Wieder internationale Auftritte

Stephan Vitzthum reist nächste Woche als Delegierter des Europäischen Handballverbandes nach Amsterdam und begleitet sein 1. Europacupspiel. 2007 beendete der Rheinecker die internationale Schiedsrichter-Karriere nach zwölf Jahren.

Reto Wälter
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Stephan Vitzthum hier noch im Schiedsrichter-Dress, den er nun abgab und gegen eine offizielle Uniform des Europäischen Handballverbandes eintauschte. (Bild: pd)

Stephan Vitzthum hier noch im Schiedsrichter-Dress, den er nun abgab und gegen eine offizielle Uniform des Europäischen Handballverbandes eintauschte. (Bild: pd)

handball. «Manchmal ist es kaum auszuhalten, wenn man passiv draussen sitzen muss und sieht, wie das Spiel zunehmend heikler wird», sagt Stephan Vitzthum. Als Schiedsrichter hatte er eine grosse Erfahrung, pfiff internationale Spiele in Hexenkesseln wie im kosovarischen Pristina, leitete Europacup-Finale und war an zwei Welt- und Europameisterschaften im Einsatz. Deshalb wüsste er in schwierigen Situationen ganz genau, wie zu handeln wäre.

Als Delegierter dürfte er zwar eingreifen, was aber nur in absoluten Ausnahmesituationen der Fall sein sollte. «Mein Ziel ist, in meiner Karriere als Delegierter nie einzugreifen», sagt der Rheinecker. Da man damit die Autorität des Schiedsrichter-Paares untergrabe.

Prellbock-Funktion

Seine Aufgabe ist, die Schiedsrichter zu beurteilen, aufzupassen, dass der Event von Anfang bis Ende korrekt abläuft, dem Verband Rapport zu erstatten. Dazu gehört es, die Zeitnehmer zu überwachen, die meist vom einheimischen Team gestellt werden.

Nach Beendigung seiner Schiedsrichter-Karriere in 2007 musste er zuerst ein Jahr pausieren, bis er als Delegierter auf nationaler Ebene wieder einsteigen konnte. Das Regelwerk verlangt dies, damit ein Akteur etwas Abstand gewinnen kann und sich mit seiner neuen, passiveren Funktion identifizieren kann. Der dritte Offizielle muss oft als «Prellbock» erhalten, wenn beispielsweise Trainer nicht mit der Schiedsrichterleistung zufrieden sind. Mit solchen Situationen um zu gehen, hat der 51-Jährige nun auf nationaler Ebene gelernt.

Hohe Qualitäts-Limiten

Aufgrund eines Todesfalles wurde er nun vom nationalen Verband als einer von fünf Schweizer Delegierten dem Europäischen Handballverband (EHF) vorgeschlagen. Nach einem dreitägigen Kurs in Ungarn, musste Vitzthum einen Test ablegen. Was für ihn, wie er sagt, sehr schwierig war, weil er in Englisch nicht sattelfest ist, obwohl er sich mit Englisch-Kursen vorbereitete. Er bestand aber mit Bravour, war der Einzige der in Regeltechnik keinen einzigen Fehler machte.

Von den 24 Probanden fielen acht, also ein ganzes Drittel durch.

Erster internationaler Auftritt

Nun freut sich der Sektionsleiter der Stadtpolizei St. Gallen auf seinen ersten internationalen Auftritt als Delegierter: «Ich reise gerne und freue mich sehr, alte Kollegen wieder zu treffen.» Denn über die Jahre habe er an den verschiedenen Orten freundschaftliche Beziehungen aufgebaut.

Auf internationalem Niveau ist der Delegierte aber nicht nur am Event selber gefordert, sondern auch vorher. Deshalb wird Vitzthum bereits einen Tag vor dem Europacup-Spiel der holländischen Mannschaft KRAS HV Volendam gegen das israelische Maccabi Rishon Le Zion in Amsterdam ankommen. Er muss nachprüfen, ob die Gäste korrekt untergebracht sind, was im Falle der Israelis auch beinhaltet, dass sie mit Essen verpflegt werden, dass nicht ihrem Glauben wider- spricht.

Dann muss er überprüfen, ob die Halle dem Regelwerk entspricht, was Grösse und Sicherheit anbelangt, hat ein Treffen mit den Veranstaltern und vieles mehr.

Zwei, drei Einsätze pro Jahr

«Mir war als Schiedsrichter gar nie bewusst, dass ein Delegierter ein dermassen umfangreiches Programm zu absolvieren hat», sagt der Rheinecker. Er freut sich aber auf seine neue Aufgabe, die ihn zwei-, dreimal jährlich an irgendeinen Ort in Europa bringen wird.

Vitzthum setzt sich zum Ziel, dass er irgendwann auch in der Champions-League oder sogar an einer EM-Endrunde und später vielleicht sogar an einer WM mittun darf. Zeit bleibt dem 51-Jährigen genug: Handball-Schiedsrichter dürfen bis 50 auf internationalem Niveau pfeifen, Delegierten ist es bis 68 erlaubt, ihre Funktion auszuüben.