Wie das Städtli noch schöner wäre

ALTSTÄTTEN. Die Stadt Altstätten hat Geschäftsinhaber und Liegenschafteneigentümer gefragt, wie man das Städtli attraktiver machen könnte. Die Beteiligung an der Umfrage war zwar dürftig. Das Ergebnis ist aber trotzdem interessant. So wünscht man sich etwa mehr Strassencafés und grünere Gassen.

Max Tinner
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Der Gemüsemarkt im Städtli, wie er sich einem heute präsentiert (links) und wie ihn die Berater des Netzwerks Altstadt gestalten würden, hätten sie freie Hand (rechts). (Bild/Montage: Netzwerk Altstadt)

Der Gemüsemarkt im Städtli, wie er sich einem heute präsentiert (links) und wie ihn die Berater des Netzwerks Altstadt gestalten würden, hätten sie freie Hand (rechts). (Bild/Montage: Netzwerk Altstadt)

Leer stehende Ladenlokale, rückläufige Kundenzahlen in den bestehenden Läden, nachts auf der Gasse lärmende Gäste von Barbetrieben und Anwohner, die sich über sie nerven, weil sie nicht zum Schlafen kommen oder, noch ärger, anderntags die Hauseingänge von Scherben und noch weit Ekelerregenderem befreien müssen… Die Probleme in der Altstätter Altstadt sind nicht neu, aber nach wie vor ungelöst.

Der Stadtrat hat darum einen Prozess zur Altstadtentwicklung angestossen. Nach einer ersten öffentlichen Veranstaltung im Mai waren Liegenschafteneigentümer, Geschäftsinhaber und Gastronomen im September eingeladen, in Workshops Vorschläge einzubringen. Vorgängig hat die Stadt diese Zielgruppen auch zur Teilnahme an einer Umfrage eingeladen. Die Ergebnisse liegen nun vor – und sind ernüchternd. Der Rücklauf der Fragebogen ist nämlich ziemlich dürftig ausgefallen.

Magere Beteiligung

Von 126 Liegenschafteneigentümern haben 37 oder 29 % den Fragebogen ausgefüllt. Bei den Geschäftsinhabern beträgt die Beteiligung 36 %; von 58 verschickten Fragebogen sind 21 ausgefüllt worden. Von den 25 eingeladenen Gastronomen im Städtli haben die Umfrage sogar nur zwei, also lediglich acht Prozent, ausgefüllt. Die Umfrageergebnisse seien darum weder repräsentativ, noch dürfe man daraus irgendwelche Positionen ableiten, stellen die Projektbegleiter in der im Internet öffentlich zugänglichen Dokumentation fest. Nichtsdestotrotz finden sich in der Auswertung einige interessante Ergebnisse und nennenswerte Anmerkungen von Umfrageteilnehmern.

So wird das Städtli von den Geschäften fast durchwegs als guter Standort angesehen. Andernorts wären sie kaum erfolgreicher, hat der Grossteil der Antwortenden rückgemeldet.

Nicht nur Alkoholvernichtung

Wünschenswert sind für die Gewerbetreibenden weitere Geschäfte, die die Produktepalette im Städtli verbreitern, mehr Parkplätze im Städtli selbst sowie zusätzliche Restaurants. Diese sollten möglichst keine «Alkoholvernichtungsanlagen» sein, sondern im Stil des «Frauenhofs» eine gehobenere Gastronomie bieten. Die Geschäftsinhaber wünschen sich fürs Städtli auch mehr Strassencafés: Man soll das Ambiente der schönen Altstadt im Freien sitzend geniessen können. Ein ungutes Gefühl haben manche, wenn sie sehen, dass frequenzstarke und damit kundenbringende Geschäfte wie der Coop aus der Innenstadt weggehen und sich an den Ausfallstrassen niederlassen. Bemerkenswert: Manche Geschäftsinhaber sehen eine Chance im Zusammenschluss mehrerer Läden in grösseren Räumen. Die Mehrheit spricht sich ausserdem gegen eine autofreie Marktgasse aus – es gibt aber auch eine Minderheit, die eine solche befürwortet.

Grün wär's schöner

Wie die Geschäftsinhaber beurteilen auch die Liegenschafteneigentümer das Städtli als attraktiv. Eine Begrünung des Städtchens würde begrüsst. Die zentrale Lage, dank der man vieles zu Fuss erledigen kann, wird geschätzt, gleichzeitig aber die sich aus dem Wohnen im Städtli ergebende beschränkte Parkiermöglichkeit als grösster Mangel genannt. Als weitere Nachteile werden der nächtliche Lärm, Vandalismus und morgens herumliegender Unrat angesehen. An Attraktivität gewinnen könnte das Städtli nach Ansicht der Hauseigentümer, wenn weitere Altstadthäuser renoviert würden.

Hemmende Auflagen

Als Hemmnis werden aber die denkmalpflegerischen Auflagen angesehen. Die bezwecken zwar, den Reiz des Städtchens zu erhalten, halten aber offenbar so manchen Hauseigentümer davon ab, eine Renovation überhaupt an die Hand zu nehmen. Einige Umfrageteilnehmer empören sich zudem, dass mit den im Städtli wohnenden Menschen respektlos umgegangen werde, als ob das Privateigentum im Städtli Gemeingut wäre.

Mit dem Auto ins Städtli

Auch von den Liegenschafteneigentümern, die die Umfrage ausgefüllt haben, spricht sich die Mehrheit gegen eine autofreie Marktgasse aus. Ein Eigentümer, der die Liegenschaft in vierter Generation besitzt, fordert sogar ein jederzeitiges Fahrrecht und beruft sich dabei auf Gewohnheitsrecht. Allerdings ist die Minderheit jener, die die Hauptachse durchs Städtli verkehrsfrei haben möchten, bei den Liegenschafteneigentümern grösser als bei den Geschäftsinhabern. Zusätzlichen Veranstaltungen stehen manche skeptisch gegenüber. Tagsüber würden solche begrüsst; dann könnten sie dem Städtli womöglich etwas bringen, nachts aber kaum, lautet der Tenor.

Heute Donnerstag findet im Sonnensaal eine zweite öffentliche Veranstaltung zur Altstadtentwicklung statt. Beginn ist um 18.45 Uhr. Alle Interessierten sind eingeladen. Präsentationen und bisherige Ergebnisse des Mitwirkungsprozesses können von der Homepage der Stadt heruntergeladen werden: www.altstaetten.ch/de/aktuelles/aktuellesprojekte/begegnungsstadt/

Legende (Bild:)

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