Wie anno dazumal

Vor rund 20 Jahren posierten Aline und Colin für das Museum Rothus. Das Foto von ihnen steht seitdem hinter einem Blindfenster der Schuhmacherwerkstatt.

Ruedi Loher
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«Tun als ob und etwas lächeln.» Ende der 1990er-Jahre posierten die Geschwister Aline und Colin Loher, eingekleidet und frisiert wie anno dazumal, für das Gemeindemuseum Rothus vor dem Werkstattfenster der letzten Schuhmacherei von Oberriet. (Bild: Peter Zünd/Archiv Ruedi Loher)

«Tun als ob und etwas lächeln.» Ende der 1990er-Jahre posierten die Geschwister Aline und Colin Loher, eingekleidet und frisiert wie anno dazumal, für das Gemeindemuseum Rothus vor dem Werkstattfenster der letzten Schuhmacherei von Oberriet. (Bild: Peter Zünd/Archiv Ruedi Loher)

In ihren Kinderjahren, so vor der Jahrhundertwende, wurde das Geschwisterpaar Aline und Colin Loher vom Schwalbenweg in Oberriet für eine Fotoaufnahme aufgeboten. Peter Zünd, damaliger Leiter des Gemeindemuseums Rothus hatte sie für einen speziellen Schnappschuss ausgewählt. Ihr Auftritt war kurz, aber gleichwohl beeindruckend und unvergesslich. Kurz und bündig die Regieanweisung Zünds: «Ihr müsst tun als ob und dazu noch etwas lächeln.» Zu posieren hatten die Kinder, eingekleidet und frisiert wie anno dazumal, vor dem Werkstattfenster der einstigen Schuhmacherei Steiger im Kirchdorf.

Das grosse Fenster, vor dem sie standen, war nicht irgendeines. Es war der Ort, wo Johann Steiger jeweils seine Kunden bediente. Hier wurden die Reparaturen gebracht; Tage später wurde das geflickte Schuhwerk hier auch wieder abgeholt und dafür bezahlt. Dazu gehörten ein paar Worte über das Dorfgeschehen.

Johann Steiger war Schuhmacher bis vor 1980. Mit seinem Tod verschwand in Oberriet das letzte Handwerk dieser Art.

Jahre später, so um 1988, bot sich dem Museum die Gelegenheit, das gesamte Inventar der Schuhmacherei als Dauerleihgabe zu übernehmen. Peter Zünd, sehr begeistert vom Geschenk, richtete in der Wagenremise im Museumsstall die Werkstatt ein.

Im Zuge eines Umbaus verschwand später das einzige Fenster des Raums. Deswegen wurde ein Blindfenster installiert. Um dessen Bedeutung hervorzuheben, machte der Museumsleiter die Fotografie mit den beiden Kindern und stellte sie hinten ans Fenster an. Seitdem sieht man hier, wie damals Johann Steiger an seinem Werkstattfenster seine Geschäfte machte.

Das Museum hat vor, noch in diesem Jahr die Schuhmacherei neu zu präsentieren; moderner, den Ansprüchen der heutigen Zeit entsprechend. Dafür wurde am jüngsten Altjohrusschället Geld gesammelt. Rund 2000 Franken sind dabei zusammengekommen.

Dauerleihgabe wird modern hergerichtet

Eine Multimedia-Installation wird künftig über Johann Steiger berichten und den Museumsbesuchern die Vielfältigkeit seines handwerklichen Berufes veranschaulichen. Mit der Präsentation wird gleichzeitig das Schaffen dieses letzten Schuhmachers in Oberriet geehrt.