Widnaus Debakel am Abstiegskrimi

St. Margrethen konnte Widnau in einem dramatischen Derby auf teilweise sehr gutem Liga-Niveau verdient mit 3:1 besiegen und verschafft sich damit ein wichtiges Polster im Abstiegskampf.

Gerhard Huber
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St. Margrethen gegen Widnau bot Kampf mit Herz und Einsatz vor grosser Zuschauerkulisse. (Bild: Ulrike Huber)

St. Margrethen gegen Widnau bot Kampf mit Herz und Einsatz vor grosser Zuschauerkulisse. (Bild: Ulrike Huber)

Wer hätte das gedacht? War doch den meisten Fussballfans vor diesem Abstiegsderby klar, dass der FC Widnau im Prinzip die taktisch und spielerisch bessere Mannschaft sei. Die zudem seriöser trainiere und daher mehr Kondition für die warmen Föhnwetterbedingungen am Spieltag mitbringe. Ja, wer hätte gedacht, dass nach dem Match die Heldsberger jubeln durften und sich die Widnauer mit hängenden Köpfen vom Spielfeld schlichen.

Rheinau-Kicker überlegen

Bis auf die ersten zwanzig Minuten, in denen die Gastgeber sehr verhalten starteten und die Derbygäste von der Aegeten Druck machten, gehörte das Spiel der Duvnjak-Truppe. Die Kicker von der Rheinau waren nicht nur optisch leicht überlegen, sie waren spielerisch besser, konsequenter in der Abwehr und schneller im Spielaufbau nach vorne. Sie kämpften augenscheinlich um ihr Überleben in der 2. Liga Interregio, während einige Spieler der Widnauer die Zweikämpfe nicht annahmen und oft einen Schritt zu spät kamen. Und dem Heimteam das Toreschiessen überliessen.

Die erste Spielhälfte brachte noch keinen Hurra-Fussball. Zu sehr schienen die Teams in taktischen Fesseln zu verharren und agierten vorsichtig. Erst nach und nach wurden echte Torchancen herausgespielt. Das Heimteam setzte sich immer öfter in der Nähe des Strafraums der Sonderegger-Elf fest. Flamur Maliqi bekam zwei Minuten vor der Pause den Ball nahe der Outlinie in die Füsse gespielt, behielt gegen mehrere Widnauer Abwehrspieler den Überblick, passte zurück zu dem an der Strafraumgrenze gut postierten und nicht bewachten Lotrim Hajrullahu. Dieser schoss überlegt und zielsicher zur 1:0-Führung ins linke Kreuzeck. Jubel bei einer Minderheit der Zuschauer, denn die meisten der etwa 450 Fans waren aus Widnau angereist.

Zusätzliche Offensivkraft

Widnau ging mit stark veränderter Aufstellung in die zweite Hälfte. Irisme wurde in die Sturmspitze abkommandiert und Lamorte als zusätzliche offensive Kraft eingewechselt. Gebracht hat es wenig. Doch beide Teams lieferten sich in dieser Phase ein sehr gutes Spiel, das zu jeder Zeit auf die eine oder andere Seite hätte kippen können, wiewohl St. Margrethen ständig leicht überlegen war, und zwischen der 78. und der 80. Minute die Entscheidung erzwang.

Zunächst bewies Trainer Dorde Duvnjak ein goldenes Händchen, als er in der 75. Minute Bajralija einwechselte, der sich sogleich nach vorne orientierte. Aus dem Mittelfeld mit einem gelupften hohen Ball angespielt, blieb ihm alle Zeit der Welt, um mit seinem ersten Ballkontakt an Jung vorbei das 2:0 zu erzielen. Nur eine Minute später stürmte der ebenfalls von Duvnjak eingewechselte Cetinkaya unwiderstehlich in den Strafraum, wo er von Diego Liechti klar gelegt wurde. Den Penalty verwandelte Lukic mit einem lässigen Schlenzer, nachdem er Jung in die falsche Ecke geschickt hatte.

Später Ehrentreffer

Die Widnauer Fans erkannten die Aussichtslosigkeit des Tuns ihrer Mannschaft und verliessen in Scharen vorzeitig die Rheinau. Und verpassten damit den fünf Minuten vor Schluss noch erzielten Ehrentreffer zum 1:3, der von Irisme sozusagen in zwei Anläufen erzielt wurde. Goalie Konjaric konnte seinen ersten Schuss noch mit einem Reflex abwehren, war aber gegen den Nachschuss machtlos.

St. Margrethen liegt jetzt fünf Punkte vor dem FC Widnau, der den ersten Abstiegsrang belegt. Allerdings haben die Weiss-Blauen noch die Chance, im Nachtragsspiel am Mittwochabend gegen den als Aufsteiger bereits feststehenden FC Seefeld auf zwei Punkte heranzukommen.