WOLFHALDEN: Volg als neues Herz

Seit Mittwoch blüht das Zentrum von Wolfhalden regelrecht auf. Am Eröffnungstag des neuen Volgs kommt das halbe Dorf vorbei. In kurzer Zeit wurde der Laden samt Postagentur und Bancomat realisiert.

Monika Egli
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Hat innert zwei Jahren auf die Beine gestellt, was zuvor jahrelang nicht klappen wollte: Gemeindepräsident Gino Pauletti im neuen Volg. (Bild: eg)

Hat innert zwei Jahren auf die Beine gestellt, was zuvor jahrelang nicht klappen wollte: Gemeindepräsident Gino Pauletti im neuen Volg. (Bild: eg)

WOLFHALDEN. Wer neuerdings nach Wolfhalden fährt, staunt über die Veränderung des Dorfzentrums. Wo einst das Feuerwehrdepot vor sich hin schlummerte, herrscht heute Betrieb und Leben. Am Mittwoch öffnete der Volg samt Postagentur zum ersten Mal seine Türen, und vor dem Haus steht ein neuer Raiffeisen-Bancomat.

Zuerst keine Lösung …

Auch wenn er es selber nicht sagt: Dass Wolfhalden nach vielen Jahren und zahlreichen Anläufen wieder eine Einkaufsmöglichkeit für den täglichen Bedarf hat, ist weitgehend dem Gemeindepräsidenten Gino Pauletti zu verdanken. Als er 2014 das Amt antrat, seien Vertreter der Post als praktisch erste Besucher bei ihm auf der Schwelle gestanden, mit der Botschaft, dass die Poststelle geschlossen werde. Gino Pauletti wurde sofort aktiv, ging auf die Suche und erhielt auch Unterstützung aus der Bevölkerung. Mehr als ein Betrieb oder Ladenlokal war bereit, eine Postagentur einzurichten. Aber es scheiterte stets an den Vorgaben, beispielsweise am behindertengerechten Zugang. Im März 2015 wurde die Poststelle geschlossen und Wolfhalden erhielt Zeit bis Ende 2016, eine geeignete Lokalität zu finden.

… dann kommt alles ins Rollen

Gino Pauletti, der von seinem Büro aus direkt auf das Feuerwehrdepot sieht, fasste dieses genauer ins Auge. Und wieder galt es, zahlreiche Abklärungen zu treffen und Gespräche zu führen. Wäre die Aufhebung dieses Depots gesetzlich überhaupt machbar? Die kantonale Assekuranz gab grünes Licht; das Feuerwehrdepot Heiden liegt nahe genug. Aber auch die Feuerwehrverantwortlichen und der Gemeinderat mussten überzeugt, Heiden musste gewonnen werden, und die Zweckverbandgemeinden mussten ihre Zustimmung geben. Hilfreich war, dass der Kanton Appenzell Ausserrhoden seit Anfang dieses Jahres unter anderem keine eigene Chemiewehr mehr betreibt; bei grösseren Schadenfällen rückt jene von St. Gallen aus. So konnte dieser Teil des Depots sowieso ausgeräumt werden.

Dann waren die Verhandlungen mit den Volg-Verantwortlichen und der Post zu führen. Angesichts der grosszügigen Räume und des idealen Standortes kam hier schnell ein Einverständnis zustande. In einem weiteren Schritt mussten der Gemeinderat und die Bevölkerung via Voranschlag Ja sagen zu 164 000 Franken, die für die Umnutzung aufgewendet werden mussten – auch dies gelang. Von Seiten Volg wurden 450 000 Franken in den Laden investiert.

Die Bank und der Beck

Noch eine Schliessung stand Wolfhalden bevor: Die Raiffeisenbank Heiden hatte schon länger angekündigt, dass sie die örtliche Filiale aufheben wolle, ein Schritt, den Gino Pauletti vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gut nachvollziehen konnte. Nun bot sich für ihn die Möglichkeit, um einen Bancomaten nachzusuchen. Bereits an ihrer GV vor einigen Wochen hat die Raiffeisenbank Heiden angekündigt, dass sie einen freistehenden Bancomaten beim Volg auf eigene Kosten – die Rede war von 100 000 Franken – aufstellen werde. Nicht vergessen werden darf die Bäckerei Hecht in nächster Nähe zum Volg, die Ende 2014 geschlossen werden musste, weil die Betreiberfamilie Zürcher keinen Nachfolger fand. Diese Bäckerei wurde vor einigen Wochen vom jungen und, wie man hört, tüchtigen Wolfhäldler Patrick Ineichen wieder in Betrieb genommen, der wie schon zuvor auch ein Café betreibt. Nicht nur liefert er seinem Nachbarn Volg nun Brot, er wird auch selbst vom Publikumsaufkommen profitieren können.

«Dafür bin ich gewählt»

Angesprochen auf diese eigentliche Erfolgsgeschichte, die Gino Pauletti innert zwei Jahren verwirklicht hat, winkt dieser bescheiden ab: «Ich habe nur gemacht, was man von der politischen Seite her zusammen mit der Bevölkerung machen kann. Dafür bin ich gewählt worden.»