WIDNAU: Zwei Freundinnen, ein Hobby

Nicole Häle und Susan Gerhäuser designen Taschen aus Zellulose. Das Taschenlabel Culete aus dem Rheintal findet inzwischen auch Liebhaber im Ausland.

Susi Miara
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Nicole Häle (links) uns Susan Gerhäuser haben noch viele Ideen, die sie verwirklichen möchten. (Bild: Susi Miara)

Nicole Häle (links) uns Susan Gerhäuser haben noch viele Ideen, die sie verwirklichen möchten. (Bild: Susi Miara)

Susi Miara

Im Frühling haben die zwei Widnauerinnen ihre erste Tasche genäht. Mit diesem Prototyp haben sie dann eine Lawine losgetreten. Die Nachfrage nach ihren Taschen ist riesig, nicht nur in der Region, sondern international. Auf ihrer Facebook-Seite posten die glücklichen Besitzerinnen einer Culete-Tasche Fotos aus verschiedensten Ecken der Welt. Unter dem Titel «Culete auf Reisen» posteten Frauen Bilder aus Tokio und London – natürlich die Tasche immer gut in Szene gesetzt. Sogar eine Braut aus Bremen schickte ihr Foto mit einer goldenen Culete-Clutch.

Sich das Nähen selbst beigebracht

Susan Gerhäuser und Nicole Häle sind keine Schneiderinnen. Beide habe eine kaufmännische Ausbildung. «Früher habe ich das Nähen sogar gehasst», sagt Susan Gerhäuser. Gemeinsam mit ih­-rer Schwägerin Nicole Häle habe sie sich vor ein paar Jahren aber spontan entschlossen, Kleider selbst zu nähen. Sie wagten sich an immer kompliziertere Projekte, bis die Idee kam, eine Tasche nach eigenen Vorstellungen zu entwerfen. Dafür wählten sie Stoff aus Zellulose, auch veganes Leder oder Papierstoff genannt. Dieses spezielle Material hatte Nicole Häle für ein Reisecouvert, das sie machen wollte, besorgt. «Es sollte eine kleine Tasche in Form eines Couverts, speziell für Reisedokumente werden», sagt Nicole Häle. Sie habe diesen Stoff gekauft, weil er sehr leicht und ausserdem sehr robust, wasserfest und sogar waschbar ist. Gemeinsam machten sich die beiden Frauen dann an die Taschen. «Wir haben geflucht, einige Nadeln gebrochen, aber das Resultat konnte sich sehen lassen», sagt Susan Gerhäuser. Überall wurden sie auf ihre Taschen angesprochen. Als sie dann erklärten, dass sie die Taschen selbst herstellen, kam sofort die Frage, ob man eine bestellen könne.

«Culete» heisst auf Spanisch «Popöchen»

Um den Taschen noch eine persönliche Note zu geben, suchten sie schliesslich nach einem passenden Namen. «Culete», auf Spanisch «Popöchen», gefiel beiden auf Anhieb. Sofort wurde auf Facebook der Name reserviert und das Label mit einer gestanzten Blume ziert heute jedes ihrer Produkte. Inzwischen werden in ihrer Nähwerkstatt nicht nur Taschen, sondern auch Rucksäcke, Kosmetiktaschen, Clutchs, Reisecouverts und Weinkühler gefertigt.

Birgit Königsdorfer von Königstochter Berneck beschriftet sogar die Weinkühler und Reisecouverts mit Zitaten und Poesie. Bereits sei eine Handy- und Tablet-Hülle in der Testphase. «Wir haben noch 100 Ideen im Kopf», sagt Susan Gerhäuser. Leider fehle ihnen aber die Zeit. Beide gehen noch einem Teilzeitjob nach und haben Familien. «Wir sind von der ganzen Sache irgendwie überrollt worden», sagt Nicole Häle. Bereits ihre erste Ausstellung an der Art- und Designmesse in Gossau sei ein voller Erfolg gewesen.

Mit ihrer kleinen Produktionsfirma sind sie eben sehr flexibel und können auch auf individuelle Wünsche eingehen. So wurde zum Beispiel in eine Tasche ein Tragtuch der Kundin eingearbeitet.

Für jedes Produkt erstellen sie eigene Schnittmuster und Nähanleitungen. «Bei diesem Stoff muss nämlich jeder Stich stimmen», sagt Susan Gerhäuser. Die Löcher von den Nadeln bringe man nicht mehr weg und der Stoff ist dann nicht mehr zu gebrauchen.

Etwas, das als ein Hobby begann, entwickelt sich nun zu einem kleinen KMU. «Für uns bleibt noch einiges zu tun, damit wir noch professioneller unsere Taschen vertreiben können», sagen die beiden Taschendesignerinnen. Ihre Modelle seien nämlich genau wie sie – ein Unikat mit Ecken und Kanten.

www.culete.ch

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