Wie vor 50 Jahren ein heftiges Unwetter über Altstätten fegte und für unzählige Wasserschäden und Überschwemmungen sorgte

Am Donnerstag, 9. Juli 1970, kam es in der Region Altstätten zu einem Wolkenbruch, wie er nur alle fünzig Jahre vorkommt. Am stärksten wütete das Unwetter vom Alten Zoll bis Hinterforst.

Benjamin Schmid
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Wie beim Unwetter im Sommer 2017 muss es 1970 innerhalb kürzester Zeit zu enormen Wassermassen gekommen sein.

Wie beim Unwetter im Sommer 2017 muss es 1970 innerhalb kürzester Zeit zu enormen Wassermassen gekommen sein.

Bild: Archiv/Max Tinner

Um die Mittagszeit, als das Unwetter am heftigsten stürmte, fielen 55 bis 60 mm Regen, was einem Dreissigstel der Jahresmenge entsprach. Nach Aussage eines Fachmanns der meteorologischen Zentralanstalt komme ein solcher Starkregen nur alle 50 Jahre vor.

Im Nu verwandelten sich harmlose Rinnsale in Wildbäche. Die Schächte vermochten die Sintflut nicht mehr fassen. Kies lagerte sich auf den Asphaltstrassen ab und Keller wurden überschwemmt, selbst an Orten, wo man sich nicht erinnern kann, dass je Wasser eingedrungen wäre.

Schulzimmer wurde zu einem Planschbecken

Infolge Rückstaus der Kanalisation wurde das gegen die Bildstrasse im Untergeschoss des Schulhauses Bild gelegene Zimmer zu einem Planschbecken. Das Wasser stand einige Zentimeter hoch. Ebenfalls wurden die Keller des Sparvereins Biene und die Kantine der Ego-Werke überflutet. Nicht zu reden von Privathäusern, deren Bewohner stundenlang mit Wasserschöpfen und Auftrocknen beschäftigt waren.

Als besonders tückisch erwies sich das Regenhäldelibächlein. Wegen verstopfter Durchlässe ergossen sich die Fluten über die Spitalstrasse in die Gärten. Am stärksten wütete das Unwetter vom Alten Zoll bis Hinterforst. Die alte Stossstrasse wurde aufgerissen und das Geröll in die Wiesen geschwemmt. Auch die Gaiserbahn wurde in Mitleidenschaft gezogen. Der Verkehr musste während vier Stunden stillgelegt werden, da beim Alten Zoll das Gleis verschüttet war.

Keine Angaben in den Annalen von Meteo Schweiz

Das Unwetter beschränkte sich auf die Gegend Altstätten – Eichberg mit Ausläufern nach Marbach und Rebstein. Vom Mittelrheintal her war im Westen eine brandschwarze Wolkenwand zu beobachten. Hagelkörner prasselten nieder, schlugen Blätter von den Bäumen und bedeckten den Erdboden wie eine Schneeschicht.

Trotz dieser Schilderungen sind bei Meteo Schweiz keine Angaben in den Annalen zu finden. Gemäss Stephan Bader, Klimatologe bei Meteo Schweiz, registrierte die Niederschlagsmessstation Altstätten 57,2 mm als Tagessumme. «Der Wetterchronik entnehmen wir, dass es sich um Gewitterniederschläge handelte», sagt Stephan Bader, «Tagessummen von dieser Grössenordnung sind in Altstätten nichts Ungewöhnliches.»