WIDNAU
Renato Kaiser darf wieder auf die Bühne: Auftritt mit 50 Zuschauern ausverkauft

Für Renato Kaiser war es dieses Jahr die fünfte Vorstellung. Für viele Rheintaler Zuschauer der erste öffentliche Anlass in diesem Jahr.

Susi Miara
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Aussergewöhnlich: Der «Metropol»-Saal mit 50 Zuschauern. Platz hätten 400 Personen.

Aussergewöhnlich: Der «Metropol»-Saal mit 50 Zuschauern. Platz hätten 400 Personen.

Bild: mia

«Es ist ein Schritt in die Normalität», sagte Urs Sieber, Präsident des Kulturvereins Widnau. Der Anlass mit dem Gewinner des Salzburger Stiers hätte bereits letztes Jahr im November stattfinden sollen, musste dann aber abgesagt werden. Lange habe sich der Vorstand des Kulturvereins überlegt, ob es sich überhaupt lohnt, einen Anlass mit 50 Personen durchzuführen. «Finanziell hat es sich auf jeden Fall nicht gelohnt», sagt Sieber. Trotzdem wollte der Kulturverein einen kleinen Beitrag zur Unterstützung der Kultur leisten und dem Publikum wieder ein neues Bild vermitteln.

Eine Freude für alle Beteiligten

Auch für Renato Kaiser war es kein Problem, vor 50 Zuschauern aufzutreten. «Für die, die da waren, gab ich alles und wie ich feststellen konnte, hatten alle Freude daran, der Veranstalter, die Zuschauer und auch ich selbst », sagte Kaiser. Die Stimmung sei super gewesen und man habe gar nicht gemerkt, dass nur 50 Leute im Saal sitzen. Mit seinem neuen Bühnenprogramm «Hilfe» überzeugte der Gewinner des Salzburger Stiers. Dabei zeigte er mit vielen sehr direkten Aussagen seine Weltsicht. «Warum braucht es eine Yoga-Matte?», stellte er gleich zu Beginn in den Raum und brachte die Zuschauer schnell auf den harten Boden der Realität. Seine WC-Theorie bezeichnete er als sein Stigma. Die WCs selbst als Oasen, magische Orte oder Wellness des kleinen Mannes.

Die Länge seiner Sitzungen würden sich nach dem Handyempfang richten und seien oft länger als gesund. Kaiser setzte sich mit Rassisten und Sextätern auseinander, obwohl er die Bezeichnung Sextäter völlig falsch fand. «Wer redet bei Einbrechern über Besuchstäter oder bei Mördern über freiwillige Sterbehelfer?», fragt er das Publikum. Der Glaube war ein weiteres brisantes Thema. Es sei noch nie so leicht gewesen wie jetzt, gläubig zu sein, erklärte Kaiser. Glaube sei seiner Meinung nach wie ein Christen-Fitness-Abo: «Man zahlt für das gute Gewissen, geht aber nie hin.» Schliesslich weihte Kaiser die Zuschauer in seine Rennveloerfahrungen ein, vor allem über das Problem mit dem Klickpedal.

Kaiser begreift Auftritt als ein Privileg

Die Möglichkeit, im Metropolsaal in Widnau auftreten zu können, bezeichnete er als ein Privileg. Es brauche Leute, die Mut hätten, solche Anlässe zu emöglichen, aber auch Leute, die zu diesen Anlässen kämen. Die wenigen Zuschauer, die Tickets ergattern konnten, genossen den Abend in vollen Zügen – ohne Pause, ohne Erfrischung aber mit einem Lächeln. Und das trotz der obligatorischen Schutzmasken.

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