Wunder nach der Pause verglüht

Der HC Rheintal hat im Aufstiegsspiel zur 2.Liga gegen Romanshorn II 27:29 (16:11) verloren. Nach einer berauschenden ersten Halbzeit der Rheintaler folgte nach der Pause der Einbruch. Nun muss Rheintal auf Appenzell hoffen.

Yves Solenthaler
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Rheintals Jürg Schwarber war in der ersten Halbzeit nicht aufzuhalten. Nach dem Seitenwechsel wendete sich das Blatt aber zugunsten des HCR aus dem Thurgau. (Bild: Yves Solenthaler)

Rheintals Jürg Schwarber war in der ersten Halbzeit nicht aufzuhalten. Nach dem Seitenwechsel wendete sich das Blatt aber zugunsten des HCR aus dem Thurgau. (Bild: Yves Solenthaler)

HANDBALL. Nichts weniger als ein Wunder hätte der HC Rheintal im Heimspiel gegen Romanshorn II gebraucht, um aus eigener Kraft aufzusteigen: Gefordert war ein Sieg mit neun Toren Differenz. Etwa 300 Zuschauer in der vollbesetzten OMR-Halle Blattacker in Heerbrugg rollten den Stimmungs-Teppich dafür aus – auch wenn die Gäste-Fans aus Romanshorn munter daran mitknüpften. Die phantastische Ambiance, die im Amateursport nur in einer Halle möglich ist, beflügelte die Rheintaler so lange ihre Kräfte reichten.

30 Minuten wie im Rausch

Der heimische HCR legte in hohem Tempo los. Die Thurgauer schienen von dieser Pace überfordert und sahen sich nach nur acht Minuten mit 2:6 im Hintertreffen. Auch ein Time-out der Gäste konnte den Spielfluss von Jürg Schwarber & Co. nicht bremsen, im Verlauf der ersten Halbzeit erhöhten sie auf bis zu sechs Tore Vorsprung. Der genannte Feldspieler und Goalie Martin Horg waren die überragenden Akteure. «In dieser Phase haben wir gezeigt, dass wir für die 2. Liga gerüstet sind», sagt Gabor Eder, der mit Stefan Thür die Mannschaft trainiert, die den Gruppensieg in der 3. Liga gesichert hatte.

Zur Pause stand es 16:11 – noch so eine Halbzeit, und der HCR schafft das Wunder.

Ungemach kündigte sich allerdings schon in der letzten Szene vor der Pause an: Als die Zeit schon abgelaufen war, verwandelten die Thurgauer einen Freiwurf direkt. Da zeigte sich, dass die Cleverness zum grossen Wurf wohl fehlte – wie vorher schon bei ein, zwei Szenen, in denen es die Rheintaler versäumten, den Ball ins verwaiste Tor zu werfen.

Nach der Pause konnten die Rheintaler prompt nicht weiter davonziehen, allerdings konnten sie anfänglich den Vorsprung halten. Aber nur einmal gelang es ihnen wieder, den 6-Tore-Vorsprung herzustellen (22:16); eine Viertelstunde vor Schluss war die Differenz auf drei Treffer geschmolzen. Das Tempo war nun nicht mehr so hoch, und spielerisch konnten die Gastgeber die Aufgabe nicht lösen. Als es nach 50 Minuten nur noch 24:22 stand, war die Entscheidung gegen die Rheintaler gefallen. Das sah auch Stefan Thür so: «Es ist allerdings schade, dass wir nicht wenigstens das Spiel gewannen. Aber auch verständlich: Die Spieler resignierten, weil das grosse Ziel unerreichbar wurde.»

Und die Romanshorner, die auch mit einer knappen Niederlage aufgestiegen wären, hatten einen Grund, um aufs Gaspedal zu drücken: Nur mit einem Unentschieden konnten sie den Pokal und die Medaillen für den 3.-Liga-Meistertitel sichern. Dies gelang ihnen vor den Augen von Spielern des Konkurrenten Pfadi Winterthur III, die in Heerbrugg gerne den Pokal abgeholt hätten. Romanshorns Spieler Adrian Zaugg sagte nach der Partie: «Aufholen ist unsere Paradedisziplin.» Bereits beim Sieg gegen Pfadi waren die Thurgauer lange im Rückstand gelegen. Auch in Heerbrugg hatten sie nach 60 Minuten mit 29:27 die Nase vorn.

Letzte Chance am grünen Tisch

Die Rheintaler zeigten sich als faire Verlierer und gratulierten artig. Während des Spiels verschaffte sich der Frust allerdings durchaus Raum, sie haderten mit den Schiedsrichtern, die aus ihrer Sicht die Zweiminutenstrafen einseitig verteilten. Aber daran lag die Niederlage nicht, das hielten beide Rheintaler Trainer und viele Spieler fest.

Das Scheitern in der Aufstiegsrunde, das vor allem der hohen Niederlage in Winterthur geschuldet war, muss indes nicht zwingend das Ende aller Aufstiegsträume bedeuten: Wenn der TV Appenzell in der 1. Liga den Klassenerhalt schafft, wird in der 2. Liga ein weiterer Platz für ein Team des Handball-Regionalverbandes Ost frei, und diesen würden die Rheintaler einnehmen.