Wolfhäldler Nachwuchshoffnung

Naim Fejzaj (Bild) ist eine grosse Nachwuchshoffnung der Appenzeller Schwinger, und damit des Schwingclubs Wolfhalden. Sein Beispiel zeigt, Schwingen ist kein unmögliches Umfeld für die Integration.

Bruno Eisenhut
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schwingen. Der Einstieg von Jugendlichen in den Schwingsport erfolgt meist aufgrund derselben Motivation: Viele sind aus familiärer Tradition dabei, andere kommen durch einen Jugendfreund zum urtümlichen Sport. Bei einem Schwinger mit Migrationshintergrund kommt nur das Letztere in Frage. So auch bei Naim Fejzaj. Ein Schulkollege überredete ihn, mit ins Training des Schwingklubs Wolfhalden zu kommen. Fejzaj folgte dieser Aufforderung anfänglich mit geringer Motivation.

Vor 25 Jahren immigriert

Er kannte den Sport und dessen Umfeld nicht. Woher auch? Sein Vater stammt aus dem Kosovo, seine Mutter ist Kroatin. Sie immigrierten vor 25 Jahren in die Schweiz. Da bereits Familienmitglieder der Mutter in Wolfhalden lebten, zogen die beiden auch ins Appenzeller Vorderland. Naim Fejzaj wurde 1995 in Heiden geboren.

Der sportbegeisterte Jugendliche fühlt sich in der Schweiz gut integriert. Dazu hat der Wolfhäldler genauso wie seine Eltern einiges beigetragen. Seine Eltern hätten, so Fejzaj, immer den Kontakt mit den Einheimischen gesucht. Und so macht es auch der 16-Jährige. Der Doppelbürger – er besitzt den Schweizer und den kroatischen Pass – fühlt sich als Schweizer. «Meine Wurzeln vergesse ich aber nicht», sagt Fejzaj. Der Schwingsport trägt seinen Teil zur Integration bei. Bei der Lehrstellensuche konnte Fejzaj ein erstes Mal von den Kontakten in der Schwingerfamilie profitieren.

Lehre beim Trainer

Nachdem zuvor zwei Bewerbungen auf eine Lehrstelle mit Absagen quittiert wurden, bot ihm sein Jungschwingertrainer einen Ausbildungsplatz bei seinem Arbeitgeber an. Der Trainer ist dort für die Ausbildung der Lernenden verantwortlich. «Ich freue mich sehr, dass es mit der Lehrstelle geklappt hat», sagt Fejzaj. Im Sommer beginnt er mit der Ausbildung zum Baumaschinenmechaniker.

Der Wolfhäldler mit kosovarischen und kroatischen Wurzeln musste sich seine Akzeptanz in den Schwingerkreisen erarbeiten. Am Anfang seiner Schwingerzeit habe er die üblichen unüberlegten Sprüche der Gleichaltrigen über sich ergehen lassen müssen, sagt er. Rückblickend ist Fejzaj stolz, diese Phase durchgestanden zu haben.

Mit zunehmendem Erfolg habe er sich auch unter den Schwingern Respekt verschafft. Zuerst bei den Akteuren, später beim Schwingervolk, dem eine konservative Haltung nicht vollends abgesprochen werden kann. Mittlerweile sei dieses Thema für ihn vom Tisch, sagt Fejzaj. Er fühle sich vollumfänglich wohl bei den Schwingern.

Der vielseitig an Sport interessierte 16-Jährige trainiert zwei- bis dreimal pro Wo- che im Schwingkeller. Zudem nimmt er an Trainings, geleitet vom Ex-Schwingerkönig Ernst Schläpfer, in Bülach teil.

Hoffnung der Appenzeller

Als Ausgleich spielt er Handball bei der Ballspielgemeinschaft (BSG) Vorderland. Naim Fejzaj gilt als grosse Nachwuchshoffnung. Bei seiner ersten Teilnahme an einem Schwingfest qualifizierte er sich für den Schlussgang. Als primäres Ziel peilt er seinen ersten Kranzgewinn an. Die nächste Möglichkeit winkt morgen Sonntag am Kantonalschwingfest in Heiden.

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