WIDNAU: Kranker Baum, gesunde Struktur

Die Katholiken haben einige Aufgaben zu bewältigen. Die einen sind sichtbarer, wie das Fällen der kranken Linde vor dem Jakobihus. Andere sind weniger augenfällig, wie die Verankerung des Zweckverbands.

Monika von der Linden
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Die Sommerlinde vor dem Jakobihus ist älter als Kirchenpräsident Christof Köppel. Der blaue Punkt markiert eine Bohrstelle, an der man die Fäulnis im Stammesinneren nachgewiesen hat. Aus Sicherheitsgründen muss der 21 Meter hohe und 1,1 Meter dicke Baum mit einem Kronendurchmesser von 14 Metern gefällt werden. Als Ersatz wird wieder eine Sommerlinde gepflanzt. (Bild: Monika von der Linden)

Die Sommerlinde vor dem Jakobihus ist älter als Kirchenpräsident Christof Köppel. Der blaue Punkt markiert eine Bohrstelle, an der man die Fäulnis im Stammesinneren nachgewiesen hat. Aus Sicherheitsgründen muss der 21 Meter hohe und 1,1 Meter dicke Baum mit einem Kronendurchmesser von 14 Metern gefällt werden. Als Ersatz wird wieder eine Sommerlinde gepflanzt. (Bild: Monika von der Linden)

Kirchliche Themen lösen oft Emotionen in der Bevölkerung aus. Das wird sicher auch so sein, wenn demnächst die Sommer­linde vor dem Jakobihus gefällt wird, obschon der Grund rein sachlich ist. Der schätzungsweise achtzig bis hundert Jahre alte Baum fault innen und ist ein Sicherheitsrisiko. «Er gehört zum Platz und duftet herrlich während der Blüte», sagt Kirchenpräsident Christof Köppel. Er kenne den Baum seit seiner Kindheit. Auf einen Ersatz muss man nicht lange warten. Es wird eine neue Sommerlinde gepflanzt, so gross, dass sie gut anwachsen kann.

Ebenso nötig, aber weniger gefühlsbehaftet ist die Aussen­sanierung des Jakobihuses. Nach zehn Jahren sind lediglich Unterhaltsarbeiten, aber keine Umbauten nötig. Für 40000 Franken werden die Fenster und das Dach auf Schäden untersucht sowie die Fassade gestrichen.

Bruder-Klaus-Kapelle wird saniert

Es ist Zufall, dass die Bruder-Klaus-Kapelle beim Spielplatz Lugwies gerade in dem Jahr saniert werden muss, in dem ihr Namensgeber 600 Jahre alt geworden wäre. Die Arbeiten an der Kapelle, die eine Holzfigur von Albert Wider beherbergt, kosten 35000 Franken. Im Winter wurden bereits die Bäume gelichtet, und nun müssen die Mauer und Sandsteinblöcke ausgebessert werden. «Das Dach könnte der Knackpunkt sein», meint Köppel. «Wir müssten ein Flachdach wählen, falls wir keine gewellten Holzriegel mehr finden.» Die Sanierung soll im Sommer fertig werden. Gefeiert wird das am Vorabend von Bruder Klaus’ Geburtstag mit einer Vesper.

Die Widnauer Jungwacht möchte sichtbarer werden. Das will sie mit einer Plastik erreichen, die zwischen der Kirche und dem Schulhaus Rüti zu stehen kommt. Darauf zu sehen sein soll das Jungwacht-Symbol, das sich aus einem P und einem Kreuz zusammensetzt. Finanziert wird die Plastik aus einem Beitrag ehemaliger Jungwächter.

«Es tut uns gut, den Dialog mit der Diaspora zu pflegen», sagt Christof Köppel über die Partnerschaft mit Le Lignon. Seit etwa sieben Jahren unterstützt die Widnauer Kirchgemeinde ihr Pendant in der Nähe von Genf mit jährlich 5000 bis 15000 Franken. «Sie wenden sich stets mit konkreten Vorschlägen an uns.» Da geht es um Bastelmaterial, einen Tschüttelikasten oder um einen Zuschuss, damit ein paar Kinder mehr am ökumenischen Sommerlager teilnehmen können.

Zweckverband geht in die zweite Phase

Während der Unterhalt der Liegenschaften zu den sichtbaren Aufgaben des Verwaltungsrates gehört, sind die Einführung des Lehrplans 21 und strukturelle Veränderungen weniger augen­fällig.

«Es wird sich weisen, ob die Aufteilung des ERG-Unterrichts (Ethik, Religionen, Gemeinschaft) auf Schule und Kirche gut funktioniert», meint Köppel. Die Kirche sei zwar beim Ersatz für den Bibelunterricht weiter in der Schule vertreten, übernehme aber auch Verantwortung. «Veränderungen spüren wir überall und stellen uns ihnen. Wir starten am 1. August mit ERG Kirche.»

Eine Vorreiterrolle im Bistum St. Gallen nimmt die Kirchgemeinde Widnau zusammen mit Diepoldsau und Balgach ein. Im letzten Sommer haben die drei Behörden als erste, deren Pfar­reien in einer Seelsorgeeinheit zusammengeschlossen sind, einen Zweckverband gegründet. Präsidiert wird er von Brigitte Wicki (Balgach).

Im Wissen, die Vorstufe einer Fusion langfristig nicht umgehen zu können, gestalten die Ver­waltungen den Wandel lieber selbst. Es steht ihnen kein Vorbild zur Seite und eine Anleitung vom Administrationsrat gibt es auch nicht.

In der ersten Phase wurde eine eigene Buchhaltung für den Zweckverband eröffnet. Damit sind gemeinschaftliche Kosten der Seelsorgeeinheit nicht mehr Teil der Kirchgemeindebudgets – der Zweckverband meldet jeweils seinen Finanzbedarf an. Denn das Pastoralteam ist neu beim Zweckverband und nicht bei einer Kirchgemeinde angestellt. «Der Vorteil ist, dass wir die Mitarbeiter dort einsetzen können, wo sie gebraucht werden.» Und die Pfleger werden von komplizierten Personalabrechnungen entlastet.

Nun werden die etwa dreissig Katecheten einheitlich eingestuft, rechtzeitig zur Einführung des Lehrplans 21. Grundlage ist das Personalreglement des Konfessionsteils, das seit Jahresbeginn in Kraft ist.

Langfristig sinkt der Aufwand für jede der drei Kirchgemeinden. «Das Verständnis muss aber noch wachsen», meint Köppel. Es sei wichtiger denn je, die beiden Seiten des dualen Systems – Behörde und Pastoral – voneinander abzugrenzen.

«Zu Kritik über die Liturgie, das Liedgut oder den Kirchenschmuck habe ich als Kirchenpräsident nichts zu sagen. Das betrifft das Pastoralteam.» Deshalb ist Diakon Bernd Bürgermeister als Teamkoordinator Bindeglied zum Zweckverband.