«Willkommen! Bitte nicht hupen»

Das Stichwort «Tuuut» in dieser Zeitung hat hohe Wellen ge- schlagen. LKW-Fahrer und -Freunde regen sich mächtig auf. Sie unterschätzen allerdings die Sympathie für die Kritik am Hupkonzert. Von Gert Bruderer

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Der Lastwagen-Treff auf der Altstätter Allmend fand zum zweiten Mal statt. (Bild: Mäx Hasler)

Der Lastwagen-Treff auf der Altstätter Allmend fand zum zweiten Mal statt. (Bild: Mäx Hasler)

Als im letzten Jahr zum ersten Mal der Lastwagen-Treff in Altstätten stattfand, klappte alles reibungslos. Es gab keinen Grund zu Beanstandungen. Also wurde das Sicherheitsaufgebot dieses Jahr geschmälert.

Am zweiten Treff, der vom 12. bis 14. Juni wieder in Altstätten stattfand, gab es sowohl am Freitag als auch am Samstag bis in die Nacht hinein Dauerhupkonzerte. Am Samstag kam nach 22 Uhr die Polizei auf die Allmend.

Die Hupkonzerte haben viele Einheimische sehr gestört. «Rheintaler» und «Rheintalische Volkszeitung» haben das Gehupe im «Stichwort» vom 20. Juni kritisiert und ironisch gefolgert, das Fest müsse angesichts der besonderen Art des nächtlichen Zeitvertreibs todlangweilig gewesen sein.

Erwartungsgemäss hat nicht nur fröhliche Zustimmung per E-Mail die Redaktion erreicht. Vor allem auf Facebook haben Lastwagen-Freunde und -Fahrer ihrem Ärger Luft gemacht. Ein paar von ihnen sind selbst vor ehrverletzenden Äusserungen nicht zurückgeschreckt. Sie sind sich vielleicht nicht bewusst, dass eine Anzeige ziemlich sicher ihre Verurteilung zur Folge hätte.

Niemand zweifelt ernsthaft daran, dass die Lastwagenfahrer in Altstätten schöne Tage verbracht haben. Sicher hatten sie viel Spass. Es steht auch ausser Frage, dass Lastwagen eine wichtige Aufgabe erfüllen, indem sie zum Beispiel die Güter des täglichen Bedarfs in die Nähe der Haushaltungen bringen. Nun hat aber die Sympathie, die sich der Transportbranche generell entgegenbringen lässt, nichts zu tun mit der getrübten Freude Unbeteiligter im Sommer, wenn sich Lastwagenfahrer (sprich: Sympathieträger) nachts an ihrem Fest das Hupen nicht verkneifen können. Die Treff-Veranstalter sagen, sie hätten sich jeweils ab 20 Uhr bemüht, die Huperei zu unterbinden. Dieser gute Wille ist natürlich lobenswert, nur hat sich leider das gewünschte Resultat nicht eingestellt.

Wenigstens ein paar der LKW-Fahrer und LKW-Freunde, die das «Stichwort» vom Samstag zum Antworten bewogen hat, kontern mit Humor. Per E-Mail wendet sich jemand so an den Stichwort-Autor: «Das ganze Wochenende war sehr lustig, interessant und unterhaltsam! Schade dass du nicht dabei warst, du hättest dein Unkraut zu Hause auch am Montag ausreissen können. Und Achtung, die Rhema kommt auch wieder, da spielt der Lärm keine Rolle.» Auch andere LKW-Fahrer und Treff-Besucher verweisen auf die Rhema und den Lärm, den andere verursachen und der doch auch geduldet werde. Auf Facebook schreibt jemand: «Hauptsach, a de Rhema gits gnueg Lärm.» Originell ist dieser Eintrag: «Eventuell chunnt d'Stadt neui Tafle über: <Willkommen in Altstätten. Bitte nicht hupen.>»

Die Veranstalter scheinen sich bewusst zu sein, dass für ein andermal wieder mehr Vorkehrungen zu treffen sind. Hingegen ist der Grundtenor auf Facebook klar. Sinngemäss lautet er so: Wer sich an nächtlichem Hupen an einem besonderen Anlass stört, ist ein Bünzli (alternativ: Lalli, Vollidiot usw.).

Selbstverständlich steht es jedem frei, nächtliche Dauerhupkonzerte mit einem Musikanlass zu vergleichen, das Gehupe cool zu finden und in ihm einen tieferen Sinn zu erkennen. Die breite Öffentlichkeit von der Notwendigkeit nächtlichen Hupens zu überzeugen, dürfte indes eine Herkulesaufgabe sein.

Gut, haben die Organisatoren nicht solche Überzeugungsversuche im Sinn. Wenn der Anlass in Altstätten nächstes Mal wieder so verläuft wie bei der Premiere, ist der Treff auf der Allmend sicher auch wieder willkommen.

gert.bruderer@rheintalmedien.ch