Wohin mit den Wider-Sgraffiti?

Letzte Woche stellte die Gemeinde Widnau das Siegerprojekt «Ersatzschulhaus Nefenfeld/Schlatt» vor. Dieses sieht vor, das alte Schlatt-Schulhaus abzubrechen. Kunstinteressierte Bürger fragen sich, was mit den Sgraffiti von Albert Wider passiert.

Susi Miara
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Das Schulhaus Schlatt wurde 1896 erbaut und bereits dreimal renoviert. Bei der Renovation im Jahr 1979 wurden auch die beiden Sgraffiti von Albert Wider fachgerecht restauriert. (Bild: Susi Miara)

Das Schulhaus Schlatt wurde 1896 erbaut und bereits dreimal renoviert. Bei der Renovation im Jahr 1979 wurden auch die beiden Sgraffiti von Albert Wider fachgerecht restauriert. (Bild: Susi Miara)

WIDNAU. Das Schulhaus Schlatt ist eine der wenigen identitätsstiftenden Bauten in Widnau. «Da das bald 120 Jahre alte Gebäude durch mehrere Renovationen seine Historizität eingebüsst hat, steht nach dem Bezug des neuen Schulhauses ein Abbruch zur Diskussion», sagt Gemeindepräsidentin Christa Köppel. «So weit sind wir aber noch nicht», so Köppel. Das Problem sei aber nicht der Erhalt der Sgraffiti, sondern ihre spätere Platzierung. «Wir werden auf jeden Fall diese Frage mit aller Ernsthaftigkeit gemeinsam mit dem Jurymitglied des Projektwettbewerbs, Michael Niedermann von der Kantonalen Denkmalpflege, prüfen», betont Köppel.

Im Neubau einplanen?

Albert Heule, Präsident des vor zwei Jahren gegründeten Vereins Albert Wider, schlägt vor, die Sgraffiti ins neue Projekt einzuplanen. Selbstverständlich stelle sich hier die Frage, ob die Umplatzierung kostenmässig verantwortbar ist. Der Verein Albert Wider würde es jedoch schade finden, ein solches Kunstwerk zu vernichten. Das Ziel des Vereins ist nämlich, das künstlerische Erbe von Albert Wider zu erhalten.

Kostspielige Rettungsaktion

Dass eine solche Rettungsaktion aufwendig und kostspielig ist, mussten Kunstinteressierte vor vier Jahren in Berneck und in Goldach feststellen. In Berneck konnte bei der ehemaligen Metzgerei Otto Spiess ein Sgraffito von Walter Jüstrich gerettet werden. In einer spektakulären Aktion wurde es ein Jahr später wieder an die Fassade des Neubaus, der den Platz der ehemaligen Metzgerei einnimmt, angebracht. Auch das Sgraffito am Gebäude der Landi Goldach des Altstätter Künstlers Ferdinand Gehr (Bürger von Uzwil) fand in der Vereinigung für Kulturgut Uzwil Kunstliebhaber, die die hohen Kosten für die Entfernung übernommen haben. Rund 32 000 Franken kostete die aufwendige Entfernung des Sgraffito. Dabei wurde der gesamte Aufputz zuerst mit Kieselsäure gefestigt, danach auf die Bildseite eine Latexschicht aufgetragen und darüber ein Lattenrost eingeschäumt. Anschliessend wurde das Bild mit der Diamantseiltechnik ausgefräst. In einem Atelier wurde dann auf der Rückseite eine feste Aluwabenplatte angebracht und das ganze Sgraffito zusätzlich stabilisiert. Der provisorische vordere Bildträger und die Latexschicht wurden schliesslich wieder vom Bild abgezogen, und das Sgraffito konnte auf die gewünschte Bildgrösse zugeschnitten werden. Vom Schulhaus Schlatt müssten zwei Sgraffiti auf diese, oder ähnliche Art entfernt werden, die zwölf Sternzeichen am Seiteneingang und das grosse «Christophorus»-Sgraffito auf der hinteren Wand. «Wir werden vorurteilsfrei die beste Option suchen», verspricht Christa Köppel.

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