«Wir versuchen, zu überleben»: Rheintaler Tierpensionen leiden unter der Coronakrise

Wenn Hunde- und Katzenhalter keine Ferien machen, bleiben auch die Tierpensionen leer. Eine Momentaufnahme.

Benjamin Schmid
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In Zeiten von Homeoffice und Kurzarbeit kaum gebraucht: Tierbetreuer, die sich um fremde Tiere kümmern.

In Zeiten von Homeoffice und Kurzarbeit kaum gebraucht: Tierbetreuer, die sich um fremde Tiere kümmern.

Bild: Depositphotos_mixmotive

So hatte sich Isabell Patscheider den Frühling nicht vorgestellt. Statt sich um 19 Tiere zu kümmern, sie zu pflegen und zu betreuen, wollen aktuell nur ihre eigenen vier Katzen geschmust werden. Die 25-Jährige aus Lutzenberg ist seit 2016 FBA Tierbetreuerin.

Kaum eine schnelle Entspannung zu erwarten

Auch wenn die schrittweise Lockerung der Pandemiemassnahmen fortschreitet, sieht Isabell Patscheider noch keine Entspannung ihrer Situation. Fast alle Aufträge für das Frühjahr und den Sommer wurden abgesagt. So lange es für Ferien, Hochzeiten oder Geschäftsreisen keine Planungssicherheit gibt, ändere sich das auch nicht so schnell. Im Gegensatz zu vielen anderen Selbstständigerwerbenden konnte sie keine Kurzarbeit beantragen. «Zum Glück wurde vor einigen Tagen mein Antrag auf staatliche Unterstützung genehmigt», sagt die Tierbetreuerin. Dennoch fehlen ihr zahlreiche Aufträge. Und eine Erholung sei noch nicht in Sicht.

Ähnlich tönt es bei Jasmin Gantenbein aus Staad. Die 35- Jährige arbeitet Teilzeit als Tierbetreuerin. «Ich habe einige Kunden verloren», sagt Jasmin Gantenbein, «momentan steigen die Anfragen endlich wieder und ich besetze die freien Plätze neu.» Einige Kunden seien wegen der unsicheren Situation ganz weggefallen; Kurzarbeit konnte Jasmin Gantenbein nicht beantragen. Es sei eine schwierige Zeit gewesen. Seit Monaten lebe sie mit dem Minimum. Nun hofft sie, dass sie mit der Grenzöffnung neue Kunden empfangen kann. «Sobald die Firmen und Betriebe wieder normal öffnen dürfen und die Kurzarbeit einstellen, rechne ich mit vielen neuen Anfragen», sagt die Staaderin.

Statt sich um 50 Hunde zu kümmern, betreut Michèle Lüber aktuell nur 14 Hunde, wovon zwölf Plätze von heimatlosen Hunden besetzt sind. Ihre Anfrage nach Kurzarbeit wurde abgelehnt, weil die Tiere und der Umschwung gleich gemacht werden müssen wie vorher. «Nur die Kunden fehlen und somit auch das Einkommen», sagt die Wolfhaldnerin, «wir versuchen, zu überleben, damit die heimatlosen Tiere weiter versorgt werden können.» Die Lage sei ernst und angespannt, dennoch bleibt die 47-Jährige optimistisch. «Mit den Lockerungen und der Grenzöffnung steigt die Nachfrage nach Betreuungsplätzen bestimmt wieder an.»

Tiere angeschafft, um Familie zu beschäftigen

Derweil Tierbetreuer nur wenige Anfragen erhalten, ist die Situation bei der Katzenstation Montlingen nicht anders. «Platz hätten wir für 20 Katzen», sagt Antonella Kretz, «belegt sind zurzeit nur fünf Plätze.» In den letzten Wochen sind weniger Telefone betreffend trächtiger Mutterkatzen oder Findelkatzen eingegangen. «Wir vermuten, dass die Meldungen im Sommer massiv ansteigen», sagt die Leiterin der Katzenstation. Im Alltag habe sich nicht viel geändert. Bei Besichtigungen sei der Kontakt auf eine Person reduziert worden, sonst hätten sie schon immer mit Desinfektionsmittel gearbeitet. Weil alle ehrenamtlich mitarbeiten, mussten sie keine Kurzarbeit anmelden und keine Bundesgelder beantragen. Da die Tiere mit der gesetzlichen Wartefrist schnell vermittelt werden können, sehen die Betreiber der Katzenstation Montlingen keine langfristigen Veränderungen auf sich zukommen.

Ein Tier als Lockdown-Zeitvertreib

Was ihnen viel mehr Kummer bereitet ist, dass sich viele Personen Tiere angeschafft haben, um sich und die Familie während des Lockdown zu beschäftigen. Wenn die Normalität zurückkehrt, werde man bemerken, dass die Zeit oder das Geld für das Tier fehlt. «Dann werden Tiere ausgesetzt, in Tierheime abgeschoben oder direkt in neue Familien abgegeben, ohne sich darum zu kümmern, ob es ein geeigneter Platz ist», sagt Antonella Kretz.