WIDNAU: Mit den Grizzlybären Alaskas auf Du und Du

Zum sechsten Mal organisierte der Gemeinderat den «w’ éco-apéro» für die Wirtschaftstreibenden der Gemeinde. Etwa 150 Teilnehmer verfolgten das Referat des Bärenexperten und Naturfotografen David Bittner.

Gerhard Huber
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David Bittner zeigte eindrückliche Bilder von seinen Begegnungen mit den Grizzlybären Alaskas. (Bild: Ulrike Huber)

David Bittner zeigte eindrückliche Bilder von seinen Begegnungen mit den Grizzlybären Alaskas. (Bild: Ulrike Huber)

Gemeindepräsidentin Christa Köppel freute sich über den guten Besuch des Wirtschafts-Apéros, zu dem die politische Gemeinde alle zwei Jahre ihre Wirtschaftstreibenden einlädt. Als Dankeschön für die Stärkung des Wirtschaftsstandortes. Für das Impulsreferat hatte man sich etwas Besonderes einfallen lassen. Der Berner Grizzly-Experte David Bittner erzählte von seinen vielen Aufenthalten bei «seinen» Bären in der Wildnis Alaskas und konnte viele Parallelen im Verhalten dieser mächtigen Tiere zu unserem täglichen Leben in Beruf und Familie aufdecken. So wurde das Referat ein Plädoyer für Respekt und Vertrauen.

Respekt und Vertrauen, zwei wichtige Vorgaben auch für das menschliche Verhalten, die in Zeiten der digitalen Welt und der sozialen Netzwerke immer mehr zu Respektlosigkeit und Unkultur mutieren würden. «Der Umgang mit den Grizzlybären ist eine Lebensschule. Man lernt, Vertrauen zu haben», zeigte sich Bittner überzeugt. Seit vielen Jahren lässt er sich in einem Naturreservat im tiefsten Alaska mit einem Flugzeug oder einem Boot in Gegenden aussetzen, die menschenleer sind und wo er dann für Monate meist alleine in seinem Zelt lebt. Gegenden, in denen sich aufgrund des guten Nahrungsangebotes auch standortgebundene Bären aufhalten. Zu etwa zehn Bären hat der Naturforscher im Laufe der Jahre einen guten Kontakt aufbauen können.

«Das erste Mal war ich eigentlich zum Fischen dort, merkte aber gleich, dass die Grizzlybären erstaunliche Tiere sind, die zu meiner Verblüffung mehr Angst vor mir hatten als ich vor ihnen.» Bittner räumte in seinem Vortrag gleich mit Vorurteilen auf: «Nach dem Winterschlaf fressen diese bei uns als grausame Raubtiere verschrienen grossen Bären ganz normales Weidegras. Gerade auch die europäischen Bären ernähren sich zu 95 % von Pflanzen und nur zu einem ganz kleinen Teil vom Fleisch anderer Tiere.» Bittner erzählte, dass er bei einem Erstkontakt mit einem Grizzly jeweils aus grosser Distanz auf sich aufmerksam mache. Während die meist neugierigen Tiere näherkommen, verharre er jeweils bewegungslos und versuche mit ruhiger Stimme Vertrauen aufzubauen. Einige der Bären kenne er bereits seit mehr als zehn Jahren. Und diese Tiere erkennen auch ihn sofort wieder. So zeigte Bittner Fotos und Videos, wie sich Balu, Bruno oder Luna ihrem Besucher bis auf kürzeste Distanz nähern. Wie sie sich von ihrem Besucher nur wenig stören lassen. Und wie er mit seiner Lieblingsbärin Loony Seite an Seite durch die Prärie spaziert.

«Anders als immer wieder behauptet, sind Bären keine Einzelgänger, sondern sehr soziale Wesen, die in einem strengen Hierarchiegefüge mit grossem Respekt und grossem Vertrauen miteinander leben.»

Gerhard Huber