WIDNAU: Früher ein Heilkraut, heute ein Neophyt

Das Berufkraut oder Mutterkraut erinnert mit seinen Blüten an die Kamille. Doch es ist keine Heil- oder Zierpflanze, sondern ein Neophyt, der die einheimische Flora verdrängt.

Susi Miara
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In Windau wächst das Berufkraut sogar aus einem Schacht heraus. (Bild: Susi Miara)

In Windau wächst das Berufkraut sogar aus einem Schacht heraus. (Bild: Susi Miara)

«In Widnau wächst das Berufkraut sogar aus dem Schacht heraus», sagt Gärtnermeister Peter Lippus. Er habe die Pflanze erstmals vor zehn Jahren in den Rebbergen gesehen. Heute findet man sie überall. Betrachtet man die kleinen, schönen Blüten, findet man die Pflanze sogar schön. Doch das täuscht. «Obwohl das Berufkraut nicht giftig ist, wird es vom Vieh gemieden. Daher kann es sich auf Weiden massiv vermehren und diese stark verunkrauten», warnt Erwin Jörg auf seiner Website neophyt.ch. An manchen Standorten und Magerwiesen verdränge es die einheimische Flora. «Das Berufkraut oder Mutterkraut ist in Nordamerika beheimatet und wurde bei uns als Gartenpflanze eingeführt», wie die Website erklärt. Es ist eine bis zu einem Meter hohe behaarte Krautpflanze. Im Gegensatz zur Kamille, die dem Berufkraut sehr ähnlich ist, hat das Berufkraut ungeteilte grob gezähnte Blätter. Ab Juli entstehen bereits reife Samen, die meist schon im Herbst keimen. Die Überwinterung findet dann als Rosette statt. Die Früchtchen sind mit einem Schirmchen versehen, wodurch sie mit dem Wind kilometerweit fortgetragen werden können. Keimfähige Samen bilden sich auch ohne Befruchtung. Daher kann sich aus einer einzigen Pflanze ein ganzer Bestand bilden.Um dem Herr zu werden müssen noch vor der Blüte die Pflanzen ausgerissen und in der Kehrichtverbrennung entsorgt werden. Werden sie gemäht, treiben sie wieder aus und bilden in kurzer Zeit Blüten oder werden sogar mehrjährig. Als Heilpflanze ist das Berufkraut heute kaum bekannt, denn als eingewanderte Pflanze hat es in Europa noch keine klassische Heilkräuter-Tradition. Im Altertum und auch im Mittelalter hatte das Berufkraut jedoch ein hohes Ansehen. Seine Hauptfähigkeiten lagen vor allem in der Linderung von Erkältungskrankheiten.

Susi Miara