«Wir fühlen uns verschaukelt»

ALTSTÄTTEN. Die AFG-Manager informierten gestern: Bei EgoKiefer in Altstätten werden in den nächsten Jahren weitere gegen 160 Mitarbeitende entlassen. Wir sprachen mit Betroffenen. Sie reagierten einsilbig. Und sind enttäuscht.

René Schneider
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Schatten erreicht EgoKiefer. (Bild: René Schneider)

Schatten erreicht EgoKiefer. (Bild: René Schneider)

Keine Fotos, keine Namensnennung, keine Ton-Aufzeichnung. Trotzdem möchte sich fast niemand aus der Ego-Belegschaft öffentlich äussern. Die Loyalität der Angestellten ist beispielhaft: Obwohl ihnen am Vormittag die Hiobsbotschaft (s. Kasten) mitgeteilt wurde, ist es am Mittag schwierig, auf dem Parkplatz ein paar Gesprächspartnerinnen oder -partner zu finden. Das halbe Dutzend, das sich äussert, tut es zurückhaltend, knapp, ungern, oft mit scheuen Blicken über den Platz und Richtung Bürofenster. Sieht uns jemand?

«Ich komme mir verschaukelt vor, und so erleben es wohl alle hier», sagt ein älterer Produktionsmitarbeiter. «Nicht die Ego-, aber die AFG-Manager haben uns nur häppchenweise informiert, um uns bei der Stange zu halten.» Ihm tue es leid für alle anderen. Er selber sei kaum betroffen vom neuesten Entscheid, weil er bald pensioniert werde. «Ich bin mir gewiss, dass Ego hier bis in ein paar Jahren gar nichts mehr produziert.»

Eine etwa Fünfzigjährige steigt ins Auto – und entschuldigt sich mit Tränen in den Augen: «Es ist so schlimm. Ich bin noch zu aufgewühlt. Ich kann nichts sagen. Ich muss das erst mal selber verdauen.»

Wenig optimistischer wirkt ein 50-Jähriger: «Happig» sei die Information am Vormittag gewesen, aber er fahre jetzt trotzdem erst mal in die Ferien und freue sich darauf. Er wisse, dass er nach den Ferien noch einen Job habe, und die Zukunft über die nächsten zwei Jahre sei für alle Ego-Angestellten ungewiss. Die Mitarbeiter-Information habe ihm keine Angst gemacht. Er bleibe zuversichtlich.

Eine rund 40-Jährige findet es richtig und löblich, dass auch Stimmen aus der Belegschaft zu Wort kommen sollen – will sich aber selber nicht äussern.

Eine etwa 30-Jährige verweist darauf, dass sie erst ein paar Monate bei Ego arbeite und nichts wisse zum Unternehmen. «Mir gefällt der neue Job, aber vielleicht habe ich auf das falsche Unternehmen gesetzt.»

Ein 55-Jähriger: «Hier fühlt sich niemand wohl heute, alle sind verunsichert. Jeden kann es treffen in den nächsten Monaten und Jahren.» Auch er nimmt das Ego-Management in Schutz: «Die können nichts dafür.» Die Fehler seien bei AFG gemacht worden, «und das schon über längere Zeit». Persönlich sei er in der komfortablen Lage, neulich ein Stellenangebot bekommen zu haben. «Ich wollte aber erst die heutige Information abwarten.» Trotz allem sei er noch immer unschlüssig. «Man hat doch viel Herzblut hier.»