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WIDNAU: Schlaflied-Schlacht am Kinderbett

Das Leben eines Kleinkind-Vaters bietet viel Erzählstoff. Im Fall des Schweizer Kabarettisten Gabriel Vetter unterhält es einen ganzen Abend lang – wie am Freitag im «Metropol».
Seraina Hess
Für ihn kam das Publikum am Freitag in den «Metropol»-Saal: Gabriel Vetter, aufgewachsen im Kanton Schaffhausen, seit 2003 als Slam Poet bekannt und Gewinner des Salzburger Stiers. (Bild: Seraina Hess)

Für ihn kam das Publikum am Freitag in den «Metropol»-Saal: Gabriel Vetter, aufgewachsen im Kanton Schaffhausen, seit 2003 als Slam Poet bekannt und Gewinner des Salzburger Stiers. (Bild: Seraina Hess)

Seraina Hess

Zugegeben, die Bedingungen waren nicht gerade günstig. Hatte vor knapp zwei Monaten eine bis auf den letzten Stehplatz gefüllte Militärkantine in St. Gallen auf den Schaffhauser Kabarettisten gewartet, so war der Widnauer Widebaumsaal im Hotel Metropol nicht einmal zu einem Drittel gefüllt. Die Stimme hallte noch etwas mehr als durch den Verstärker ohnehin schon, und so bangte man, der Funke Vetters, der stets Pointe an Pointe reiht, könnte für einmal nicht springen.

Weit gefehlt. Spätestens als der Künstler auf den Protagonisten seines Lebens zu sprechen kam, fragte man sich bloss noch, weshalb nicht mehr Publikum zum Comedy-Abend des Kulturvereins Widnau erschienen war. Der rote Faden in Vetters Programm «Hobby – Stand up» ist sein neues Leben als Vater eines Dreijährigen, das manchen Zuschauer an eigene Erfahrungen mit Sohn oder Tochter erinnert haben mag – allerdings mit völlig neuen Einfällen, Beobachtungen und einer Wortgewandtheit, wie sie nur von einem ehemaligen Slam-Poeten zu erwarten ist.

Das abstruse Baby-Parallel-Universum

Ein Beispiel: Der Sohnemann, der tagein-tagaus um Punkt sechs Uhr zu arbeiten beginnt. Die Arbeit: Shampoo-Flaschen von der Badewanne in die Waschmaschine transportieren, zielstrebig, Flasche um Flasche. Weshalb er das tut? «Weil’s ja sonst nie­- mand macht!», lautet Vetters plausible Erklärung. Der Bub habe somit bereits die Sinnlosigkeit des menschlichen Erwerbslebens verstanden.

Dem setzt Vetter einen drauf, indem er das Publikum mit ab­strusen Gedankengängen in ein Parallel-Universum führt: Ins Baby-Parallel-Universum. Was, wenn jedes Kleinkind einen «Beruf» ausübt, und Shampoo-Transporteur in dieser Welt einem Beamten-Job gleichkommt? Wenn sich die Kids in der Krabbelgruppe austauschen über die Tätigkeit als «Pfannendeckel-Abschlecker» oder «Katzenstreu-Fresserinnen»?

Selbstverständlich macht der Sohn den Vater auch stolz. Vor allem, als der Dreijährige zum ersten Mal begriffen hat, dass arbeiten gemeinsam leichter ist, dem Vater eine Shampoo-Flasche in die Hand drückte und ihn zum Helfen bewegte. «Bis ich irgendwann merkte: Er steht nur noch auf, um mich zu überwachen. Mein Sohn hat die Arbeit an mich outgesourct und innerhalb weniger Monate das kapitalistische Schweinesystem verstanden.»

Eine unerschöpfliche Quelle

Vom Bub leitet Gabriel Vetter über auf Religion (die sinnlosen Eltern-Regeln gleicht), von der Religion auf ambitionierte Geschenk-Geberinnen (die den Preis eines Pixi-Buches abkleben) – und so geht es weiter zu Vetter als bekennender Smartphone-WC-Gänger, der sich bei Gastgebern blamiert, oder den Flugzeug-Phobiker, der sich der Angst wegen vorstellt, die Maschine sei ein Postauto.

Das Programm gelangt aber immer wieder zurück zum Sohn, so unerschöpflich scheint die Quelle des Eltern-Daseins. Und sie bietet Vetter die Gelegenheit, seine vielen Talente zu vereinen, zu denen neben der pointierten Sprache, Mimik und Gestik auch Gesangseinlagen gehören; etwa dann, wenn der Kabarettist von der schleichenden Skandinavisierung des Bubes erzählt, weil Lieder aus dem deutschsprachigen Raum kaum mit den lebensbe­jahenden, weltoffenen Melodien und Texten aus der mütterlichen Heimat Schweden mithalten können. Er zeigt das kurzerhand gesanglich, rhythmisch und tänzerisch anhand der Pippi-Langstrumpf-Originalmelodie und der abgeänderten deutschen Version, die er in einen Marsch verwandelt.

Dem Sohn mag das gleich sein. Singt und erzählt Gabriel Vetter als Papi am Kinderbett wie als Kabarettist auf der Widnauer Bühne, ist ihm Applaus auch dort gewiss.

Hinweis

Weitere Auftritte des Künstlers sind unter www.drehundangel.ch/gabriel_vetter.php zu finden.

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