Wünsche zum Geburtstag

Liebe Schweiz – oder ist es dir lieber, wenn ich Helvetia sage, oder Eidgenossenschaft? Ich sage es mal so, liebe Heimat, denn das bist du für mich, auch wenn ich die Staatsbürgerschaft erst im Primarschulalter erhalten habe.

Renato Tolfo Pfarrer In Rebstein
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Fliegender Löwenzahn-Samen – ein Symbol für viele gute Wünsche. (Bild: depositphotos)

Fliegender Löwenzahn-Samen – ein Symbol für viele gute Wünsche. (Bild: depositphotos)

Liebe Schweiz – oder ist es dir lieber, wenn ich Helvetia sage, oder Eidgenossenschaft? Ich sage es mal so, liebe Heimat, denn das bist du für mich, auch wenn ich die Staatsbürgerschaft erst im Primarschulalter erhalten habe.

Ich bin in diesem Land geboren und aufgewachsen, fast alle meine Familienangehörigen leben hier. Von den Menschen in meinem Umfeld habe ich viel lernen können, und wertvolle Beziehungen sind entstanden. Ich fühle mich sehr wohl und bin glücklich, dass ich hier leben kann. An einem Geburtstag überbringt man gute Wünsche. Das möchte ich auch.

Liebe Heimat, ich wünsche dir zu deinem hohen Geburtstag weiterhin Frieden und Wohlergehen. Zurzeit wird viel über die schwere wirtschaftliche Lage aufgrund des starken Frankens gejammert. Arbeitsplätze sind gefährdet, und Arbeitende stehen immer mehr unter Druck. Für Arbeitslose wird der Wiedereinstieg immer schwerer. Viele kaufen lieber ausserhalb deiner Grenzen – im nahen Ausland – ein und versetzen dadurch vor allem die kleinen Unternehmen in eine schwierige Lage.

Ich wünsche dir und den Menschen in unserem Land, dass man aufeinander Rücksicht nimmt. Der Mensch muss im Vordergrund stehen und nicht das Geld. So reich wie heute warst du ja noch nie, liebe Schweiz. Wir können uns viel leisten, mehr als wir denken oder brauchen. Die Frage ist nur, was wir wollen. Möge die Solidarität unter uns wieder mehr an Wert gewinnen, damit sich niemand an den Rand gedrängt oder sogar ausgegrenzt fühlen muss. Nur wenn das Zusammenleben der Kulturen und Generationen funktioniert und wir die Verantwortung, die wir füreinander tragen, wahrnehmen, wird die Zukunft besser aussehen, als wie uns vorhergesagt wird. Einer Gemeinschaft geht es nur dann gut, wenn sich jeder Einzelne wohl und ernst genommen fühlt.

Liebe Schweiz, ich wünsche dir, dass du für alle Menschen, die aufgrund von Gewalt und Zerstörung in ihrem Land unter uns Zuflucht und Asyl suchen, zur Heimat wirst. Das ist ein langer und oft nicht leichter Prozess, ich weiss, aber es lohnt sich, sich darauf einzulassen und aufeinander zuzugehen. Voneinander können wir viel lernen. Wer seine Mitmenschen kennt und versteht, weiss um die Werte und Traditionen, die einem lieb sind. Es ist doch viel schöner, miteinander ins Gespräch zu kommen, als über jemanden zu reden oder sogar gegen jemanden. Dass wir diese Kultur des offenen Austauschs und der wohlüberlegten Kompromisse wieder zurückgewinnen, das wünsche ich uns.

Ich stosse auf dich, liebe Heimat, an sowie auf alle Menschen, die ihr Bestes geben, damit es dir und uns allen, von nah und fern, gut geht. Und wenn ich dann abends am Himmel die Feuerwerke bestaunen werde, so weiss ich, dass es einen über uns gibt, dem wir all dies verdanken.