«Wir fühlen uns gut vorbereitet»: Altstätter Schulpräsident spricht über die Corona-Krise

Kein Präsenzunterricht mehr: Der Altstätter Schulpräsident Remo Maurer spricht über die Vorbereitungen und Unwägbarkeiten.

Interview: Andrea C. Plüss
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Remo Maurer ist als Altstätter Schulpräsident für knapp 1100 Schüler und 120 bis 130 Lehrer zuständig.

Remo Maurer ist als Altstätter Schulpräsident für knapp 1100 Schüler und 120 bis 130 Lehrer zuständig.

Bild: Max Tinner

Vom Kindergarten bis zur Oberstufe sind knapp 1100 Schülerinnen und Schüler in Altstätten von der Schulschliessung betroffen, die die Regierung ab Montag, 16. März, angeordnet hat. Der Schulunterricht fällt jedoch nicht aus, sondern wird, je nach Jahrgangsstufe, in anderer Form fortgesetzt.

Ein kleiner Zettel entfaltete am Freitag grosse Wirkung. Die Schulen in Altstätten kündigten den Eltern im kurzen Text die drohende Schulschliessung an. Die Meldung verbreitete sich über Insta- gram und Facebook und war eine der meistgelesenen Nachrichten auf rheintaler.ch. Wann haben Sie mit den Vorbereitungen in diese Richtung begonnen?

Remo Maurer: Wir halten jeden Freitag eine Schulleitungskonferenz ab. Nachdem wir am vergangenen Freitagmorgen eine Information des Erziehungsdepartements erhalten hatten, dass Schulschliessungen anstehen könnten, haben wir uns entschieden, an allen Schulhäusern den Infozettel an die Eltern zu verteilen.

Kam der Hinweis des Erziehungsdepartements für Sie überraschend?

Nicht wirklich, allerdings war am Freitagvormittag nicht sicher abzusehen, was noch passieren würde. Wir haben uns in der vergangenen Woche bereits mit dem Thema auseinandergesetzt und wollten Möglichkeiten des Fernunterrichts testen.

Wie sollte dieser Test aus­sehen?

Mit einer Oberstufenklasse hätte kommenden Donnerstag ein Fernexperiment für Online- Unterricht starten sollen. Die IT-Vorbereitungen dazu waren bereits angelaufen. Dann haben sich die Ereignisse überschlagen.

In welcher Form und ab wann werden die Altstätter Schülerinnen und Schüler zukünftig unterrichtet?

Bis zur 4. Klasse werden Lernmaterialien ausgegeben, die die Kinder zu Hause bearbeiten können. Ab der 5. Klasse ist ein Online-Unterricht vorgesehen. Für Kindergartenkinder besteht noch kein solches Angebot. Heute Montag trifft sich die gesamte Lehrerschaft, Aufgaben werden verteilt und die Lehrkräfte bereiten sich vor. Ab Mittwoch, 18. März, startet der Fernunterricht wie beschrieben.

Wie muss man sich den Fernunterricht vorstellen?

Wir arbeiten intern bereits seit längerem mit Office 365. Die Dienste und Anwendungen sind auf verschiedenen digitalen Medien nutzbar, also am PC, Tablett oder auf dem Smartphone. Die Lehrer können wählen, ob sie mit der Funktion «Teams» oder lieber mit «OneNote» arbeiten möchten. Die Lehrer können Dateien für ihre Klasse, für ihr «Team» elektronisch ablegen, die von den Schülern bearbeitet werden.

Sind auch Video-Klassenkonferenzen vorgesehen?

Die Teams-Anwendung hat auch eine Chatfunktion, die mit der ganzen Klasse oder auch im Verhältnis 1:1 funktioniert. Ein Schüler stellt im Chat eine Frage, der Lehrer antwortet. Bemerkt er, dass eine Frage die ganze Klasse betrifft, kann er den Chat öffnen. Das funktioniert auch über Video. An einen konsequenten mehrstündigen Live-Unterricht über Video denke ich aber eher weniger.

Wie steht es um die IT- Kenntnisse der Lehrpersonen für den Online-Unterricht. Sind Schulungen nötig?

Die Altstätter Schulen waren generell früh dran beim Umgang mit Medien und ICT (Informations- und Kommunikations-Technologien, Anmerk. d. Red.). Bereits seit mehr als sechs Jahren haben wir ein Medienpädagogikkonzept. Es sind aber nicht alle Lehrer gleichermassen IT-affin.

Wissen Sie, ob alle Schüler über die technische Möglichkeit verfügen, dem Online- Unterricht zu folgen?

Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe haben überwiegend ein eigenes geeignetes Gerät, sei es Smartphone oder Tablet/Laptop. Im Elternhaus steht meist auch ein Computer zur Verfügung. Ich erinnere mich an einen Fall, bei dem zu Hause kein Internetanschluss vorhanden war.

Welche Stolpersteine könnten sich in nächster Zeit auftun?

Für uns alle ist diese Situation neu. Der Drang, sich im Netz zu informieren ist sehr gross. Ob die Internetkapazitäten dem Ansturm standhalten, weiss ich nicht. Sicher ist das ein Bereich, der auch einen Fernunterricht beeinflussen könnte. Ein anderer Fall ist der, dass mehrere schulpflichtige Kinder aus einer Familie einen Online-Zugang benötigen. Wie sich das gestaltet, kann ich aktuell nicht einschätzen. Wir werden am Montag den Einsatzplan zusammen mit unseren rund 120 Lehrerinnen und Lehrern erarbeiten. Ich hoffe, alle werden gesund erscheinen können.

Die Schulen sind verpflichtet, ab Montag die Kinderbetreuung sicherzustellen, vorerst bis zu den Ferien, die am 4. April beginnen. Wissen Sie, was da in Altstätten auf die Schulen zukommt?

Eltern, die auf eine Betreuung angewiesen sind, konnten sich am Wochenende über die Klassenlehrpersonen anmelden. Am Montagmorgen wissen wir, wie viele Kinder es sein werden und können entsprechend planen. Ich glaube jedoch, dass auch am Montagmorgen die Telefonzentrale heisslaufen wird. Es gibt viele Einzelfragen, die man sich gar nicht vorher überlegen kann.