WIDNAU: Lernlandschaft als dritter Lehrer

«Lernen in der Landschaft»: Mit dieser neuen Methode wird im Schulhaus Schlatt das eigenständige Lernen und die Neugierde gefördert.

Susi Miara
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Die Lernlandschaft ist in verschiedene Bereiche aufgeteilt.

Die Lernlandschaft ist in verschiedene Bereiche aufgeteilt.

Susi Miara

Das Schulhaus Schlatt blickt in die Zukunft und wagt einen Schritt zum neuen Schulmodell. Seit Anfang Jahr wird nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch in der neu gestalteten Lernlandschaft unterrichtet. «Eigentlich haben wir der Idee des Architekten, der einen Raum für die Lernlandschaft schaffen wollte, Leben eingehaucht», sagt Schulleiter Manfred Kügel und ergänzt: «Uns war von Anfang an klar, dass es nur dann ein Erfolg wird, wenn sich das ganze Team mit dem Projekt identifizieren kann. Sonst bleibt es ein toter Raum.» Die Lernlandschaft kann aber jetzt schon als ein Erfolgsmodell bezeichnet werden. «Die Kinder entwickeln sich durch Interaktion», erklärt Manfred Kügel. Eine entscheidende Rolle bei dieser Entwicklung spielen Eltern und Lehrer, die Gleichaltrigen und auch die ganze räumliche Umgebung. «Dieser neu geschaffene Raum ist somit der dritte Lehrer», sagt Manfred Kügel.

Bunte Kissen und Hocker vermitteln ein komplett neues Ambiente und weichen vom Charakter eines Schulzimmers ab. Klassenübergreifende Lernangebote animieren zum eigenständigen und selbstständigen Lernen und Arbeiten. «Dabei haben wir Zusatzangebote für leistungsstarke Kinder, aber auch Lernangebote für Kinder mit Lernschwierigkeiten», erklärt Projektleiterin Eva Wohlgenannt.

In den verschiedenen Bereichen kann man experimentieren, bauen, spielen und lernen. ­Mathematik und Deutsch sind genauso vertreten wie Natur, Mensch und Gesellschaft. Geübt wird mit Karteikarten. Lernspiele dienen der Übung und Vertiefung einzelner Bereiche. Dabei können die Schüler einzeln an einem Auftrag arbeiten oder in Gruppen ein Problem gemeinsam lösen. Die Arbeitsaufträge werden von der Lehrerschaft formuliert, gearbeitet wird dann aber eigenständig.

«Mit der Lernlandschaft wird auch die kollegiale Zusammenarbeit gefördert», sagt Eva Wohlgenannt. Dabei wird bewährtes Material eingebaut und das Fachwissen jedes Einzelnen genutzt.

Die Schüler lernen im eigenen Lerntempo voneinander und miteinander. Dies erfordert zwar ein hohes Mass an Selbstdisziplin und Ausdauer, macht aber auch Spass. «Für viele ist es eine Belohnung, in der Lernlandschaft arbeiten zu können», sagt Eva Wohlgenannt. Oft beobachtet sie Schüler, die freiwillig in der ­Lernlandschaft experimentieren oder in der Leseecke ein Buch aus der eigenen Bibliothek lesen. Somit können im «Schlatt» alle von den zusätzlichen Ressourcen profitieren.