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WIDNAU: Plaston-Standort bis 2013 gesichert

Plaston darf dem Werkzeughersteller Hilti weiterhin Koffer liefern. Das hat eine Investition von 10 Mio. Franken in Widnau zur Folge. Am Hilti-Auftrag hängen etwa 70 Arbeitsplätze.
Gert Bruderer
Roland Frei mit dem Hilti-Koffer der neusten Generation. Jetzt können auch zwei bequem zusammen getragen werden. (Bild: Gert Bruderer)

Roland Frei mit dem Hilti-Koffer der neusten Generation. Jetzt können auch zwei bequem zusammen getragen werden. (Bild: Gert Bruderer)

Gert Bruderer

Ohne Hilti und die roten Koffer wäre die in Widnau stolze Plaston-Mitarbeiterzahl von 140 höchstens halb so gross. Aber eben: Hilti gibt es, und die Zusammenarbeit mit Plaston wird fortgesetzt. Somit ist der Plaston-Standort in seiner heutigen Form bis ins Jahr 2030 gesichert.

Nicht alles auf eine Karte setzen

In der berühmten Fernsehserie «Mad Men» wird einer New Yorker Werbeagentur Knall auf Fall der wichtigste Vertrag gekündigt, was die Agentur an den Rand des Ruins bringt. Solch grosser Abhängigkeit versucht das Widnauer Unternehmen seit jeher entgegenzuwirken. Nie hat es alles auf eine Karte gesetzt. Anstatt nur Kunststoffteile zuzuliefern, hat Plaston immer auch Artikel für den Haushalt hergestellt. Das unternehmerische Risiko blieb so begrenzt, die Abhängigkeit ebenfalls.

Aber ein Grossauftrag bleibt ein Grossauftrag. Entfiele er, wäre dies zwangsläufig spürbar. Die Zahl der Hilti-Koffer, die bisher aus Widnau kamen, liegt bei 40'000'000.

Plaston möchte unentbehrlich sein

Ein wichtiger Schritt war vor bald fünf Jahren die Übernahme der aargauischen WEZ Kunststoffwerke AG durch Plaston. So kam eine ganze Reihe von Schweizer Kunden hinzu und verringerte sich die Gefahr, dass Wechselkursschwankungen zum Problem werden könnten.

Zudem weiss Hauptaktionär und Firmengründer Roland Frei: Abhängigkeit ist halb so schlimm, wenn sie mit Unentbehrlichkeit gepaart ist. Das Widnauer Unternehmen stellt deshalb seit einigen Jahren zunehmend hoch­wertige technische Teile her, für Wasch- oder Kaffeemaschinen zum Beispiel. Das wird jährlich mit einer zweistelligen Wachstumsrate belohnt. Auch Koffer stellt das Unternehmen längst nicht mehr allein für Hilti her. In den letzten fünf bis zehn Jahren wuchs die Zahl der Abnehmer auf etwa zwanzig, im Gleichschritt mit einem immer grösseren Wissen in Widnau.

Was das nützen kann, erfuhr ein deutscher Kunde auf eindrückliche Weise: Die Zahl der über fünfzig Koffertypen, die er für seine Bedürfnisse an Lager hatte, schrumpfte dank eines von Plaston entwickelten neuen Kofferkonzepts auf vier oder fünf.

Für Hilti ist Plaston sowohl im Rheintal als auch in China der Kofferlieferant «vor der Haustür». Immer wieder habe man gemeinsam neue betriebswirtschaftliche Erkenntnisse gewonnen, die beiden genützt hätten, sagt Roland Frei, der Hilti als sehr fairen Partner rühmt. Dieser Tage beglückt das in Schaan ansässige Weltunternehmen den Markt erstmals mit dem Hilti-Koffer der sechsten Generation (bzw. der fünften Generation aus dem Hause Plaston). Der neue Behälter zeichnet sich durch einen noch höheren Tragkomfort und einen ausgeklügelten Innenraum aus.

Der Laie denkt vielleicht, Koffer sei Koffer. Doch auf die rote Hilti-Werkstatt im Klein­format, die Industriegeschichte schrieb und gemäss der Hilti-Eigenwerbung den Arbeitsalltag des Fachmanns revolutioniert, trifft dies gewiss nicht zu. Das zeigt sich schon daran, dass beim Koffer-Hersteller Plaston zwei, drei Mitarbeiter permanent damit beschäftigt sind, laufend nötige Anpassungen des Koffer-Innenlebens auszutüfteln und vorzunehmen. Ändert sich das Angebot der wichtigen Geräte, macht der Koffer die Entwicklung mit.

Läuft – wie jetzt gerade – eine Koffer-Serie aus und wird eine neue eingeführt, bringt Plaston jeweils das Kunststück fertig, dass vom alten Modell nie ein Überschuss zurückbleibt und somit nicht unnötige Kosten entstehen. Ausserdem «hat Hilti in den fünfzig Jahren der Zusammenarbeit nie auf einen Koffer warten müssen», sagt Roland Frei.

Rot statt grau, aus Plastik statt aus Blech

Für Plaston bedeutet die Vertragsverlängerung mit Hilti, dass in diesem Jahr neue Maschinen angeschafft, die Infrastruktur angepasst und Werkzeuge vorfinanziert werden. Diese Projektkosten führen zu einer Investition von insgesamt zehn Millionen Franken.

Die Erfolgsgeschichte mit den Hilti-Koffern geht aufs Ende der Sechzigerjahre zurück, als Roland Frei in einer Hilti-Lagerhalle die Koffer ins Auge stachen. Diese Koffer herzustellen, war sogleich sein grosser Wunsch, zum Vater sagte er: «Den Auftrag für die Koffer werden wir bekommen.» Ganz so leicht war dieses Ziel zwar nicht erreichbar, doch es klappte.

1972 hat Hilti Werkzeuge in neuen Koffern aus Widnau ausgeliefert. Sie waren nicht mehr grau, sondern rot, nicht mehr aus Blech, sondern aus Plastik. Das war für damalige Verhältnisse eine Revolution, denn Plastik war zu jener Zeit ein Werkstoff, von dem nicht allzu viel gehalten ­wurde.

Name Plaston schon seit 1956

Mit dem Koffer-Auftrag hat sich sozusagen eine Vision erfüllt. Im grossen Stil kam fortan in Widnau der Werkstoff zum Einsatz, der schon eineinhalb Jahrzehnte zuvor den Firmennamen geprägt hatte. Die Bezeichnung Plastic war zwar nicht verfügbar, weil ­bereits geschützt, doch Lehrer Hans, der Bruder von Roland Frei, erfand für die Firmengründung im Jahr 1956 die Bezeichnung Plaston.

Dass der Name sich beinahe mit demjenigen des griechischen Philosophen Platon deckt, ist zwar ein Zufall. Aber ein sehr schöner.

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