Wirtschaft brummt nicht für alle

Die regionale Wirtschaft ist im Aufschwung. Die Arbeitslosenzahlen gehen zurück, Kurzarbeit ist vorbei. Die Zeichen für einen neuen Boom stehen gut. Aber nicht alle können profitieren. RAV, Wirtschaft und Gemeinden wollen das verbessern.

René Schneider
Drucken
Teilen
Reto Friedauer (Gemeindepräsident St. Margrethen), Roland Schleith (Leiter RAV Heerbrugg), René Wuffli (Präsident Arbeitgeber-Verband Rheintal, AGV) informierten gestern im Heerbrugger RAV. (Bild: René Schneider)

Reto Friedauer (Gemeindepräsident St. Margrethen), Roland Schleith (Leiter RAV Heerbrugg), René Wuffli (Präsident Arbeitgeber-Verband Rheintal, AGV) informierten gestern im Heerbrugger RAV. (Bild: René Schneider)

Heerbrugg. Wirtschaftlich weniger gut als im letzten Jahr geht es nur dem RAV, dem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum. Weil die regionale Wirtschaft sich in den letzten Monaten stark erholt hat und sich im Aufschwung befindet, gilt beim RAV ein Personalstopp. Zwei Vollstellen wurden bereits abgebaut. Mit aktuellen Zahlen legten gestern RAV-Leiter Roland Schleith und René Wuffli, der Präsident des Arbeitgeber-Verbandes Rheintal (AGV) dar, dass die Zeichen gut stehen für einen erneuten wirtschaftlichen Aufschwung – auch in der Region.

Aufschwung ist da

Die Arbeitslosen-Zahlen bilden sich zurück, Kurzarbeit ist Vergangenheit, der Stellenmarkt erwacht. René Wuffli erörterte eine AGV-Umfrage «kurzfristig, querbeet und nicht repräsentativ» in der Rheintaler Wirtschaft. Demnach sind über vier von fünf Unternehmen zufrieden mit dem aktuellen Geschäftsgang, sind 90 Prozent gut bis sehr gut ausgelastet und rechnen auch für das zweite Semester 2010 mit guter Auslastung und einem guten Geschäftsjahr.

Mehr als die Hälfte der Unternehmen wird im laufenden Jahr zusätzliche Mitarbeiter einstellen, etwa ein Fünftel der Unternehmen wartet damit noch zu. Sorgen bereite den AGV-Mitgliedern der hohe Franken-Kurs. Wuffli: «Wenn der Euro weiter fällt, könnte das den Aufschwung zumindest bremsen.»

400 Junge «auf der Strasse»

Details der Arbeitslosenstatistik zeigen, dass nicht alle vom Aufschwung profitieren.

Noch immer sind zum Beispiel gegen 400 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 24 Jahren «Stellensuchende». Auch diese Zahl ist am Sinken, aber sie bleibt hoch. Allgemein profitieren Junge und Ausländer weniger vom Aufschwung als Schweizer. Das hänge zusammen mit Defiziten etwa bei Integration, Qualifikation, Sprachkompetenz – aber nicht nur. «Manche Namen haben es schwerer; das schleckt keine Geiss weg», sagte Reto Friedauer. Der St.

Margrether Gemeindepräsident präsidiert und leitet das Integrationsprojekt «Mitenand statt nebetenend» der Rheintaler Gemeinden.

Politischer Zündstoff

Das im Bereich Jugendarbeitslosigkeit in allen Gemeinden, aber unterschiedlich akut Handlungsbedarf besteht, belegt ein weiteres Statistik-Blatt des RAV: Gemeinden mit hohem Ausländeranteil wie Au, Rheineck, St. Margrethen haben auch höhere Arbeitslosenzahlen und eine ausgeprägtere Jugendarbeitslosigkeit.

Das ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern könnte künftig auch zum politischen und sozialen Zündstoff werden, mahnten die drei Referenten. Darum wollen die Gemeinden, das RAV und der AGV verstärkt handeln, informieren, Praktikumsplätze anbieten, eventuell eine Sozialfirma gründen... «jenen helfen, die weiterkommen wollen und ihren Beitrag dazu leisten».

Aktuelle Nachrichten