Wovor hatte man Angst ?

«Stadt fürchtet Masseneinbürgerung» Ausgabe vom Donnerstag, 16. April

Drucken
Teilen

Die Stadt Altstätten fürchtet eine Masseneinbürgerung! Diesen zugegebenermassen etwas reisserischen Titel habe ich in der Zeitung gelesen. Die Stadt fürchtet tatsächlich einen Ansturm wie 1998, als sage und schreibe 1141 Einwohnerinnen und Einwohner Altstättens in globo das Altstätter Bürgerrecht erhielten. Unvorstellbar!

Der Einbürgerungsrat, der sich paritätisch aus Vertretern des Stadtrates und der Ortsgemeinde zusammensetzt, war dem Ansinnen für eine Einbürgerungsaktion ja noch positiv gesinnt. Die Ortsbürgergemeinde Altstätten hätte auch alle Rhoden hinter sich gehabt. Der Gesamtstadtrat hat sich dann aber trotzdem gegenteilig entschieden, für den Ortsbürgerrat und auch für mich persönlich ist das nicht nachvollziehbar.

Wovor hat oder hatte man bei dem Entscheid Angst? Vor den Schweizer Bürgerinnen und Bürgern, die seit mehr als fünf Jahren oder teilweise seit Geburt in der Stadt wohnen und allenfalls den verständlichen Anspruch darauf erhoben hätten, vereinfacht Bürger von Altstätten zu werden? War es der administrative Mehraufwand, den Stadtschreiberin Yvonne Müller mit kolportierten sechs Stunden pro Gesuch auf sich zukommen sah? Ich hätte sie beruhigen können, die Bearbeitung nimmt nicht sechs Stunden, sondern weniger als eine halbe Stunde in Anspruch.

Der Verband St. Galler Ortsgemeinden hat mit dem Amt für Bürgerrecht und Zivilstand eine vereinfachte Bearbeitung vereinbart. Man hätte sämtliche Gesuche nach der kurzen, formalen Prüfung auf Wohnstatus und Betreibungen in globo in einer Datei nach St. Gallen schicken können. Da hätte meines Erachtens auch durchaus Spielraum für eine Gebührenreduktion bestanden.

Oder hatte man Angst vor den Ortsgemeinden als solches, dass diese durch die kantonale Kampagne «Mein Wohnort – mein Bürgerort» in der Stadt plötzlich zu viel Einfluss bekommen hätten? Auch da hätte ich den Stadtrat beruhigen können. Die Ortsgemeinden erbringen mit ihren Mitteln Leistungen für die Allgemeinheit. Auch Altstätten profitiert von diesen Leistungen. Wir machen das ohne grosses Aufhebens und im Sinne der Sache, wir suchen nicht den grossen politischen Auftritt. Wir wollen lediglich als positive und fortschrittliche Ortsgemeinden wahrgenommen werden, die offen für neue Mitbürgerinnen und Mitbürger sind. Anscheinend ist das vom Stadtrat der Stadt Altstätten nicht verstanden worden.

Heini Senn

Präsident St. Galler Ortsgemeinden, Buchs