WIDNAU: Um zwei Uhr war Lichterlöschen

Die Weihnachtsparty in der «Habsburg» wurde an Heiligabend abrupt beendet. Die Polizei schickte um 1.30 Uhr alle Gäste nach Hause. Grund dafür war eine Lärmklage, die die Polizei zum Ausrücken bewegte – und die fehlende Bewilligung für den Anlass.

Remo Zollinger
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In der «Habsburg» ist an Weihnachten viel los. Im Bild eine Szene von einem früheren Weihnachtsnachmittag – abends gibt’s gleich viele oder sogar noch mehr Leute. (Bild: Archiv/pd)

In der «Habsburg» ist an Weihnachten viel los. Im Bild eine Szene von einem früheren Weihnachtsnachmittag – abends gibt’s gleich viele oder sogar noch mehr Leute. (Bild: Archiv/pd)

Remo Zollinger

Wer im Rheintal den Heiligabend beinahe unendlich verlängern will, geht in die «Habsburg». Die Widnauer Bar ist am 24. Dezember jeweils proppenvoll, sogar im Aussenbereich, wo sich die Gäste zwischen Finnenkerzen und Feuerschalen mit Glühwein aufwärmen. So richtig los geht die Party jeweils erst sehr spät. Viele Gäste trudeln gemütlich nach dem Abendessen mit der Familie und der Mitternachtsmesse in der «Habsburg» ein. Dafür geht das Fest umso länger, nämlich die ganze Nacht durch.

In diesem Jahr war die Feier­nacht aber deutlich kürzer als sonst: Um 1.30 Uhr erteilte die Polizei der «Habsburg»-Leitung den Auftrag, innerhalb einer halben Stunde die Gäste zu verabschieden und dann zu schliessen. So war bereits um 2 Uhr Lichterlöschen.

Ein Kastenwagen und neun Beamte

Kurz nachdem das Fest angefangen hatte, ging bei der Polizei eine Lärmklage ein. Dies bestätigt Florian Schneider von der Medienstelle der Kantonspolizei St. Gallen: «Der Auslöser für unseren Einsatz war eine Lärmklage eines Anwohners. Wir boten dann eine Patrouille auf und fuhren zur Bar.»

Als die Patrouille eintraf, hielt die Polizei die «Habsburg»-Betreiber dazu an, die Musik abzustellen, verliess nach Aussage von Wirt Peter Sieber die Bar aber wieder.

Eine Stunde später kam die Polizei zurück: Mit neun Beamten in einem Kastenwagen und der Aufgabe, die Bar für diesen Abend zu schliessen. Dieser Aufforderung ist die «Habsburg» ohne Widerrede nachgekommen, obwohl Peter Sieber diese Methode für fragwürdig hält: «Ich konnte nicht wie sonst üblich herunterfahren, sondern musste alle auf einmal verabschieden», sagt er.

Normalerweise stellt er, wenn er schliesst, zuerst die Heizung ab, dann das Licht an und dreht die Lautstärke der Musik runter. Dadurch verlassen nicht alle Gäste gleichzeitig die Bar.

Eine Lärmklage und keine Bewilligung

Dass die Polizei das Lokal geschlossen hat, hat sich die «Habsburg» aber auch selbst zuzuschreiben. Sie hatte keine Bewilligung dafür, nach Mitternacht noch geöffnet zu haben. «Die Betreiber haben keine Verlängerung der Öffnungszeit beantragt und damit keine Bewilligung für ­einen Betrieb», sagt Florian Schneider von der Polizei.

Peter Sieber widerspricht ihm nicht, gibt zu, keine Bewilligung eingeholt zu haben. Er räumt auch ein, dieses Fest schon seit 26 Jahren ohne Bewilligung durchzuführen – ohne jemals deswegen Probleme bekommen zu haben. «Wir hatten in 26 Jahren nie Ärger mit den Nachbarn, schon gar nicht wegen Lärms», sagt Peter Sieber. Auch habe es noch nie Streit mit der Gemeinde oder der Polizei gegeben: «Es war immer ein sympathisches Gewährenlassen von allen Parteien.»

Deshalb haben die «Habsburg»-Betreiber schon lange nicht mehr über eine Bewilligung nachgedacht. Peter Sieber beruft sich (ohne es selbst zu sagen) auf das Gewohnheitsrecht und legt Wert auf die Feststellung, dass der Gesetzesbruch «nicht willentlich» geschehen sei. Ob ihn nach der abgebrochenen Feier­nacht auch noch rechtliche Konsequenzen erwarten, weiss er noch nicht.

Er sorgt sich aber um die Zukunft der «Habsburg»-Weihnacht: «Es gibt diesen Anlass schon so lange, es wäre schade, wenn wir ihn nicht mehr machen können. Dabei ist er doch schon lange Brauch und irgendwie Rheintal pur», sagt Peter Sieber.