WIDNAU: Namenlose Stadt wird zehnjährig

Als die Fusion im Mittelrheintal zur Diskussion stand und über einen Namen für die Stadt nachgedacht wurde, meldete sich auch der Ex-Leica-Kommunikationschef Fritz Staudacher zu Wort. Er plädierte für «Alprhein».

Kurt Latzer
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Fritz Staudacher ist der Meinung, eine Stadt im St. Galler Mittelrheintal sollte «Alprhein» heissen. Dann wüsste man beispielsweise auch in Deutschland, wo die Stadt ungefähr liegt. (Bild: Kurt Latzer)

Fritz Staudacher ist der Meinung, eine Stadt im St. Galler Mittelrheintal sollte «Alprhein» heissen. Dann wüsste man beispielsweise auch in Deutschland, wo die Stadt ungefähr liegt. (Bild: Kurt Latzer)

Kurt Latzer

Bis 2005 war Fritz Staudacher Kommunikationschef bei der Firma Leica in Heerbrugg. Als solcher stand er im Ausland hin und wieder vor dem Problem: «Wie mache ich meinem Gegenüber verständlich, wo in der Schweiz Heerbrugg liegt. Zumal Heerbrugg auf der Landkarte der Eidgenossenschaft zwar als Dorf, nicht aber als Politische Gemeinde aufscheint. «Am besten gelang dies mit dem Hinweis auf den Bodensee und die Nähe zur Mündung des Rheins in das beliebte internationale Gewässer vor der Kulisse der Alpen.» Zumal man heute seit zwei Jahrzehnten diese Region europaweit Alpenrhein nenne, könne man das ja auch mit einer so lautenden Stadt signalisieren. Der das tue, profitiere davon beträchtlich.

Stadt im Mittelrheintal im Keim erstickt

Just in der Zeit, als sich einige Ini-tianten und der Kanton St. Gallen anschickten, die Fusion der fünf Mittelrheintaler Gemeinden Au, Balgach, Berneck, Diepoldsau und Widnau zu prüfen sowie über einen möglichen Namen einer Stadt im Mittelrheintal nachzudenken, liess Fritz Staudacher im Internet die Domain «alprhein» registrieren. Seiner Meinung nach wäre dieser Name die beste Bezeichnung für eine neue Stadt. Oder zumindest die logischste. Die Diskussionen rund um einen Namen der neuen Stadt hatte damals einige Leserbriefe zur Folge. «Stadt Mittelrheintal» oder «Stadt Heerbrugg» hatten schliesslich ebenso wenig eine Chance wie die Fusion selbst. Am 17. Juni 2007 wurde die Idee einer «Stadt Mittelrheintal» von den Stimmberechtigten an der Urne bereits im Keim erstickt. Die Internet-Domain «alprhein» hat Fritz Staudacher die letzten neun Jahre nie genutzt. «Ich habe all die Jahre nie für das Publizieren einer Internetseite Zeit gehabt und einfach neun Jahre lang die 19 Franken für die Domain gezahlt», sagt Fritz Staudacher.

Bis der ehemalige Leica-Kommunikationschef kürzlich begonnen hat, unter www. alprhein.ch seine Webseite zu Jost Bürgi, dem Toggenburger Uhrmacher, Instrumentenbauer, Astronom und Mathematiker (1552 – 1632) mit Text und Bildern zu füllen. Nach mehrjähriger Recherche hat Fritz Staudacher 2013 das Buch «Jost Bürgi, Kepler und der Kaiser» veröffentlicht. Herausgeber des gediegenen Buches ist der Verlag Neue Zürcher Zeitung. Staudachers 312 Seiten umfassendes Werk erfreut sich international grosser Beliebtheit. «Kürzlich habe ich nun angefangen, mir für die ganzen Bürgi-Entwicklungen eine Webseite zu gestalten und nehme dafür freilich die vorhandene Domain alprhein.ch», sagt Fritz Staudacher. Was aber hat der Toggenburger Jost Bürgi mit alprhein.ch zu tun? Mindestens eine Verbindung gibt es: Der Bürgi-Biograf Staudacher ist in Widnau zu Hause. Die Schweiz und das St. Galler Rheintal sind schon vor vielen Jahren zur neuen, geliebten Heimat des aus Süddeutschland stammenden Schriftsetzers, Betriebsökonoms, Reporters, Werbeberaters und Buchautors geworden. Staudacher war schon in den 1970er-Jahren im OK der Kantonsschuleinweihung und der Eishallengründung sowie im Vorstand der Volkshochschule aktiv. Bei der Arbeit an seiner Homepage stellte Fritz Staudacher fest, dass sich die Grundsatzabstimmung zur Fusion der fünf Mittelrheintaler Gemeinden im Juni 2017 zum zehnten Mal jährt. «Unweigerlich kamen mir die damaligen Diskussionen rund um die Namensgebung und meinen Vorschlag in den Sinn, womit sich der Kreis zu <%LINK auto="true" href="http://www.alprhein.ch" text="www.alprhein.ch" class="more"%> schliesst», sagt Staudacher.

Der ehemalige Leica-Kommunikationschef bezeichnet es als «gewaltige Nachlässigkeit, ja auch eine Sünde», dieses Imagepotenzial so lange brach liegen zu lassen. «Die namenlose Stadt ist immerhin die zweitgrösste Agglomeration des Kantons St. Gallen mit über 30 000 Einwohnerinnen und Einwohnern», sagt Fritz Staudacher. Die Stadt liege in der Nord-Ost-Ecke der Schweiz, im Tal des Alpenrheins, und werde durch die siedlungsmässig nahezu vollständig urbane Vernetzung der fünf Gemeinden Au, Balgach, Berneck, Diepoldsau und Widnau sowie der Ortschaft Heerbrugg gebildet. «Der Name ohne Stadt heisst Alp­rhein und passt genau zur bis jetzt namenlosen Stadt im Tal des Alpenrheins. Er ist mit der nationalen Endung alprhein.ch seit einem Jahrzehnt für diesen Zweck geschützt», sagt Fritz Staudacher.

An der Zeit, Imagepotenzial nach aussen zu tragen

Wäre es nach zehn Jahren wie der an der Zeit, sich im Mittelrheintal über einen Zusammenschluss Gedanken zu machen? «Nachdem sich diese Stadt ohne Namen baulich beachtlich weiterentwickelt hat, wird es langsam Zeit, dieses Imagepotenzial einer modernen ur­banen Region darzustellen und die beiden Tatsachen zu ver­binden. Vielleicht mit einer neuen Stadt Alprhein», sagt Staudacher. Das Zeitfenster dazu sei einmalig.

Angenommen, aus den fünf Gemeinden würde die Stadt Alp­rhein entstehen. Was wäre dann mit den Gemeindenamen, an denen die Einheimischen doch so hängen? «Ihre Stadtteile könnten durch einen Zusammenarbeitsvertrag verbundene, weitgehend autonom bleibende Standortgemeinden sein. Also Alprhein Au bis Alprhein Widnau», sagt der Bürgi-Biograf.

Der Widnauer ist der Auffassung, die vor bald zehn Jahren vorgeschlagenen Namen «Stadt Mittelrheintal» und «Stadt Heerbrugg» hätten dazu beigetragen, dass die Fusion schon in der Grundsatzabstimmung gebodigt wurde. Jeder ganz neue Name habe es lokal noch schwerer; aber der Name Alp­rhein verfüge international über eine hohe positive Assoziationskraft, die sich schnell auf die Identität übertrage und den Standort bekannter und beliebter mache. Daran müsse man sich im internationalen Standortwettbewerb orientieren, und der werde zunehmend härter.

Eine Perle der Euregio Alpenrhein-Bodensee

Fritz Staudacher würde ge­genüber Fremden die Vorzüge der neuen Stadt wie folgt schildern: Alprhein – Angelpunkt der vier deutschsprachigen Länder Deutschland, Liechtenstein, Österreich und Schweiz; Stadt mit weltweit führenden High-Tech-Firmen und Arbeitsplätzen; Stadt mit dem Weinanbaugebiet im Kanton St. Gallen; Stadt mit allen Schulen von der Kinderkrippe bis zur Matura: Stadt mit nahezu tausend Ausbildungsplätzen; Stadt mit neun Jahrhunderten Geschichte ihrer fünf Stadtteile; Perle der Euregio Alpenrhein-Bodensee in einer der international attraktivsten Wirtschafts- und Freizeiträume.

Und was wäre im Fall der Gründung einer Stadt Alprhein: Würde er auf die Rechte von <%LINK auto="true" href="http://www.alprhein.ch" text="www.alprhein.ch" class="more"%> verzichten? «An der Domäne alprhein.ch möchte ich nichts verdienen. Ein Vor­arlberger hat sich vergeblich unablässig darum bemüht», sagt Fritz Staudacher. Es werde ja ­jenseits des Rheins auch über eine Fusion Dornbirn-Lustenau nachgedacht.