Wo sich «Funkengeister» scheiden

OBERRHEINTAL. Bald haben die Christbäume ihren letzten grossen Auftritt, zumindest an den Funken in sechs Oberrheintaler Dörfern. Denn in anderen St. Galler Gemeinden ist das Verbrennen von Christbäumen verboten, aus Rücksicht auf die Umwelt.

Kurt Latzer
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Oberrheintaler Funken dürfen nach wie vor auch mit Christbäumen aufgebaut werden. Paletten kommen nur dann zum Einsatz, wenn das Holz weder behandelt noch verleimt ist. (Archivbild: Kurt Latzer)

Oberrheintaler Funken dürfen nach wie vor auch mit Christbäumen aufgebaut werden. Paletten kommen nur dann zum Einsatz, wenn das Holz weder behandelt noch verleimt ist. (Archivbild: Kurt Latzer)

OBERRHEINTAL. Um den Winter zu vertreiben, werden in der ganzen Schweiz grosse Scheiterhaufen angezündet: So will es der alte Brauch. Das CO2, das beim Verbrennen von Laub- oder Tannenholz entsteht, ist weniger problematisch, da es auch beim Kompostieren in die Luft entweicht. Weil aber viel Feinstaub freigesetzt wird, sind die Funken umstritten. Dies, obwohl die Zeiten längst vorbei sind, in denen so ziemlich alles in den Funken gesteckt wurde, was brennt. Aus Rücksicht auf die Umwelt darf nur sauberes, unbehandeltes und trockenes Gehölz entfacht werden. Weil Grünzeug wie Tannennadeln oder Blätter viel Rauch verursachen, sind vielerorts bei Funken Christbäume nicht mehr erlaubt.

Auch im Kanton St. Gallen haben Gemeinden das Verbrennen dieser Bäume verboten, wie etwa Rorschacherberg. Auch in Berneck gibt es keinen Funken mehr, dort allerdings nicht wegen des Feinstaubs, sondern weil kein geeigneter Platz zu finden war.

Kein gesetzliches Verbot

In Rüthi organisiert die Jugendgruppe am 10. März den Funkensonntag. An zwei Samstagen kann dafür Material angeliefert werden: auch Christbäume? «Wir haben im Gemeinderat einmal über das Verbrennen solcher Bäume diskutiert, sind aber dann zum Schluss gekommen, dass die Christbäume für den einmal im Jahr stattfindenden Brauch nicht problematisch sind», sagt der Rüthner Gemeindepräsident Thomas Ammann. Wegen des Rauchs habe es noch nie Probleme gegeben. Einmal habe Föhn eingesetzt und weisse Asche im Gebiet um den Funken verteilt. Es seien ein paar Meldungen wegen verschmutzter Autos eingegangen. «Diese Fahrzeuge haben wir im Werkhof gewaschen und damit war die Angelegenheit geregelt», lächelt Ammann.

Strenge Kontrolle

Wie in Rüthi wird auch in den anderen Oberrheintaler Orten die Anlieferung von Funkenmaterial streng kontrolliert. «Wir haben für die Bevölkerung ein Merkblatt herausgegeben. Darin steht, was angenommen wird», sagt Alexander Breu, Gemeinderatsschreiber von Marbach. Christbäume jedenfalls sind auch in Marbach erlaubt. «Probleme hatten wir einmal wegen Paletten, die verleimt waren», erinnert sich Breu, «darauf achten wir nun bei der Annahme.»

Auch beim «Facklahufa» in Montlingen, dem Mooser Funken bei Oberriet und dem Funken in Kriessern dürfen Christbäume verbrannt werden. «Ich glaube nicht, dass bei uns noch viele Christbäume gebracht werden. Die meisten Leute haben diese schon zur Sammelstelle Ökoville gebracht oder der Abfuhr mitgegeben», ist Hans Huber, Gemeindepräsident von Oberriet überzeugt. Auch er erachtet das Verbrennen der Weihnachtsbäume als nicht problematisch, «solange sie trocken sind».