Widnauer West Side Story

WIDNAU. Die Premiere von Andi Losers Schülermusical war restlos ausverkauft. Und das zu Recht: Gesanglich überzeugten die Jugendlichen jeden Zuschauer. Derb und teils inhaltsleer hingegen war die Sprache.

Seraina Hess
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Das Musical «Hip Rock» glänzte vor allem mit kultigen Rocksongs. An der Front: Naomi Gertsch als Lia (links) und Noemi Etter als Rocky. (Bild: Seraina Hess)

Das Musical «Hip Rock» glänzte vor allem mit kultigen Rocksongs. An der Front: Naomi Gertsch als Lia (links) und Noemi Etter als Rocky. (Bild: Seraina Hess)

«Hip Rock», das neue Musical von Andi Loser, erinnert irgendwie an die Geschichte der Jets und der Sharks. Nur, dass die beiden Gangs Croppers und Bandiz heissen und die Geschichte nicht in New York spielt, sondern in Widnau.

Dass die Handlung der des berühmten Musicals «West Side Story» ähnelt, ist kein Zufall: «Die Geschichte zweier rivalisierender Gangs bleibt immer aktuell, vor allem, wenn dann noch die Liebe ins Spiel kommt», sag Andi Loser, Musiker und Leiter der Schülerband der Oberstufe Widnau. Er hat zwar das Drehbuch des Musicals geschrieben, die Idee für die Story stammt aber von Patrick Masiero, Oberstufenschüler und männlicher Hauptdarsteller.

Kraftausdrücke und Anglizismen

Wie der Titel bereits verrät, ist das Stück mehrheitlich aufgeteilt in Rock- und Hip-Hop-Songs aus den letzten vierzig Jahren. Als Noemi Etter «I love Rock'n'Roll» anstimmt und somit die Rock-Gang Bandiz vorstellt, stockte manchem Zuschauer der Atem: Joan Jett, die den Song einst in den 80ern interpretierte, hätte es kaum besser gekonnt. Etters rauchige Stimme, die keinen Ton verfehlt, kommt deshalb mehrmals zum Einsatz.

Loser machte nicht Halt vor deutschen Rock-Stars wie den Toten Hosen, bekannt für ihre heiklen Texte. «Schön sein» heisst der Song, dem Titel folgt die Zeile «…und ein bisschen obszön sein». Obszön waren teilweise auch die Dialoge der Protagonisten – wenn sie denn nicht inhaltsleer waren. «Ich bin doch keine Pussy», «Schlampe» und «Scheisser» fielen mehr als einmal. Hinzu kommen Floskeln, die unnötigerweise auf Englisch wiedergegeben wurden: «Das war nur ein Joke, I'm just kidding!» oder «Voll easy, relaxed!»

Redet die Jugend von heute tatsächlich so, oder ist das überspitzt von einem Erwachsenen niedergeschrieben, der sich die Jugendsprache so vorstellt?

«Nein. Die Jugendlichen sprechen untereinander noch viel extremer – und das ist normal und soll nicht überbewertet werden. Im Musical haben wir die Texte moderat an die Jugendsprache angepasst», sagte Loser.

Symbiose von Rock und Hip-Hop

Auffallend gut waren die Rap-Einlagen einiger Schüler. Kein Wunder: Einer unter ihnen, Michael Grossweiler, rappt auch in seiner Freizeit – und hat mit 16 YouTube-Videos schon über 15 000 Klicks.

Eine Symbiose von Rock und Hip-Hop gab es zum Schluss des Musicals mit einer einwandfreien Interpretation von «Walk this Way», bekannt durch Aerosmith und Run-D.M.C.. So manch einer im Publikum wird aufgrund dieser exzellenten musikalischen Leistung über die eher schwachen Dialoge hinweggesehen haben.

Weitere Vorstellungen finden heute Abend oder morgen Samstag, 20.00 Uhr auf dem Areal der ehemaligen Köppel Röhrenwerke statt. Tür- und Bistroöffnung ist um 18.30 Uhr.