amerika, wo Magnolien ursprünglich leben, haben die Sträucher und Bäume viel poetischere Namen.

Der chinesische Name «Blume des nächtlichen Beisammenseins» ist ein für östliche Verhältnisse schon fast frivoler Ausdruck. Tatsächlich sollen gelbe Magnolien in der Nacht sogar fluoreszierend leuchten. Aber gelbe Magnolien sind Züchtungen, in der Natur gibt es das nicht.

Wir haben auch eine gelbe Magnolie im Garten, vielleicht fehlt mir auch der Frischverliebtseindusel, um das zu sehen, aber noch nie ist mir ein Leuchten aufgefallen, auch wenn ich öfters in Dämmerung und Nacht im Garten spaziere. Das Gelb ist auch etwas fad und gar nicht knallig. Aber mit den grünen Blättern gibt es eine wunderba­- re Pastellmischung. Magnolien brauchen manchmal etliche Jahre, bis sie schön blühen. Eine alte Gärtnererkenntnis sagt, dass der Baum zwölf Mal geblüht haben muss, bis die Blüten richtig schön sind.

Für das nächtliche Zusammensein: Ich würde, schon wegen dem Sichtschutz, sicher keine gelben Magnolien aufsuchen, sondern Magnolien mit mehr Blättern. Vor allem aber mit mehr Blüten.

Urs Stieger

Berneck

www.u-stieger.com

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