«Wir wollen keinen Rolls-Royce»

Keine neuen Schulzimmer für die Oberstufe Rebstein-Marbach: dies wird eine kleine Gruppe interessierter Schulbürger an der Versammlung heute Abend fordern und deshalb einen Projektkredit ablehnen. Der vorhandene Platz genüge völlig, vor allem angesichts sinkender Schülerzahlen.

Claudio Donati
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Rebstein/Marbach. «Wir haben jetzt schon einen Mercedes», sagt Roman Gruber. Jetzt solle daraus ein Rolls-Royce gemacht werden. «Aber wir wollen keinen Rolls-Royce für 2,7 Millionen Franken.» Gruber spricht von der Oberstufe Rebstein-Marbach. Deren Schulrat plant einen Anbau mit 7,5 Zimmern ans Schulhaus Sonnental, weil angeblich zu wenig Platz vorhanden ist. Deshalb stimmen die Schulbürger an der heutigen Versammlung über einen Projektkredit von rund 70 000 Franken ab.

Diesen lehnen der Rebschter Bauamtschef Roman Gruber – er war zwölf Jahre Präsident der Primarschule Rebstein – und weitere interessierte Schulbürger ab, darunter auch der langjährige Primarschulrat Guido Keel. Sonst ist der Anbau so gut wie sicher, sind sie überzeugt.

Mehr Luxus für weniger Schüler

Anders als der Schulrat geht die Gruppe von sinkenden Schülerzahlen aus. Sie haben die längerfristigen offiziellen Prognosen der Schulen angefordert und ausgewertet.

Laut dieser besuchen momentan 235 Jugendliche die Oberstufe Rebstein-Marbach. In zwei Jahren ist zwar mit 252 zu rechnen, ab 2014 sinkt die Zahl aber auf einen Schlag in den Keller: 219. In zehn Jahren gehen die Planer sogar von nur noch 163 Schülerinnen und Schülern aus. Hinzu komme, dass die Klassen ohnehin eher unterdotiert und in den erwähnten prognostizierten Schülerzahlen abwandernde Kanti- oder Talentschüler nicht abgezogen sind.

Für die Gegner des Anbaus ist deshalb klar: hier handelt es sich um ein Luxus-Projekt, ausgerechnet für eine Schule, die jetzt schon im kantonalen Vergleich sehr hohe Kosten pro Schüler hat (gut 18 000 Franken).

«Plötzlich das Gegenteil»

Im neuen Schuljahr führt die Oberstufe 13 Klassen, eine weniger als im aktuellen.

«Plötzlich soll der Platz sogar mit einer Klasse weniger nicht mehr reichen?» fragt sich der selbständige Informatiker Guido Keel, der heute Abend den Ablehnungsantrag verlesen wird. Er hat die Schulratsberichte der letzten Jahre hervorgekramt, sie verglichen und festgestellt, dass darin stets das Gegenteil behauptet wurde: «Der für die Grösse unserer Schulanlage vertretbare Stand von 13 bis 14 Klassen …» Letztes Jahr war plötzlich von «maximal 13 Klassen» die Rede, und nun brauche man angeblich sogar 7,5 neue Schulraumeinheiten.

Roman Gruber sagt dazu: «Entweder sind die Schulbürger in den letzten Jahren an der Nase herum geführt worden, oder sie werden es jetzt.»

Mit voraussichtlich 13 Klassen nächstes Schuljahr, erklären die Skeptiker, wären nicht mal mehr die zwei als Klassenzimmer zusätzlich gemieteten Räume in der Primarschule Schachen nötig. Die Primarschule, die künftig ebenfalls mit weniger Schülern rechnen muss, stellt die Räume aber weiterhin zur Verfügung.

Somit verfügt die Oberstufe über fünf Hauptzimmer mehr als Klassen, sagt Roman Gruber, der damals als Schulpräsident an dieser Lösung mitgewirkt hatte. «Das war keine Notlösung, wie der Oberstufenschulrat nun schreibt.» Neben den Klassenzimmern gebe es zudem genügend Gruppenräume und solche für Hauswirtschaft, Gestalten, Werken usw.

Reform steht in den Sternen

Sollte 2012 tatsächlich eine Schulreform mehr Platz verlangen, wovon der Schulrat ausgeht, lasse sich die Situation dann immer noch neu beurteilen, sagt Gruber. Solange eine solche Reform aber noch verschwommen in den Sternen stehe, reiche die jetzige Mercedes-Schule völlig.

Die Bürgerversammlungen (Schulen und Gemeinde) finden heute um 20 Uhr im «Progy» statt.

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